„Mangel an Wasser ist bedrohlicher als Klimawandel“

Der nachhaltige Umgang mit Ressourcen dient nicht nur dem Umweltschutz. Warum Nachhaltigkeit auch für den wirtschaftlichen Erfolg wichtig ist, erklärt Daniel Bena von PepsiCo. Er ist verantwortlich für die nachhaltige Entwicklung des weltweit operierenden US Getränke- und Lebensmittelkonzerns.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Als der Senior Director of Global Sustainable Development für PepsiCo in den USA – was sagen Sie dem Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens in Bezug auf nachhaltige Entwicklung wenn er Sie fragt:  Was habe ich davon?

Daniel Bena: Kurz gesagt lautet die Antwort: Das Überleben Ihrer Firma.  Wenn man nachhaltige Entwicklung zu einem echten Teil des operativen Geschäftes macht – also kein Green Washing oder nur grüne PR betreibt – dann stellt man sicher, dass seine Firma auch langfristig erfolgreich sein und gedeihen wird.

Ist nachhaltige Entwicklung eher Ausdruck für einen philanthropischen Grundgedanken oder Gutmenschentum oder dient sie unter dem Strich auch Profit und Gewinnorientierung?

 

Daniel Bena: Anfänglich ging es bei nachhaltiger Entwicklung sicherlich oft um Philanthropie.  Aber dieser Ansatz hat sich in den letzten Jahren immer mehr in Richtung Gewinnorientierung verschoben. Für uns bei PepsiCo gilt die Prämisse:  „Do well by doing good“, was soviel heißt wie „Lass es Dir gut gehen, in dem Du Gutes tust.“  Und daran glauben wir wirklich.

Wir sind ein börsennotiertes Unternehmen und haben klare Verpflichtungen gegenüber unseren Aktionären. Wenn wir nicht davon überzeugt wären, dass unsere Nachhaltige-Entwicklung-Strategie – die wir „Performance with Purpose“, also „Leistung mit Sinn“ nennen – unter dem Strich auch zu Gewinnen führen würde, dann würden wir diese Strategie nicht so energisch verfolgen.

Wenn man über nachhaltige Entwicklung spricht, denkt man oft an ressourcenintensive Branchen wie Landwirtschaft, Lebensmittel- und Getränkeproduktion, Bergbau oder Spitzentechnologien. Gibt es irgendwelche Branchen, die auch ohne nachhaltige Entwicklung auskommen?

Daniel Bena: Definitiv nicht. Jede Branche und jede Firma wird von einer umfassenden und gut durchdachten Strategie für nachhaltige Entwicklung profitieren.   Die Herausforderung besteht darin, eine Strategie für die spezifische Situation und den dazu gehörigen Kontext zu entwickeln. Gerade bei nachhaltiger Entwicklung gibt es keine Einheitslösung. Das heißt, man muss jeweils maßgeschneiderte Ansätze für die individuellen Herausforderungen, Risiken, und Chancen finden.

Trotz größter gegenteiliger Bemühungen scheint es dank der Euro-Krise und der Haushaltskrise in den US aktuell wahrscheinlich, dass sich die Weltwirtschaft im nächsten Jahr mit einer Rezession konfrontiert sehen wird.  Ist das ein guter Zeitpunkt für den Mittelstand, um über Strategien für nachhaltige Entwicklung nachzudenken?

Daniel Bena: Auf dem Höhepunkt der letzten Finanzkrise in den USA wurde einem Firmenchef bei einer Konferenz der Clinton Global Initiative die gleiche Frage gestellt. Seine Antwort war, dass nachhaltige Entwicklung umso wichtiger wird, je schwieriger sich das wirtschaftliche Umfeld gestaltet. Denn dann stellt man die Weichen für die Zukunft.

Wirtschaftliche Engpässe zwingen in der Regel zu Sparmaßnahmen. Grundsätzlich sollte eine gute Strategie für nachhaltige Entwicklung sowieso die verschiedensten Sparmaßnahmen für natürliche Ressourcen beinhalten.  Wenn man also weniger Treibstoff, Elektrizität und Wasser verbraucht, kann man allein an den Rohstoffen Millionen sparen.

Mit Blick auf den „Entwicklungs“-Aspekt:  Wenn ein Unternehmen sich in wirtschaftlicher Bedrängnis befindet, befindet sich meistens auch die Gemeinde oder Kommune in Not. Daraus ergibt sich eine exzellent Gelegenheit für eine Firma, ihre „soziale Lizenz“ für die Ausübung ihres Gewerbes innerhalb dieser Gemeinde oder Gemeinschaft durch mehr Nachhaltigkeit zu erhalten oder zu erneuern.

Ein „Drei-Säulen-Modell“ für Nachhaltigkeit

In Nachhaltigkeits-Kreisen wird gerne über die “Triple Bottom Line”, das „Drei-Säulen-Modell“ der Nachhaltigkeit gesprochen –  also das gleichzeitige und gleichberechtigte Umsetzen von umweltbezogenen, wirtschaftlichen und sozialen Zielen. Warum halten Sie es für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens für wesentlich, das es diese Triple Bottom Line in seine Unternehmensstrategie integriert?

