Banken: Ausverkauf von europäischen Staatsanleihen

BNP Paribas und ING verkaufen europäische Staatsanleihen und nehmen dafür heftige Verluste in Kauf. Allein am Donnerstag schrieb BNP Paribas griechische Staatsanleihen für 2,3 Milliarden Euro ab.

Während sich die Eurokrise verschärft und die Möglichkeit eines Ausscheidens Griechenlands aus der Eurozone in Betracht gezogen wird (mehr hier), ziehen sich die Kreditgeber immer weiter zurück und schaden so den Preisen. „Der Marktwert der Schulden der Länder, die am meisten unter Beobachtung stehen, sinkt weiter, weil sich die Banken der Staatsanleihen entledigt“, warnt Charles Dallara, Geschäftsführer des Instituts für Internationale Finanzen (IIF). Banken wie BNP Paribas und ING stoßen in erheblichem Ausmaß europäische Staatsanleihen ab, um ihrer Bestände zu reduzieren. Das IIF, das 450 Finanzunternehmen repräsentiert, führte in einem Brief an die G20 Köpfe die Verkäufe der Anleihen auf die harten Kapital- und Liquiditätsregeln zurück.

BNP Paribas, Frankreichs größte Bank und eine der größten Europas, machte am Donnerstag eine Abschreibung von 2,6 Milliarden Euro, wovon ein Großteil griechische Staatsanleihen waren. Allein mit dem Verkauf von Staatsanleihen auf Griechenland musste die Bank einen Schlag von 2,3 Milliarden Euro einstecken. Die Anleihen verzeichneten einen Verlust von 40 Prozent ihres Nennwertes. Die französische Regierung hatte von der Bank gefordert, keine griechischen Staatsanleihen zu verkaufen, als die Schwierigkeiten des Landes über den Sommer zunahmen. Damit sollte eine Destabilisierung der Eurozone verhindert werden, erfuhr Reuters aus einer Quelle, die nicht genannt werden wollte. In den vergangenen vier Monaten hatte BNP Paribas bereits ihre italienischen Staatsanleihen um 8,2 Milliarden Euro auf 12,6 Milliarden verringert.

Die niederländische Finanzgruppe ING teilte mit, sie habe ebenfalls die von ihr gehaltenen griechischen, italienischen, irischen, portugiesischen und spanischen Staatsanleihen in den letzten vier Monaten um 5,4 Milliarden Euro reduziert. Ihre noch gehaltenen griechischen Staatsanleihen liegen derzeit bei einem Marktwert von 63 Prozent, was einen theoretischen Verlust von 467 Millionen Euro bedeutet. Barclays gab bereits vergangene Woche an, die Bestände von spanischen, italienischen, portugiesischen, irischen und griechischen Staatsanleihen im dritten Quartal um 31 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro gekürzt zu haben. Doch der Ausverkauf von Staatsanleihen beschränkt sich nicht nur auf Länder, die als äußerst verwundbar angesehen werden. So kürzte BNP Paribas ihre französischen Staatsanleihen um eine Milliarde Euro und ihre deutschen um 1,4 Milliarden Euro.

Auch wenn davon auszugehen ist, dass die EZB der größte Käufer von Staatsanleihen am Zweitmarkt ist, sind zurzeit besonders Hedge-Fonds in griechische Schulden verwickelt. Vor allem in Anleihen mit kurzen Laufzeiten, sagte eine Person, die meist für Hedge-Fonds mit diesen Schulden handelt. Bezüglich der verkauften italienischen Staatsanleihen, sagte BNP Paribas, dass diese alle am Markt verkauft wurden und nicht an die EZB.

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Kommentare

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  1. Sitting-Bull sagt:

    Abschreiben heißt nicht zwingenderweise verkaufen.

  2. Sitting-Bull sagt:

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  3. Sitting-Bull sagt:

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  4. Sitting-Bull sagt:

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  5. Sitting-Bull sagt:

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