EU-Förderprogramm für mehr Jobs im Brutus-Segment

Bossi, Venizelos, Fico: Die EU hat den Königsmörder wieder zu einem in der Öffentlichkeit hochangesehenen Berufsstand gemacht. Für die zahllosen innenpolitischen Diadochenkämpfe sind die Interventionen von Brüssel geradezu ein Segen.

Nach der Slowakei und Griechenland zeichnet sich nun in Italien als drittem Euro-Land ein handfester innenpolitischer Krach wegen der Euro-Krise ab. Lega Nord Chef Umberto Bossi hat Silvio Berlusconi zum Rücktritt aufgefordert. Die Lega ist der Koalitionspartner von Berlusconi.

Bei Betrachtung aller Fälle ist ein Muster zu erkennen, dass man getrost als Brüsseler Förderprogramm für den Traumjob „Brutus“ bezeichnen kann. Die meisten innenpolitischen Zankereien folgen demselben Drehbuch: Eine Partei nutzt die Maßregelung eines politischen Gegners durch die EU, um diesen zu stürzen. Dabei macht sich die Partei vorübergehend die Argumente Brüssels zu eigen und spielt, meistens für nicht mehr als für 24 Stunden, den europäischen Musterschüler.

Wichtig an dem Gelingen dieses Szenarios ist die Rolle des Königsmörders. Ohne einen überzeugten Brutus geht es nicht. In Griechenland wurde diese Rolle sehr überzeugend von Finanzminister Evangelos Venizelos gespielt. Sein Großvater war in grauer griechischer Vorzeit einmal Diktator gewesen, also liegt das Talent hier in der Familie. Venizelos, der die vergangenen Monate vor allem damit zubrachte, die EU-Beschlüsse zu hintertreiben und alle Sparprogramme zu verhindern, trat im Morgengrauen theatralisch vor die Presse und trieb Georgios Papandreou den Dolch in den Rücken. Er positionierte sich als potentieller Erbe (mehr hier), doch im Moment scheint für ihn zu gelten, was viele Killer an einer großen Karriere gehindert hat: Das Volk liebt den Verrat, doch es hasst den Verräter.

In der Slowakei traf es die tapfere Ministerpräsidentin Iveta Radičová von der slowakischen CDU. Sie kämpfte wie eine Löwin für die Überweisung von Steuer-Milliarden in ein europäisches Fass ohne Boden – und fiel danach selbst ins Bodenlose. Sie wurde in guter sozialistischer Tradition von einer Phalanx, angeführt von Robert Fico, gestürzt: Die Sozial-Populisten versprachen für 2 Tage Brüssel das Blaue vom Himmel, werden sich jedoch niemals zu radikalen Sparprogrammen entschließen. Sie haben ja live miterlebt, wie es einer sozialistischen Partei ergeht, die sich, wie die PASOK, mit den Gewerkschaften anlegt.

In Italien übernimmt nun Umberto Bossi die Rolle des Manns mit dem Dolch im Gewande. Bossi hat keine Ambitionen auf ein höheres Amt und natürlich auch kein Interesse an den Sparplänen der EU. Im Gegenteil: Um die Sezessionsbestrebungen im Norden wenigstens theoretisch am Leben zu erhalten, braucht er möglichst viel Misswirtschaft in Rom – wen sollte er sonst von Mailand aus anprangern? Nichts ist schlimmer für einen Volktribun als der Verlust des Feindbildes.

Das Förderprogramm der EU zur Ertüchtigung von Verrätern kann also durchaus als Erfolg gewertet werden. Es wird neben der neuen Krümmung der Gurke und der Rundung der Einheits-Tomate von kommenden Generationen mit Sicherheit auch noch dann zu den bleibenden Errungenschaften der EU gezählt werden, wenn der Euro schon lange in Vergessenheit geraten ist. Vor allem dann, wenn die vielen Nachwuchstalente auf ihrer politischen Karriereleiter nach Brüssel aufgestiegen sein werden. Wir freuen uns jetzt schon auf die Champions League der Diadochenkämpfe (διάδοχοι).

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Kommentare

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  1. Meckerziege sagt:

    … und wann werden unsere „Könige gemördert“ ??? Zeit wär`s wohl schon lange

  2. Meckerziege sagt:

    … und wann werden unsere „Könige gemördert“ ??? Zeit wär`s wohl schon lange

  3. Meckerziege sagt:

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  4. Meckerziege sagt:

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  5. Meckerziege sagt:

    … und wann werden unsere „Könige gemördert“ ??? Zeit wär`s wohl schon lange

  6. Consuela Rodrigez sagt:

    Das ist doch alles so geplant. Lasst euch doch nicht verarschen. Es geschieht in dieser Welt nichts zufällig.

  7. Consuela Rodrigez sagt:

    Das ist doch alles so geplant. Lasst euch doch nicht verarschen. Es geschieht in dieser Welt nichts zufällig.

  8. Consuela Rodrigez sagt:

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  9. Consuela Rodrigez sagt:

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  10. Consuela Rodrigez sagt:

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