Italien: Monti wandelt Finanzministerium in Bank um

Das italienische Finanzministerium will nun aktiv in den Geldmarkt eingreifen und rief ein neues System für Auktionen ins Leben. Damit will es Geld leihen und verleihen und kann so den Druck von den immens hohen Zinsraten auf Staatsanleihen nehmen.

In Italien könnte der normale Steuerzahler schon bald vom Souverän zum Bankkunden werden. In einer Pressemitteilung teilte das italienische Finanzministerium mit, dass heute ein neues „System für das Management von Liquidität startet“. Für diese neue Aktion nutzt das Finanzministerium sein Konto bei der Bank of Italy. „Es wird eine morgendliche Auktion und vielleicht eine Nachmittagsauktion geben“, die beide von der Bank of Italy geleitet werden

„Die Auktion wird es dem Finanzministerium erlauben, einschlägige Mengen von Cash auf dem Geldmarkt zu leihen und zu verleihen“, heißt es in der Pressemitteilung. Grundsätzlich sollen die Transaktionen eine „Fälligkeit bis zum nächsten Geschäftstag“ haben und die Kreditgrenzen an die jeweiligen Partner angepasst werden. So werde die „Liquidität wahrscheinlich auch über bilaterale Verhandlungen geführt“, die von der Bank of Italy im Auftrag des Finanzministeriums geführt werden oder von dem Ministerium selbst.

Dieses neue System zeigt, dass das italienische Finanzministerium  bereit ist, direkt in den Geldmarkt einzugreifen, um vorsorglich die Spannungen zu lockern. Eine Aufgabe, die normaler Weise der Zentralbank zukommt. Bei den derzeitig horrenden Zinsen sowohl für langfristige als auch für kurzfristige italienische Staatsanleihen (mehr hier), wird es für den Staat immer schwieriger, sich am herkömmlichen Markt Geld zu leihen. Das neue System scheint also vor allem dazu zu dienen, mehr Staatsanleihen in den Markt einzuführen als ihn mit Cash auszustatten. Immerhin sagt das Finanzministerium, es könne durch dieses System „leihen und verleihen“.

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Kommentare

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  1. Demokratie 4.0 sagt:

    Dazu passt dieser Artikel über die technischen „Niemandsregierungen“ in Italien und Griechenland: http://www.demokratie4punkt0.de/2011/12/die-niemandsregierung-ein-albtraum.html

  2. Jochen Gnauer sagt:

    Das kommt zu spät ! Bis das etabliert ist, ist Italien pleite !

  3. imperator sagt:

    So einfach ist das ! Und dazu hat man Monti gebraucht ?!

  4. Claus O. sagt:

    Mittlerweile lässte es sich nicht mehr schön reden, der Euro steckt in seiner schwersten Krise und droht abzustürzen. Die Politik reagiert eher kopflos. Man spricht sogar schon von Notverordnungen, d.h. die Demokratie wird abgeschafft. Damit ein grossteil der Banken und Versicherungen die Hedge Fonds betreiben nicht den Bach runtergehen.

    Die Politik verstpielt die Renten der Bevölkerung. Eine grosse Depression wird die Folge sein. Natürlich wird es hier auch wieder Krisen – Gewinner geben.
    Aber den letzten , d.h. den sog. kleinem Mann, beissen die Hunde.
    Na denn, fröhliches Fest.

  5. Selbstdenker sagt:

    Heute auf einem Kinderspielplatz irgendwo in Deutschland.
    Eine Frau spricht einen kleinen Jungen an. „Na, Kleiner, kannst Du denn überhaupt schon bis 3 zählen?“
    „Aber klar doch, kein Problem“, und er streckt den Arm mit 5 ausgestreckten Fingern in die Luft.
    „Aber das sind doch 5 Finger“, sagt die Frau.
    Meint der Kleine: „Klar doch, ich habe gehebelt.“