Notenbanken-Intervention: Stand eine europäische Bank vor dem Kollaps?

In einer konzertierten Aktion haben die Notenbanken frisches Geld in den Markt gepresst. Die EZB sagt, sie wolle die Realwirtschaft unterstützen. Bei näherer Betrachtung handelt es sich wohl eher um einen Akt der Panik.

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Die Notenbanken drucken Geld wie verrückt (auch die Chinesen machen mit – mehr hier). Damit soll die Lage an den Finanzmärkten stabilisiert werden. Vor allem die Dollar-Liquidität soll verbessert werden. Probleme mit der Dollar Liquidität haben vor allem die europäischen Banken. Das Nachrichtenmagazin Forbes fragt sich daher: Stand etwa in der Nacht vor dem großen Geldsegen eine große europäische Bank vor dem Kollaps? Forbes: „Es scheint, dass eine große Bank in der vergangenen Nacht nahe an den Zusammenbruch geraten ist. Es scheint, dass eine größere Bank Schwierigkeiten in ihrer unmittelbaren Liquiditätsbeschaffung hatte. Die Kavallerie wurde gerufen und ist zur erfolgreichen Rettung geeilt.“

Auch wenn der Forbes-Bericht keine konkreten Anhaltspunkte nennt, scheint die Vermutung nicht ganz abwegig. Schon im Herbst hatte Deutsch Bank-Chef Josef Ackermann gewarnt, dass die Situation bei einigen europäischen Banken verheerend sei und die Gefahr eines Zusammenbruchs bestehe. Es könnte also durchaus sein, dass die Notenbanken einen zweiten Fall Lehman verhindern wollten.

Hinzu kommt, dass das Treffen der EU-Finanzminister ohne konkrete Ergebnisse über Maßnahmen zur Euro-Rettung zu Ende gegangen war. Zwar wurde viel über den erweiterten Rettungsschirm EFSF diskutiert. Doch dessen Feuerkraft ist erloschen, bevor er überhaupt gestartet ist.

Für Irritationen sorgte außerdem die rasante Entwicklung der Aktienmärkte seit Montag. Der Finanzblog Zerohedge hält es für denkbar, dass die bevorstehende Flutung der Märkte mit Geld aus Kreisen der amerikanischen Notenbank bewusst gestreut worden sei, um Hedgefonds einige schöne Schnäppchen zu bescheren, weil sie die Rally der Aktienkurse antizipieren konnten.

Auch dies ist pure Spekulation: Allein, all diese Vermutungen werden genährt von der mittlerweile vollkommenen Intransparenz in der Geld- und Finanzpolitik. Die engen Verflechtungen von Zentralbanken, Investmentbanken und finanziellen Wettanbietern führen dazu, dass globale Maßnahmen immer kurzfristige Profiteure mit Informationsvorsprung begünstigen. Die Wahrheit über die Lage der Banken wird dagegen immer schwerer zu erkennen. Ein Leser-Kommentar auf der FT weist darauf hin, dass die Banken selbst ihre Bilanzen nicht mehr verstehen, geschweige denn, ihre „off balance“ Geschäfte.

Die Realwirtschaft, die der Pressemitteilung der EZB zufolge von der Geldvermehrung begünstigt werden sollte, steht tatsächlich mittlerweile genauso neben dem Geschehen wie die europäische Politik. Sie antwortet einer Entwicklung, die die Lage mittelfristig nicht verbessern, sondern dramatisch verschlechtern könnte, mit der Intensivierung von Ränkespielen in den Gremien, wie die jüngsten Kabale zwischen Frankreich und Deutschland um den Posten des Chefvolkswirts der EZB zeigen (mehr hier).

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  1. Plebiszitblogspot sagt:

    Es wird langsam Zeit, dass ventilierte Gutmenschen anfangen zu begreifen, dass der gegenwärtige Zustand nicht gleich Kapitalismus, gleich Krise bedeutet. Das wäre ein Trugschluß. Der von Linken so geschmähte “kapitalistische Westen” ist längst zu einem Versuchslabor sozialistischer Klempner verkommen, in dem der überwiegende Teil der Wirtschaft zentral gesteuert wird: das Geldsystem, die Löhne und die Zinsen.
    Jetzt werden auch noch die Banken nach und nach verstaatlicht orakel ich einmal.

    In einem Essay wurde die Verbindungen zwischen Kapital und Kommunismus mal aufgebröselt. Dort hat längst eine Versöhnung stattgefunden, natürlich unter dem Trust.
    google mal:
    Allianz der Sozialisten, Globalisten,