Öl-Lieferungen: EU-Spardruck treibt Griechenland in die Hände des Iran

Wegen der Gefahr der Zahlungsunfähigkeit haben alle großen Ölfirmen die Lieferungen an Griechenland gestoppt. Nun springt der Iran ein und wird die Griechen vermutlich über den Winter bringen. Zu welchem Preis – unklar.

Der harte EU-Sparkurs und der daraus folgende Vertrauensverlust Griechenlands an den internationalen Rohstoff-Märkten zieht nun eine unerwartete Konsequenz nach sich: Weil kein großer Multi mehr Öl an die Griechen liefern will, springt der Iran ein: „Der Iran ist der einzige Verkäufer, der den Griechen Kredit gewährt, auch deswegen, weil er selbst durch das US-Embargo Schwierigkeiten am Markt hat“, sagte ein Händler der Nachrichtenagentur Reuters. Die Griechen hatten sich an den Iran gewandt, nachdem klar wurde, dass Brüssel und Washington den Druck auf Teheran wegen des Verdachts des Besitzes der Atombombe erhöht haben.

Die Händler der bisherigen Lieferanten dagegen haben Order, Griechenland nicht mehr zu beliefern, weil keine Bank der Welt mehr bereit ist, solche Trades zu finanzieren. Daher kann Griechenland nichts mehr von seinen bisherigen Top-Lieferanten Russland, Aserbaidschan und Kasachstan kaufen. Dies geht offenbar schon seit einigen Monaten zu. Ein Händler sagte Reuters: „Unsere Finanzabteilung weigert sich, mit ihnen Deals zu machen. Nicht, dass sie in der Vergangenheit nicht gezahlt hätten, es ist einfach Vorsicht.“ Ein Händler eines großen Ölkonzerns sagte: „Wir können ihnen nichts verkaufen, das Risiko ist zu groß. Vielleicht tun sich unabhängige Händler leichter.“

Die kommen aber auch nicht voran. Einer sagt: „Wir haben einige gute Gelegenheiten verpasst, aber wir haben keine Bank gefunden, die den Deal finanziert hätte. Keine Bank macht mit ihnen Deal.“

Griechenland hat keine eigene Ölförderung, jedoch vier Raffinerien. Nun haben sie vielleicht mit dem Iran einen unerwartet willigen Verkäufer gefunden: Mehrere Schiffe mit Öl aus dem Iran sollen in den vergangenen Monaten Griechenland angelaufen haben, weitere werden im November erwartet. Der Iran hat große Rohöl-Lager im Roten Meer eröffnet. Daher sind die Iraner in der Lage, das Öl wegen der kurzen Wege zu besseren Preisen zu verkaufen als etwa die Russen, die längere Transportwege in die Kalkulation einbeziehen müssen. Vertreter von Hellenic Petroleum führen dieses Argument an, wenn sie sagen, dass sie sich beim Einkauf ausschließlich nach wirtschaftlichen und nicht nach politischen Kriterien richten.

Für das Regime in Teheran geht es hier weniger um gute Geschäfte als vielmehr um den Ausbau der eigenen geopolitischen Rolle im Nahen Osten und Mittelmeerraum. Seit einiger Zeit wetteifern Iran und die Türkei um die Vorherrschaft in der Region, was sich unter anderem am Tauziehen um Syrien gezeigt hatte.

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