Deutsche Reaktion auf Griechenland: „Wir sind baff!“

Die deutschen Politiker sagen, sie seien überrascht von Papandreous Ankündigung einer Volksabstimmung zur EU. Warum eigentlich? Das Thema war sogar im griechischen Parlament diskutiert worden. Krisenmanagement sieht anders aus.

Großes Erstaunen in Berlin: Wie konnte das geschehen? Otto Fricke (FDP), Norbert Barthle (CDU), das Finanzministerium, die Regierung – keiner war am Morgen nach der Entscheidung des griechischen Ministerpräsidenten Georgious Papandreou zu einer Stellungnahme in der Lage. Barthle sagte dem Nachrichtendienst Bloomberg, die Ankündigung eines Referendums über den Euro „käme aus heiterem Himmel, sie ist sehr riskant“. Es gäbe nun eine „neue Unbekannte“ im Euro-Endspiel. Fricke sprach von einer „explosiven Situation“ und war wenigstens so ehrlich, die Ratlosigkeit zuzugeben: „Wir sind baff!“, sagte er Bloomberg.

Die Stellungnahme des Bundes-Finanzministeriums dagegen klang eher nach Abgesang: Es handle sich um eine interne Angelegenheit Griechenlands, die man nicht kommentiere.

Es ist erstaunlich, dass alle so überrascht sind. Denn schon vor einem Monat hatte der griechische Innenminister angekündigt, dass es in dem schon länger geplanten Referendum auch einige Fragen zu den Sparprogrammen geben werde. Haris Kastanidis sagte am 5. Oktober 2011 in einer – im übigen spärlich besuchten Parlamentssitzung -, dass es definitiv Fragen zur wirtschaftlichen Zukunft in dem Referendum geben solle. Kastanidis damals: „Das Referendum wird eine oder mehrere Fragen zur entscheidenden wirtschaftlichen und fiskalischen Lage enthalten.“ Die Fragen würden sich auf die grundlegenden Probleme des Landes beziehen.

Dass keiner in Europa hier zugehört hat, zeigt dreierlei: Dem Konzept der Euro-Rettung fehlt die grundlegende Voraussetzung, dass nämlich die Fakten stimmen. An die vielen falschen Zahlen hat man sich ja schon gewöhnt, doch hier wäre durch einfache Zeitungslektüre Abhilfe möglich gewesen (stand alles vor einem Monat bei den Deutschen Mittelstands Nachrichten – hier und hier).

Zweitens: Papandreou und Merkel haben offenbar nie wirklich miteinander geredet. Denn irgendwann hätte der griechische Ministerpräsident doch andeuten müssen, dass er da noch etwas im Köcher hat. Dass Merkel hier etwas überhört haben sollte, kann ausgeschlossen werden (natürlich hat Papandreou mit seiner pathetischen Rede in Berlin auch der Kanzlerin Sand in die Augen gestreut – mehr hier).

Und drittens: Wenn sich jemand hier wirklich blamiert hat, dann sind es die Troikaner von EU, IWF und EZB. Dass diese den Widerstand auf den Straßen nicht ernstnehmen, ist eine Sache. Dass sie die Warnsignale der griechischen Regierung überhört haben, zeigt, welche fatalen Auswirkungen mangelnde Legitimation in politischen Prozessen hat.

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Kommentare

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  1. paul kutsch sagt:

    Endlich. Die Griechen wollten doch schon immer ihren Drachmen. Wir müssen unser D-Mark
    auch wieder einführen. Den Krasch der Banken kommt sowieso. Nur halt jetzt früher.

  2. paul kutsch sagt:

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    auch wieder einführen. Den Krasch der Banken kommt sowieso. Nur halt jetzt früher.

  3. paul kutsch sagt:

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  4. paul kutsch sagt:

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  5. paul kutsch sagt:

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