Schweizer Wirtschaft leidet unter der Euro-Krise

Die Daten des Einkaufsmanager-Index in der Schweiz lassen den Frankenkurs sinken. Die Nationalbank konnte die Schweizer Wirtschaft auch durch den Wechselmindestkurs nicht vor den Auswirkungen der Euro-Krise schützen.

Der Einkaufsmanager-Index der Schweiz hat sich im Oktober deutlich schlechter entwickelt als erwartet. Im Vergleich zu September ist der Purchasing Manager Index (PMI) um 1,3 Punkte gefallen. Mit einer Marke von aktuell 46,9 blieb er den zweiten Monat in Folge unter der Wachstumsgrenze. Erst ab einem Wert von 50 ist mit Wirtschaftswachstum zu rechnen. „Die PMI-Daten zur Produktion, die heute Morgen veröffentlich wurden, sind sehr viel niedriger als vorausgesagt wurde“, sagte die Elizabeth Gregory von der Swissquote Bank dem Nachrichtendienst Bloomberg.

Als Grund für die deutlich negative Entwicklung des Einkaufsmanager-Index nennt die Untersuchung die Krise in der Euro-Zone (die der Schweiz ohnehin Kopfzerbrechen bereitet – mehr hier). Auch andere Indikatoren wie die Produktion und der Auftragsbestand lagen unter der Wachstumsgrenze. Eine weitere bedenkliche Entwicklung wurde bei den Lieferfristen erkannt. Sie sind im Oktober das erste Mal seit zwei Jahren wieder kürzer geworden. Dies ist ein Hinweis darauf, dass produzierende Unternehmen nicht mehr voll ausgelastet sind.

Die Wechselkursuntergrenze, welche die Schweizer Nationalbank Anfang September gezogen hatte, konnte die Schweizer Wirtschaft nicht vor den negativen Auswirkungen der Euro-Krise schützen (was von Anfang an fraglich war – mehr hier). Die Abschwächung des Franken brachte vorerst nur leicht sinkende Einkaufspreise. „Ohne eine rasche Lösung der Euro-Krise ist das Risiko gross, dass sich die Bremsspuren in der Schweizer Wirtschaft weiter vertiefen werden“, hiess es in der Mitteilung des Fachverbands für Einkauf und Supply Management procure.ch und der Credit Suisse.

Der Frankenkurs reagierte umgehend auf die schlechten Wirtschaftsdaten: Er fiel auf 1,2161 pro Euro. Dies entspricht dem stärksten Kursverlust seit der Einführung der Wechselkursuntergrenze durch die Nationalbank. „Der Franken verliert wegen der schlechten PMI-Daten und kann auch nicht mehr von seiner Rolle als sicherer Hafen profitieren, weil dies die SNB mit ihrem Umtauschlimit zwischen Franken und Euro verhindert“, sagte Gregory. In den vergangenen drei Monaten hat der Franken zwar wieder 7,8 Prozent an Wert verloren, über das Jahr gesehen hat er aber immer noch um zehn Prozent zugelegt.

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