Griechenland trifft Vorbereitungen für Banken-Run

Nach Ansicht eines Auditors von BlackRock müssen mehrere griechische Banken vorübergehend verstaatlicht werden, um handlungsfähig zu bleiben. Ein griechischer Top-Banker sagte, ein größerer Schuldenschnitt als 21% würde die griechische Schuldenlast nur geringfügig erleichtern.

(16.10.2011) Die Verhandlungen über einen Schuldenschnitt mit Griechenland sind nichts anders als der Versuch, eine mehr oder weniger geordnete Insolvenz Griechenlands zu bewerkstelligen. Während in Europa Banken und Politiker über die Höhe eines solchen Schuldenschnitts verhandeln, bereiten sich die Griechen selbst auf dieses Pleite-Szenario vor. Im Vordergrund steht dabei, einen Banken-Run zu verhindern – und wenn er schon nicht verhindern werden kann, so sollen wenigstens die Banken darauf strukturell vorbereitet werden.

Craig Phillips, Manager der Investment-Firma BlackRock, die sich im Auftrag der griechischen Notenbank die Bücher der griechischen Banken angesehen hat, sagte am Sonntag in verschiedenen griechischen Medien, dass mehrere griechische Banken vorübergehend verstaatlicht werden sollten. Sie seien aufgrund der wirtschaftlichen Lage und der Schuldenlast nicht mehr in der Lage, genügend Liquidität an den Märkten zu beschaffen, um ihre Geschäfte aufrechtzuerhalten.

Vor allem die Diskussion um einen höheren Schuldenschnitt hat den Druck auf die griechischen Banken enorm erhöht. Sie müssen sich nun auf gigantische Verluste in den Büchern einstellen und können ohne staatliche Rettung nicht überleben.

Zwar gibt es in Griechenland schon einen Rettungsfonds für Banken. Die Griechen haben jedoch lediglich 10 Milliarden Euro eingezahlt, die sie aus dem EU-Rettungsfonds erhalten hatten. Das meiste Geld ging in den normalen Haushalt oder wurde zur Bezahlung von Zinsen verwendet. Es wird jedoch geschätzt, dass die Banken mindestens 30 Milliarden Euro brauchen.

Wegen dieser kritischen Lage lehnt auch der Chef der Piräus-Bank einen größeren Schuldenschnitt als die 21% ab. Er kritisierte den Chef der Euro-Gruppe Jean-Claude Juncker indirekt heftig und sagte, nur Leute, die entweder nichts zu verlieren hätten oder sich der Tragweite ihrer Forderungen nicht bewusst seien, könnten einen höheren Schuldenschnitt verlangen. Außerdem sei damit kein Problem gelöst: Denn die kolportierten 180 Milliarden Euro an Schulden würden durch einen Schuldenschnitt nicht verschwinden – im besten Fall könne man 25 Milliarden Euro loswerden, sagte Michalis Sallas einem Bericht der Zeitung Katherimini zufolge.

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