EZB: Verliert Asmussen seinen Job schon vor dem Antritt?

Mitten in der Krise liefern sich Deutschland und Frankreich in der EZB ein Postengeschacher. Der Franzose Benoît Cœré und der deutsche Ökonom Jörg Asmussen kämpfen um den Posten als Chefsvolkswirt der EZB. Dabei geht es um mehr als nur eine Personalbesetzung. Es geht um den Kurs der EZB.

Statt nach Lösungsmöglichkeiten für die Euro-Krise zu suchen, entbrennt zwischen Frankreich und Deutschland nun ein Personalkrieg. Jörg Asmussen, der seit 2008 Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen ist, wird wie der Franzose Benoît Cœré am 1. Januar zum Direktorium der EZB gehören. Benoît Cœré hat eine ähnlich gute Reputation wie Jörg Asmussen, da er bereits Chefsvolkswirt im französischen Finanzministerium ist. Beide kommen also für den Posten als Chefsvolkswirt der EZB in Frage und würden im nächsten Jahr die Nachfolge von Jürgen Stark antreten können.

Die Süddeutsche berichtete heute, dass es bei dem gestrigen Treffen der Finanzminister der Euro-Länder zu Verzögerungen aufgrund eines entbrannten Streits über eben genau diese Nachfolge gekommen sei. Interessanter Weise schrieb die Zeitung in einem Artikel heute Nacht: „Die Minister votierten schließlich einstimmig für den Franzosen Benoît Cœuré als Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank und nicht für den deutschen Kandidaten Jörg Asmussen.“ Die Süddeutsche schreibt hier von einer Entscheidung, die so gar nicht stattgefunden haben kann, und heizt die Diskussion zunehmend an. Gegenüber den Deutschen Mittelstands Nachrichten erklärte die EZB, dass Benoît Cœuré und Jörg Asmussen im Januar mit ihrer Arbeit im Direktorium der EZB beginnen werden. Die Entscheidung, wer Chefsvolkswirt der EZB werde, würde allerdings nur durch das dann neu zusammengesetzte Direktorium entschieden werden. Die Finanzminister, so wie in der Süddeutschen zu lesen, hätten dementsprechend keinerlei Einfluss auf den Personalbeschluss des Direktoriums.

Mittlerweile hat die Süddeutsche den Artikel überarbeitet und schreibt plötzlich: „Die Minister votierten schließlich einstimmig für den Franzosen Benoît Cœuré als neues Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank.“ Handelte es sich also bei der ersten Version des Textes nur um einen sehr groben, umfangreichen Tippfehler? So oder so verdeutlicht diese Indiskretion der Süddeutschen, ganz gleich, ob sie nun über mehr Informationen als angegeben verfügt haben sollte oder nur einen Fehler gemacht hat, die vorherrschende Anspannung in dieser Diskussion. Bisher hat immer ein deutsches Mitglied den Posten des Chefvolkswirts übernommen, so die EZB. Aber durch die Aufnahme Benoît Cœurés ins Direktorium könnte sich das Blatt schnell wenden.

Zwar gebe es der EZB zufolge keinen Streit über die Nachfolge, aber angesichts der Bedeutung dieser Besetzung in der derzeitigen Krisensituation ist das schwer vorstellbar. Je nachdem, wer der neue Chefsvolkswirt der EZB wird, kann sich der Kurs der EZB sehr schnell und massiv ändern. Immerhin ist Deutschland noch immer strikt gegen Eurobonds und den unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen durch die EZB (mehr hier). Frankreich hingegen drängt (und ist damit nicht allein) immer stärker dazu, die Befugnisse der EZB auszuweiten und auch Eurobonds einzuführen. Benoît Cœuré oder Jörg Asmussen: Drucken oder nicht drucken. Das ist hier die Frage.

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Kommentare

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  1. karo sagt:

    fuer Asmussen!

  2. C-M-C sagt:

    …wenn ich Asmussen höre, dann denk‘ ich spontan an Fips…aber über den konnte man wenigstens lachen! „…gute Reputation…“ Und ja, ich kann doch über Ihn lachen!

  3. biene sagt:

    na jetzt kennen wir den grund für den fall.serverun

  4. Chris sagt:

    Was ich bisher gelesen habe, ist Benoît Cœuré der bessere und renomiertere von Beiden. Zudem hat Asmussen bei der HRE Rettung komplett versagt! Zudem ist Asmussen eine schwache Persönlichkeit und wird sich ohnehin nicht im Direktorium durchsetzen können. Man darf auch nicht vergessen, daß Asmussen ein SPD Politiker ist und damit grundsätzlich schon kein geldpolitischer Falke ist!

