Niederlande rutschen in die Rezession

Die Niederlande sind in der Rezession angekommen. Daher plant nun auch Amsterdam verschärfte Sparprogramme. Sonst wird eine tragende Säule der Eurozone auch unversehens zum Problemfall.

„Die Krise hat uns wegen des fehlenden Vertrauens in die Wirtschaft in eine Rezession gestoßen“ so Martin van Vliet, leitender Ökonom des niederländischen Finanzkonzerns ING. Die niederländische Statistikbehörde CBS erklärt hingegen, die Probleme seien vor allem mit einer überraschenden Konsum-Zurückhaltung erklärbar. Die Euro-Krise spiele auch eine Rolle, sei jedoch nicht allein ausschlaggebend.

Wirtschaftsminister Maxime Verhagen glaubt, dass Frankreich und Deutschland – die neben Estland das höchste Wirtschaftswachstum verzeichnen – besser dastehen, da sie in der Vergangenheit Lohnerhöhungen durchgesetzt haben, die mehr Kaufkraft zur Folge hatten. Van Hagen verlangt daher die eingeschlafene Wirtschaft durch Fördern des Handels und der Industrie zu stimulieren und stützt sich dabei auf die Wirtschaftskraft der Nachbarn: “Wir profitieren, wenn es in anderen Ländern gut geht, aber wir spüren auch, wenn sich andere Volkswirtschaften weniger gut entwickeln”.

Mit dem Misstrauen der Anleger verdichtet sich der Strudel, in den nicht nur die Niederlande geraten ist. Das fehlende Vertrauen sogar so weit, dass nur noch deutsche Staatsanleihen als vollkommen sicher bewertet werden. Deutschland freut sich derzeit als einziger EU-Staat über sinkende Prämien, die bei 1,77 Prozent liegen. Andere Triple-A-Länder wie Frankreich, Österreich, Niederlande und Finnland kämpfen dagegen mit rekordverdächtigen Zuschlägen. Das schon auf AA+ heruntergestufte Belgien muss derweil bei Spitzenwerten von 314 Basispunkten sogar um eine weitere Herabstufung bangen.

EU-Ratschef Herman Van Rompuy macht vor allem die Wirtschaft für das schleppende Wachstum verantwortlich und prangert ihren Mangel an Vertrauen an, der sich immer mehr bei den Bürgern Europas breitmacht. „Die Menschen sind immer besorgt um ihre Arbeitsplätze, ihre Ersparnisse und die Zukunft ihrer Kinder. Diese Bedenken sind legitim und Europa muss reagieren”, so der EU-Ratschef.

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