Griechenland-Rettung: 81% der neuen EU-Tranche gehen an die Banken

Der überwiegende Anteil der nächsten „Rettungs“-Tranche für Griechenland wird in den Büchern der europäischen Banken und der EZB landen. Die Griechen müssen damit nämlich ihre Schulden bezahlen. Nur 19% verbleiben für ihren nationalen Haushalt.

(09.11.2011) Diese Zahlen erklären, warum die EZB, Angela Merkel und Nicolas Sarkozy so panisch auf die Idee eines Referendums in Griechenland reagiert haben, warum viele Banker vor dem Untergang des Abendlands gewarnt und alle zusammen so das perfekte politische Chaos in Griechenland ausgelöst haben: 81% der 8 Milliarden Tranche, die in den kommenden Tagen überwiesen werden, wandern direkt in die Bücher der EZB, der europäischen und der griechischen Finanzinstitutionen. Der griechische Mittelstand stirbt dagegen ohne großen Aufhebens aus.

Nach einer Berechnung von Peter Tchir von TF Market Advisors gehen 40% an internationale Banken und Versicherungen. 18% gehen direkt an die Europäische Zentralbank (EZB). 23% gehen an griechische Institute. Dieser Betrag muss jedoch zum großen Teil auch der EZB zugeschlagen werden, weil die griechischen Banken das Geld für den Schuldendienst bei der EZB verwenden müssen. Unklar ist, wie viel an Derivaten noch bei griechischen Banken lagern, die Summe dürfte etwa bei 90 Milliarden Euro liegen. Es ist anzunehmen, dass ein Teil des Geldes für die griechischen Banken zum Schuldendienst an solchen Derivate verwendet wird.

Nur magere 19% kann Griechenland somit für den Haushalt verwenden. Damit wird verständlich, warum die Griechen im Grunde wenig Wert auf die von der EU so angepriesene Tranche legen: Der Löwenanteil geht nämlich gar nicht nach Griechenland.

Das Konzept ist einfach: Die Griechenland-Rettung ist nichts anderes als eine Bankenrettung. Den Griechen werden weitere Schulden auferlegt, damit sie ihre bestehenden Schulden bezahlen können. Diejenigen, die ihnen das Geld „geben“, nehmen sich das Geld auch gleich wieder. Dass dies zum Jahresende geschieht ist auch kein Zufall: Die Zahlungen an die Banken verbessern deren Ergebnisse, was wiederum direkten Einfluss auf die Bonus-Zahlungen bei den Banken hat.

Vor diesem Hintergrund sind die politischen Solidaritätsbekundungen aus Berlin und Paris bestenfalls als wohlfeil zu bezeichnen. Denn das Geld verbessert die Lage Griechenlands mitnichten. Es hat ausschließlich den Zweck, die riskanten Investments des Finanzsektors so lange abzufedern, bis die EZB ohne großen Crash den Rest abschreiben kann. Wenn das Umschuldungs-Monopoly beendet ist, kann Griechenland aus Sicht der EU gerne die Insolvenz anmelden – die europäischen Banken haben ihre Schäfchen dann schon ins Trockene gebracht. Das große Friedensprojekt Euro entpuppt sich als nichts anderes als eine ziemlich unsolidarische Form der modernen Schuldensklaverei.

Ach ja, aber wer zahlt dann eigentlich die 8 Milliarden Euro wirklich? Ganz einfach: die Steuerzahler der Geber-Länder. Die sollten sich aber in Deutschland entspannen, wurde ihnen doch gerade von der Bundesregierung ein satter Bonus in Form der Erhöhung des Freibetrags beim Existenzminimum und der von der CSU gefeierten 100-Euro-Herdprämie gewährt. Undankbarkeit ist unangebracht. Höchstens ein kleiner Wehrmutstropfen: Anders als die Banker sehen die Deutschen ihre Boni nicht mehr vor dem Weihnachtsfest, sondern in Stufen bis 2014. Aber wer wird denn so kleinlich sein, sich darüber zu beklagen. Es hätte auch nichts sein können.

Kommentare

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  1. H.F. sagt:

    @ Astrid Mohr

    Ja, das ist richtig, aber leider wird man auch von vielen Mitbürgern, die man aufklären will, auch heute noch belächelt und als Verschwörer bezeichnet.

    Ich kann’s nur mit den Worten von Jean Paul, deutscher Dichter, sagen:

    „Wenn ihr eure Augen nicht braucht, um zu sehen, werdet ihr sie brauchen, um zu weinen“

    • schlaumeister sagt:

      Das System ist schon so absurd und pervertiert, dass der Durch-
      schnittsbürger sich so etwas nicht mal in seinen kühnsten Träumen
      vorstellen kann. Die Wirklichkeit übertrifft jede Vorstellungskraft,
      ist deshalb nicht mehr faßbar. Im Alltag ist ja scheinbar auch nichts
      zu merken, dank Frau Merkel. Um so grauenhafter wird der Crash
      den Dummbeutelmichel in seinen Grundfesten erschüttern.

  2. Lamberto sagt:

    Die Germanen in Nord Deutschland haben in 9 n. Christus Germania befreit von dem Sud Europäer aus Rom die auch gekommen sind um die freien Leute zu knechten und aus zu rauben.
    In Detmold Teutoburger Wald steht „Hermann“ bereits von Wut zu zittern.
    Er wartet auf Helfer die Deutschland retten von dem Untergang.
    Vor zwei tausend Jahr lebten in Deutschland noch richtige Männer und Frauen, aber jetzt verhalten die meisten sich als Waschlappen.

  3. Astrid Mohr sagt:

    Genau so sehe ich es auch.
    Aber die Menschen sind wie ferngesteuerte Wesen.
    Abgefüttert mit Gentecchnik und Aromen und sonstigen Schweinereien,

    Die Medien tun dann den Rest mit falscher Information.

    Die Occupy Bewegung wird in den Medien geschnitten oder defamiert.
    Dämliche Bürger, haben keine Ahnung, sagen die sogenannten Experten.
    Nur wir haben das Land voll Experten, aber leider teils korrupt oder Fachidioten, mit vorgefertigten Reden und keinen Überblick mehr.

    Die Anstalt lässt grüßen

    Eine Occupyanerin