Daniel Bena: Das ist eine gute Frage, weil es so viele Interpretationen des “Drei-Säulen-Modells“ gibt. Bei PepsiCo erkennen wir die klassische Definition an, die Elemente von Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft beinhalt. Zusammengefasst kann man kurz auch einfach „People, Planet und Profit“ sagen.

 

Was erwarten Kunden von Unternehmen? (Grafik: GlobeScan)
Was erwarten Kunden von Unternehmen? (Grafik: GlobeScan)

 

Gleichzeitig haben wir aber unserer eigenes „Performance with Purpose“-Motto für das Drei-Säulen-Modell entwickelt: Wir sind fest überzeugt davon, dass unser langfristiges wirtschaftliches Wachstum untrennbar mit unserer Fähigkeit verbunden ist, unsere Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.  Demnach bedeuten nachhaltiges Wachstum und Profit für uns auch, dass wir gleichzeitig in eine gesündere Zukunft für die Menschen und unseren Planeten investieren.

Das Meinungsforschungsinstitut GlobeScan hat heraus gefunden, dass rund 70 Prozent der Verbraucher die Verantwortung, die Umwelt nicht zu schädigen, Arbeitnehmer fair zu behandeln, und nachhaltige Produktions- und Vertriebswege zu gewährleisten, allein bei den Unternehmen sehen. Allerdings scheinen die meisten Firmenchefs  nichts von diesen Erwartungen zu wissen. Was kann man dagegen tun?

Daniel Bena: Ich glaube nicht, dass die Geschäftsführer nichts davon wissen. Ganz im Gegenteil, ich glaube, dass den Firmenchefs diese Erwartungen durchaus klar sind und dass nachhaltige Entwicklung deswegen auch immer mehr ein zentraler Baustein ihrer Geschäftsstrategien werden wird.

Im letzten Jahr hat die Unternehmensberatung Accenture eine globale Studie mit rund 1.000 Geschäftsführern und Firmenchefs durchgeführt.  In dieser Studie identifizierten die Chefs die mangelnde Ausbildung zukünftiger Managergenerationen in Sachen nachhaltige Entwicklung als eine der größten Bedrohungen für ihre Firmen. Die Studie wurde beim Global Compact’s Leaders Summit der Vereinten Nationen vorgelegt.

Deswegen ist es richtig, dass Ausbildung und mehr Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung weiterhin zwingend notwendig sind.  Eine Methode ist, viel darüber zu reden.  Eine andere Methode ist, Unternehmen zu ermuntern, sich viel mehr in Kooperationen, Partnerschaften oder Foren wie dem World Business Council for Stustainable Development oder UN Global Compact zu engagieren.

Kann nachhaltige Entwicklung Unternehmen mit einer Basis in den Industrieländern zu einem sinnvollen Wettbewerbesvorteil im Vergleich mit Schwellen- oder Entwicklungsländern verhelfen?

Daniel Bena: Die Grundsätze für nachhaltige Entwicklung gelten natürlich überall.  Gleichzeitig finden sich oft sowohl der größte Bedarf als auch die größten Chancen in den Entwicklungsländern.  Das heißt nicht, dass es in den Industrieländern keine Möglichkeiten mehr gibt.  Aber beeindruckende Ergebnisse sind hier inzwischen etwas weniger leicht zu erreichen.

Das gleiche gilt für den Bedarf und den Nutzen für den Erhalt der natürlichen Ressourcen. In den Entwicklungsländern kann der Nutzen bedeuten, die Lieferkette zu sichern oder das Unternehmen vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen. In den Industrieländern kann der Nutzen sein, Geld über gesteigerte Produktivität zu sparen.

Klima- und Umweltexperten fordern inzwischen einen Paradigmenwechsel, um das Überleben der Spezies und des Planeten zu sichern.  Andererseits befürchten viele Wirtschaftsvertreter, dass die Kosten zu hoch sein werden, um wirtschaftliches Wachstum sicher zu stellen.  Haben Sie einen Vorschlag, wie man beides erreichen kann?

Daniel Bena: Ich glaube nicht an nur eine Lösung, insbesondere, wenn es um Krisen in den Größenordnungen geht, mit denen wir uns momentan konfrontiert sehen. Wir brauchen also beides.  Wir müssen mit kleinen aber kontinuierlichen Verbesserungen weiter machen:  Einige Ressourcen einzusparen ist besser, als keine einzusparen.  Gleichzeitig müssen wir uns um das große Ganze kümmern – also nach Wegen Ausschau halten, die gültigen Leitgedanken zu hinterfragen, Innovationen anzustoßen und tatsächlichen Wandel zu erreichen. Um mit meinem Lieblingszitat von Albert Einstein zu antworten:  „Wenn eine Idee am Anfang nicht absurd klingt, dann gibt es keine Hoffnung für sie!“

Als globaler Lebensmittel- und Getränkekonzern mit einem Jahresumsatz von 60 Milliarden Dollar und rund 300.000 Mitarbeitern in über 200 Ländern wird PepsiCo oftmals für Umweltverschmutzung und die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen wie Land und Wasser kritisiert.  Das reicht von Pestiziden in Produkten in Indien über Luftverschmutzung in den USA bis zu Wasserverschmutzung in China. Was sind Ihre Richtlinien in Bezug auf Umweltschutz, Klimawandel und faire Arbeitsbedingungen?