  5. Knatterton sagt:

    Im vorliegenden Artikel wird unverständlicherweise von der „Reputation“ des Herrn Asmussen gesprochen.
    Welche Reputation?
    Was dieser Finanzverbrecher bewirkt hat, lässt sich in seinem Aufsatz „Verbriefungen aus Sicht des Bundesfinanzministeriums“ nachlesen.
    Damals war dieser Herr Abteilungsleiter, dann Staatssekretär unter dem ebenso inferioren Steinbrück. In diesem Aufsatz befördert er den Import von Verbriefungen, den sogenannten „CDO’s“ aus den USA. Weiterhin war er verantwortlich, dass die KfW gezwungen wurde, von der Allianz und Münchener Rück einen Anteil von knapp 40% an der privaten IKB zu übernehmen. Dieses die Versicherungen begünstigende „Geschäft“ hat den Steuerzahler weit über 100 Mrd. € gekostet. Die HRE hat in etwa den gleichen Betrag verschlungen. Chapeau, Herr Asmussen.
    Die Koalitionsvereinbarungen von 2005 unter massgeblicher Federführung von Asmussen ermöglichten die Einführung von Reits, den Ausbau des Verbriefungsmarktes, die Ausdehnung von Public-Private-Partnership, deren negative Auswirkungen für den Steuerzahler immer deutlicher werden, die Aufweichung der Barrieren im Unternehmensbeteiligungsgesetz durch Erlass des „Private-Equity-Gesetzes“, die Beschneidung der Finanzmarktaufsicht durch Aushöhlung des Aufsichtsstandards, sowie als Sahnehäubchen dieVerhökerung von staatlichen Wohnungsbeständen am Kapitalmarkt.
    Dies alles ist das Werk des Herrn Asmussen. Reputation? Oder vielleicht doch eher kriminelle Neigungen?

  6. schlaumeister sagt:

    sie werden drucken bis die Schwarte kracht, Münchhausen zieht sich selbst aus
    dem Sumpf, die Folgen spielen keine Rolle. Staatsanleihen werden mit wertlosem
    Geld zurückbezahlt, bis der Bondmarkt tot ist.

  7. Karl-Heinz sagt:

    Wenn durch eine laxere Geldpolitik, der Druck aus der Krise genommen wird, bekommen Schäuble und Merkel nicht ihr dringend benötigtes Kerneuropa, in das Deutschland – nicht zu verwechseln mit der „BRD“ – und das Deutsche Volk versenkt werden sollen.

  8. Steuerbürger sagt:

    Unsere „Regierung“ lässt sich von Euroland i.L. (in Lquidation) Personalien diktieren und träumt gleichzeitig von der Fiskalunion. Was für Komiker.

  9. www.steuerembargo.co.de sagt:

    Diesen Kampf wird aus historischen Gründen und auch wegen der besseren Qualifikation wohl Frankreich gewinnen.
    Schließlich ist Frankreich einer der Siegermächte und deshalb einer der Besitzer der BRD GmbH.
    Und so lange es keinen Friedensvertrag gibt, bleiben die BRD Geschäftsführer, die sich Kanzler etc. nennen und das Personal, welches durch ihren Personalausweis gekennzeichnet ist, im Besitz dieser Siegermächte!
    Das ist völlig unstrittiges Faktum!

    • G.N. sagt:

      Leider wissen das aber noch immer viel zu wenige Menschen!

    • lost sagt:

      Schröder hat die Beziehungen definiert – Ich AG, Deutschland AG, Europa AG. Sie, ich und alle andern hier sind Ich AGs, Pennystocks.

    • biene sagt:

      Der Beitrag ist mal sehr realistisch.Bleibt für mich die Frage offen ob für Deutschland immer noch die Weimarer Verfassung Gültigkeit besitzt. Schließlich hat nicht Deutschland kapituliert sondern die deutsche Wehrmacht und wir wurden daraufhin wehrlos vereinnahmt.
      Das Grundgesetz ist nur ein Gesetz zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung und keine Verfassung !!

      • J. C., geb. Püschl sagt:

        Liebe Biene,

        es stimmt, dass das GG keine Verfassung ist.

        Inhaltlich ist es jedoch weitgehend eine Analogie der gültigen Reichsverfassung des völkerrechtlich existenten Deutschen Reiches, auf dessen Territorium die Bundesrepublik als eine Organisation der Siegermächte waltet.

        Die staatliche Souveränität ist de facto nicht gegeben, da die BRD de facto kein Staat ist und auch nicht sein kann. Denn ist es eben nicht möglich, dass ein Kleingartenverein auf Staatsgebiet seinen eigenen Staat erklärt, die Kleingärtner zu eigenem Staatsvolk macht, Gesetze erlässt usw..

        Alle „Staatsverträge“ der sogenannten BRD sind schwebend unwirksam, und so schweben wir auch im Status eines scheinbaren Personals in einem scheinbaren Staat mit einer scheinbaren Kanzlerin, die tatsächlich nur die Geschäftsführerin eines Gewerbebetriebes ist, mit dessen „Personal“ nur unwirksame Rechtsgeschäfte aufgrund von Täuschung bestehen können.

        Diese Situation ist zwar rechtlich gesehen Unrecht, aber auch ein Unrechtssystem ist de facto solange existent, bis der Souverän (das Volk) ein neues schafft.

        Gruss aus Karlsruhe von imca@abacho.de

    • Michel sagt:

      Quatsch. Ich bin weil ich bin.