Goldman Sachs empfiehlt Wetten gegen Europa

Ein vertraulicher Bericht der Investment-Bank liest sich wie ein Schlachtruf gegen Europa. Die Hedge-Fonds Klienten von Goldman sollen gegen die europäischen Banken und gegen den Euro wetten – hier winke aufgrund der schlechten Zahlen ein glänzendes Geschäft.

(4.9.2011, 22.40 Uhr) Das Szenario ist mittlerweile vertraut: Goldman Sachs sitzt immer auf beiden Seiten des Tisches. Wie schon bei der Immobilienkrise in den USA, machen sich die Amerikaner nun ihr umfassendes Wissen zunutze, welches sie aus verschiedenen Beratungsmandaten mit Regierungen und Finanzinstitutionen in Europa gewonnen haben – um ihren eigenen Kunden zu raten, sie mögen gegen die europäischen Banken und den Euro wetten.

Der vertrauliche 54seitige Bericht von Alan Brazil, einem 57jährigen Strategen bei Goldman, der aus der Trading-Abteilung kommt, zeichnet ein verheerendes Bild der Banken in Europa: Brazil schätzt, die Banken werden 1 Billion US-Dollar an zusätzlichem Kapital benötigen, um die Schuldenkrise und die Verstrickungen der Banken ins Geschäft mit faulen Staatsanleihen zu bewältigen. Er schreibt: „Da stehen wir wieder: Ein Schuldenproblem mit noch mehr Schulden zu lösen hat noch nie das zugrundeliegende Problem gelöst.“ In seinem Papier erläutert Brazil im Detail, wie 77 europäischen Finanzinstitutionen in die Krise verstrickt sind, und beschreibt ihre Schulden und die damit zusammenhängenden hohen Risiken. Das Papier ist im Wesentlichen ein Sales-Pitch: Goldman schlägt verschiedene Produkte vor, wie man effizient gegen europäische Banken und Versicherungen spekulieren könne. Unter anderem schlägt er einen fünfjährigen Credit Default Swap vor, der sich auf die Kredite von europäischen Unternehmen bezieht. 20% der Unternehmen, die auf dem „iTraxx Europe series 9“ genannten Index stehen, sind Banken und Versicherungen mit hohen Kreditausfalls-Risiken. Darüber hinaus rät der Goldman-Stratege, gegen den Euro zu spekulieren: Dieser werde deutlich geschwächt, wenn es zu weiteren Rettungspaketen komme.

Pikant an dem Papier: Goldman berät auch viele europäischen Regierungen und gibt Tipps, wie die Schuldenkrise gemeistert werden könne. So hatte es Medienberichten zufolge erst vergangene Woche ein Treffen von Goldman und anderen Banken mit dem spanischen Wirtschaftsminister Jose Manuel Campa in London gegeben. Bei dem Treffen hatte Goldman Vorschläge zu weiteren Sparmaßnahmen in Spanien unterbreitet.

Weil aber der Verkauf von Finanzprodukten an Hedge Fonds das weitaus lukrativere
Geschäft für Goldman ist, kann man davon ausgehen: Je mehr die Investmentbanker über die Lage in Europa erfahren, desto weniger glauben sie an die Rettung aus dem Schulden-Dilemma. Und je weniger sie daran glauben, desto überzeugter können sie Produkte verkaufen, die aus einem Euro-Crash satte Profite ziehen würden.

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