Daniel Bena: Diese Frage kann ich in der Kürze der Zeit kaum adäquat beantworten, aber ich würde gerne noch einem auf unsere “Performance with Purpose“ verweisen. Darin implizit ist unsere Verantwortung als Hüterin unserer Umwelt, des Klimas und des Umgangs mit unseren Mitarbeitern.  Zudem war PepsiCo einer der ersten Konzerne unserer Größe, der Wasser als Menschenrecht anerkennt und entsprechende Richtlinien publiziert hat. Dazu gehört auch der sichere, günstige und ausreichende Zugang zu Wasser. Zudem haben wir klare Richtlinien für Sicherheit am Arbeitsplatz, Umweltschutz, nachhaltige Landwirtschaft, Menschenrechte und vieles mehr.

Der weltweite Bedarf an Wasser wird schon im Jahr 2030 um 40 Prozent größer sein, als die vorhandenen Reserven. Gleichzeitig bedroht der Klimawandel ganze Gesellschaften. Wer trägt mehr Verantwortung für diese Entwicklung und die notwenigen Veränderungen die Politik oder die Wirtschaft?

Daniel Bena: Das ist ein Thema, das uns sehr wichtig ist.  Es ist aber keine Frage von Schuldzuweisungen.  Allerdings ist es unsere Überzeugung,  dass die Verantwortung, Lösungen zu finden, einen gemeinsame Aufgabe ist –  und zwar nicht nur von Regierungen und Wirtschaft sonder auch von Wissenschaft, Zivilgesellschaft und jedem Einzelnen.

Ein Studie, die kürzlich bei der World Water Week vorgestellt wurde, zeigt deutlich, wie besorgt die Menschen weltweit über den Zugang zu und die Qualität von Wasser sind. Das macht ihnen sogar mehr Sorge als der Klimawandel. Aber auch die Teilnehmer der Studie erwarten die Lösungen von der Gesellschaft als Ganzes.

Gibt es einen Weg für den Mittelstand zu mehr nachhaltiger Entwicklung, ohne einen Corporate Social Responsibility-Chef einzustellen oder eine CSR-Abteilung einzurichten?

Daniel Bena: Absolut, und deswegen habe ich auch gerade ein Buch zu dem Thema geschrieben. Ich werde ständig von Firmen angesprochen, die um Unterstützung bitten. Kein Unternehmen braucht einen CSR-Chef oder eine neue Abteilung – zumindest anfänglich nicht. Die Reise zu mehr Nachhaltigkeit kann ganz einfach beginnen.  Das fängt damit an, den Verbrauch seiner Ressourcen zu messen:  „If you treasure it, you will measure it!” Es ist verblüffend, wie viel Wasser, Elektrizität und Treibstoff  man sparen kann, einfach, in dem man genau misst, was man wo verbraucht. Und sobald man darüber einen Überblick hat, fängt man schon an, hunderte von Ideen zu generieren, was man wo einsparen oder sinnvoller nutzen kann.

Auf der gesellschaftlichen Seite gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Mitarbeiter oder Anwohner mit einzubeziehen.  Das reicht von der Unterstützung von lokalen Non-Profit Projekten über einen Ehrenamtlichen-Tag, den Mitarbeiter für einen Einsatz ihrer Wahl verwenden können, bis zur Hilfe für Obdachlose oder Aufräumarbeiten in einem Park. Es gibt vieles, was man auch ohne viel Geld tun kann.

Welche ersten Schritte würden Sie einem Mittelständler empfehlen, der nachhaltige Entwicklung in sein Geschäftsmodell integrieren möchte?

Daniel Bena: Zuerst einmal muss man anfangen! Man muss aufhören zu überlegen und Meetings einzuberufen, sondern einfach loslegen.  Es geht um Taten und Wirkung getreu dem Motto: „Der Gewinn großer Ideen stellt sich ein, sobald man sie realisiert!“

Kriterien sind sehr wichtig.  Man muss seine Erfolgskriterien und Messsysteme gleich von Anfang an richtig aufstellen, unabhängig davon, was man messen möchte. Auf diese Weise kann man seine Leistungen nach verfolgen und seinem Reporting Glaubwürdigkeit verleihen.

Man muss unbedingt seine Mitarbeiter involvieren. Einige der besten Ideen für nachhaltige Entwicklungen bei PepsiCo stammen von engagierten  Mitarbeitern.  Außerdem werden dadurch der Teamzusammenhalt und die Teamarbeit gefördert, es macht das Arbeitsumfeld reicher, und es resultiert oft in erheblichem Nutzen für die Firma.

Daniel Bena ist seit 2006 verantwortlich für Nachhaltigkeit beim US-Getränkehersteller PepsiCo.

Das Gesrpäch führte Regina Körner

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