Investoren: Deutschland ist riskanter als Italien

Bisher war Deutschland der „sichere Hafen“ für die Käufer von Staatsanleihen. Aber das Blatt scheint sich zu drehen. Kein Wunder: In Italien ist das Schlimmste schon in den Zinsen eingepreist. Für Deutschland dagegen gilt: Wer hoch steigt, kann tief fallen.

Frankreich und Italien waren bis jetzt die am meisten versicherten Länder auf dem globalen CDS Markt. Die Krise in Italien und die Verwicklung der französischen Banken in die italienischen Schulden trieb den CDS-Markt für beide Länder in die Höhe. Doch nun nehmen die Bestände von CDS auf deutsche Staatsanleihen weiter zu und drohen die CDS auf italienische und französische zu überholen.

Deutschland ist dabei, Frankreich und Italien als am meisten durch CDS versicherte Länder zu überholen. Üblicher Weise werden CDS (Credit Default Swaps) als Absicherung für Staatsanleihen von Investoren gekauft, um im Falle einer Pleite des Staates versichert zu sein. Die schwierige Lage in Italien hat nicht nur die Zinsen für italienische Staatsanleihen in die Höhe getrieben (mehr hier), sondern auch entsprechend den CDS-Markt auf italienische Schulden, da die Investoren sich für den Fall der Fälle absichern wollen. Ebenso stiegen die CDS auf französische Schulden. Frankreichs Banken haben massive Kredite an Italien vergebene und machen den Staat so stark von der Genesung Italiens, um nicht selbst tiefer in die Krise zu stürzen.

Die auf französische Staatsanleihen ausgegebenen CDS haben mittlerweile einen Netto-Nominalwert von 22,6 Milliarden Dollar erreicht und ließen so sogar die CDS auf Italiens Schulden (20,1 Milliarden Dollar) hinter sich. Trotz der im Vergleich extrem niedrigen Zinsen, liegen die CDS für deutsche Staatsanleihen derzeit aber bereits bei 19,9 Milliarden Dollar. Analysten , so die Financial Times, erwarten sogar, dass der Netto-Nominalwert von den CDS auf deutsche Staatsschulden, also die maximale Geldmenge, die im Falle einer Pleite Deutschlands ausgezahlt werden muss, Mitte Januar noch auf über 20 Milliarden Dollar anschwellen werde, und somit Frankreich und Italien hinter sich lässt. Und das, obwohl Deutschland lang für Anleger als sicherer Hafen betrachtet wurde (Investoren zweifeln mittlerweile an Deutschlands Sicherheit – mehr hier).

Marktteilnehmer sagen, die steigenden CDS-Bestände auf deutsche Staatsanleihen seien weniger auf die gescheiterte Auktion von deutschen Staatsanleihen der vergangenen Woche  oder auf Wetten gegen die finanzielle Gesundheit des Landes zurückzuführen. Eher scheinen Brokern und Tradern zufolge die CDS auf italienische und französische Staatsanleihen gefallen zu sein, weil speziell in Rom wirklich das reale Risiko eines Staatsbankrotts gesehen werde. Im ersten Moment scheint dies widersprüchlich, da man sich mit CDS ja gegen eine Pleite absichert, aber im Falle eines Bankrotts wolle man eher keinerlei Bestände von Staatsanleihen haben und einfach die Versicherungen dafür erhöhen, erklärte ein US-Trader der Financial Times. Man versuche „die Staatsanleihen zu verkaufen, statt sie mit CDS zu kürzen.“

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Kommentare

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  1. Stefan Wehmeier sagt:

    Die Meinung von „funktionslosen Investoren“ (nach J. M. Keynes) ist irrelevant.

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/08/naturliche-wirtschaftsordnung.html

  2. Detlef Reimers sagt:

    Die bisher einleuchtenste und beste Analyse zu den Hintergründen bei der deutschen Auktion hat aus meiner Sicht Paul Craig Roberts (ehemaliger Finanzberater Reagan’s) in folgendem Artikel gegeben:

    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/paul-craig-roberts/die-banker-uebernehmen-die-macht-in-europa-goldman-sachs-steht-dabei-mit-an-der-spitze.html

    Er geht hier insbesondere auf den offensichtlichen Widerspruch ein, dass Italien im Gegensatz zu Deutschland seine Papiere sehr wohl loswerden konnte. Ich empfehle diesen Artikel besonders, da Roberts sogar noch weiter geht und belegt, dass hier ein konzertiertes Vorgehen – also geplant – abgelaufen ist.

    D. Reimers

    • Cuzco sagt:

      Wenn ich unter diesen Umständen das Wort „liquide“ lese, stellen sich meine Nackenhaare auf!

      Wenn eine Hausfrau mit dem Einkommen ihres Mannes so haushalten würde, wie es die involvierten Staaten mit den Steuergeldern ihres Volkes tun, hätte er ihr wahrscheinlich schon lange die Leviten gelesen. Sie steht in der Verantwortung mit dem Haushaltsgeld sorgfältig umzugehen und zu schauen, dass es nach Möglichkeit keinem der Familienmitglieder an etwas fehlt.

      Daran sollten sich wohl ALLE Staaten ein gutes Beispiel nehmen…
      …was aber KEINER tut und (wahrscheinlich) keiner WILL!

      Fakt ist, der Karren steckt zu weit im Dreck, als dass ihn noch Irgendwer herausziehen könnte.

      Die Menschheit ist auf dem Zenith angekommen, die Erde ausgebeutet und überbevölkert. Von jetzt an kann es nur noch bergab gehen- für einen längeren Zeitraum- und mit viel Glück gehören wir zu denjenigen, die eine bessere Zukunft mitgestalten können. Dann läge die Verantwortung bei UNS.

      Ich habe für meine Familie und mich vorgesorgt und hoffe für möglichst Viele, dass sie auch soweit gedacht haben.
      Die Ereignisse werden sich in den nächsten Tagen bis Monaten so sehr überschlagen, dass einem Hören und Sehen vergehen wird.
      Ich wünsche mir so sehr, dass es nicht zum Äußersten kommt, aber insgeheim rechne ich damit.
      Kommt es tatsächlich soweit, hoffe ich nur, dass die Gerechtigkeit siegt und es die Richtigen erwischt…