Troika-Geheimpapier: Griechenland braucht bis zu 444 Milliarden Euro

In einer geheimen Studie hat die Troika den „worst case“ in Griechenland ermittelt: Die für einen Bailout benötigte Summe könnte in astronomische Höhen schießen. Im besten Fall werden es 252 Milliarden Euro sein. Um wenigstens die Juli-Projektion zu erreichen, ist ein 60%-Schuldenschnitt unausweichlich.

(21.10.2011) Auf dem EU-Papier, welches der britischen Financial Times zugespielt wurde, steht „streng vertraulich“ – zu Recht. Denn die Projektionen, die es enthält, können einem den Atem verschlagen: Griechenland könnte bis zu 444 Milliarden Euro an Bailout-Geldern verschlingen.

Paul Mason von der BBC hat den worst case noch einmal nachgerechnet und teilt auf seinem Twitter feed mit, dass die Summe sogar auf 551 Milliarden Euro ansteigen könnte.

Da braucht es schon mehrere Wagenheber, um alle europäischen Rettungsfonds zu hebeln. Wirtschaftsexperten haben für die Troika aus EU, EZB und IWF berechnet, dass entgegen der bisherigen Einschätzung ein Domino-Effekt gar nicht mehr nötig ist, um den Crash in der Euro-Zone herbeizuführen. Denn die nun kursierenden Größenordnungen sprengen alle Möglichkeiten der EU – und das nur für Griechenland.

Und selbst der „best case“ ist ganz und gar unerfreulich: Die Berechnungen weisen für diesen Fall einen Finanzierungsbedarf von satte 252 Milliarden Euro aus – mehr als das Doppelte dessen, was die Euro-Retter vor gerade mal drei Monaten veranschlagt haben. Um mit den „geplanten“ 109 Milliarden Euro auskommen zu können, ist nach Einschätzung der Experten nun ein Schuldenschnitt von 60% nötig (Merkel und Sarkozy haben die Pleite am Donnerstag eingestanden). Im Juli hatten die Banken einem Haircut von 21% zugestimmt, und noch vor kurzem haben sie angedeutet, dass es dabei bleiben soll.

Poker: Politik gegen Banken

Die Zahlen sind natürlich auch von taktischer Bedeutung. Denn entgegen allen Ankündigungen von Angela Merkel, dass an diesem Wochenende die neue europäische Ordnung verkündet wird, geht es bei diesem Gipfel vor allem um den kruzfristigen Poker zwischen Politik und Banken. Die Ankündigung von EU-Ratspräsident Jean-Claude Juncker am Samstagmorgen, von den Banken mehr Geld für die Rettung zu verlangen, muss in diesem Zusammenhang gesehen werden: Die EU baut besonders drastische Szenarien auf, um die Banken zum Einlenken zu zwingen.

Bemerkenswert ist daher auch der Umgang der Euro-Retter mit diesen Zahlen: Das geheime Papier wurde erst wenige Stunden vor dem Treffen der 17 Finanzminister aus der Eurozone an die europäischen Hauptstädte verschickt. Der Grund dieser „Verzögerung“ ist nach Aussage von EU-Offiziellen ein tiefer Dissens zwischen dem Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Zentralbank. Der IWF vertritt die Auffassung, dass die privaten Gläubiger einen dramatischen Schuldenschnitt hinnehmen müssen. Aber auch der IWF hat nach Mitteilung von Paul Mason den Bericht nicht unterschrieben: Die FT kommt zu dem sarkastischen Schluss, dass EZB und IWF am Ende einen 90-100%-Haircut riskieren, wenn sie weiter auf Zeit spielen.

Die EZB fürchtet vor allem, dass ein solch dramatischer Schuldenschnitt des privaten Sektors zu Panik an den Märkten führen würde. Und schließt daher sicherheitshalber die Augen: In einer Fußnote zu dem Paragraph, der den 60% Haircut erwähnt, distanziert sich die EZB von dieser Möglichkeit. Es heißt da wörtlich: „Die EZB stimmt mit dem Einschluss dieser illustrativen Szenarien für die Beteiligung des privaten Sektors in diesem Bericht nicht überein.“ Verständlicherweise kann sich EZB-Chef Jean Claude Trichet offenbar eine vor seinem Ausscheiden aus dem Amt nicht mit der Idee anfreunden, dass nicht einmal seine Rente sicher ist.

Trotz der Schwierigkeiten der Griechen, ihr Sparprogramm umzusetzen, haben die Finanzminister 5,8 Milliarden Euro nach Athen überwiesen. Gleichzeitig werden die Erwartungen der Privatisierungserlöse um 20 Milliarden Euro gesenkt. Was die Griechen der EU da vorher versprochen haben ist nur schwer zu erklären. In diesem Jahr soll es nur eine Privatisierung geben. Die Griechen haben heute bekanntgegeben, sich vom Herzstück der griechischen Wirtschaft trennen zu wollen – der staatlichen Lotterie.

Kommentare

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  1. schlaumeister sagt:

    Bevor es den 100% haircut gibt, jagen wir erst mal weitere Milliarden dort hinunter.
    Das gute Geld mit dem schlechten kommen nie mehr zurück.

  2. olle Ingi sagt:

    „Politik gegen Banken“ ist ein Widerspruch in sich.
    Sie sind die beiden Seiten derselben Medaille,
    die perfekte Symbiose für einen perfekten Parasit.
    Der Staat garantiert das Geldmonopol für die Banken,
    die nutzen es per Geldschöpfung=Inflation zum legalisierten
    Raub an der Bevölkerung, und revanchieren sich dafür beim Staat mit
    ebensolcher Geldschöpfung, in dem Fall nicht rückzahlbareb
    Staatskrediten, die der Staat wiederum zum Wählerkauf nutzt.
    Die beiden Krähen werden sich niemals ein Auge aushacken,
    höchstens zum Theater für die Massen ein bischen ankrähen.

  3. ASTRO-WOLF sagt:

    Danke, dass IHR wieder auf „Sendung“ seid. Die SATANISCHEN Mächte lassen einfach nichts unversucht. Aber deren Angriff kommt einem Adelstitel in der Medienbranche gleich!!!

    Die KRIECHERISCHEN Massenmedien haben über Jahrzehnte die Veröffentlichung der WAHRHEIT verhindert, blockiert oder sogar DAS GEGENTEIL BEHAUPTET!

    Diese Verlogenheit rächt sich jetzt – denn nicht mal jetzt, entweicht allzu viel ungefilterte Wahrheit!

    Danke für EUREN MUT!!!

    Bitte so weiter machen, und den Server dreifach absichern!