Italien wankt: Lässt Draghi Berlusconi fallen?

Die Risikoaufschläge für 10-jährige italienische Staatsanleihen haben heute einen historischen Höchststand erreicht. Auffällig: Die EZB hat keine Papiere gekauft. Will Mario Draghi Berlusconi zu Fall bringen? Auch im italienischen Parlament hat Berlusconi die eigene Mehrheit verloren.

Die italienischen Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren erreichten heute einen Zinswert von 6,74 Prozent. Der höchste Stand seit 1997 in Italien und der höchste Stand überhaupt für Staatsanleihen seit Einführung des Euros. Die 7 Prozentmarke gilt als Grenzwert für Staatsanleihen. Staaten wie Griechenland, Portugal und Irland waren gezwungen, nach Rettung zu fragen, als sie einen ähnlich hohen Wert erreicht hatten. „Ich weiß nicht, ob 7 Prozent die Obergrenze sind, oder ob es 6,9 oder 7,25 % sind. Aber ich weiß, Italien kann mit diesen Zinsen nicht mehr lange so weiter machen“, sagt Gabriel Stein, Direktor des Lombard Street Research in London.

Zinsen dieses Ausmaßes bringen Händler dazu, mehr Schutz für die Investition in italienische Anleihen zu verlangen, da sie selbst ein größeres Risiko eingehen. So werden die Staatsanleihen Italiens immer unattraktiver für Banken, die neben der EZB noch zu den größten Käufern von europäischen Staatsanleihen zählen (mehr hier). Die hohen Zinsen führen zudem zu stärkeren Verkäufen der Staatsanleihen, was wiederum neue Verkäufer verschreckt. „Viele ’natürliche‘ Investoren, die auf Sicherheit aus sind, halten sich im aktuellen Umfeld zurück“, bestätigt David Schnautz, Anleiheexperte bei der Commerzbank. Italien befindet sich in einem Teufelskreis.

Der enorme Zinssatz ist auch für die Entwicklung der italienischen Schulden von großer Bedeutung. Würden die italienischen Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren tatsächlich 7 Prozent erreichen, müsste Italien bei Fälligkeit der Auszahlungen für diese Anleihen 2022 allein 43 Milliarden Euro nur für Zinsen aufbringen, schätzt Sohail Malik von European Credit Management. „Stellen Sie sich vor, Sie müssten das für Anleihen mit einer Laufzeit von zwei bis drei Jahren auf demselben Level erbringen. Untragbar!“
„Die EZB muss im Moment ziemlich die Rolle des ‚lender of last resort‘ übernehmen, um die Schäden zumindest vorübergehend zu begrenzen“, sagt David Schautz. Auch andere Analysten sehen allein die EZB als möglichen Retter. Immerhin könne sie auf unbegrenzte Ressourcen vertrauen, um die Schulden der Mitgliedsländer zu garantieren.

Trotz der Drohung, keine italienischen Staatsanleihen mehr zu kaufen, wenn das Land nicht den Willen zeige, Reformen durchzuführen, kauft die EZB weiter (mehr hier). Aber die EZB kann nicht unbegrenzte Mengen italienischer Schulden kaufen, dies wäre ein Bruch mit dem Europäischen Gesetz. Der Artikel 101 beispielsweise verbietet es der EZB, Regierungen jegliche Art von Krediten und Dispotkrediten zur Verfügung zu stellen. Im Artikel 103 heißt es zudem, die Eurozone darf nicht für die Schulden der Mitgliedsstaaten verantwortlich gemacht werden.

Außerdem wäre ein unbegrenzter Kauf italienischer Staatsanleihen ein Bilanzrisiko für die EZB selbst. Im Gegensatz zu Krediten gegenüber Banken, die hoch versichert sind, hat die EZB bei kreditnehmenden Ländern keinen Schutz. Fragwürdig ist auch, ob eine solche Handlung der Europäischen Zentralbank tatsächlich wieder das Vertrauen der Investoren gewinnen könnte. Trotz des Kaufs von griechischen, portugiesischen und irischen Staatsanleihen durch die EZB, stoßen die Investoren weiter in hohen Mengen eben diese Anleihen ab (mehr hier). Sollte die Europäische Zentralbank zusagen, unbegrenzt italienische Staatsanleihen zu kaufen, würde dies die Investoren in der jetzigen Situation sogar eher dazu verleiten, weitere Staatsanleihen zu verkaufen, als in neue zu investieren. Und wie könnte die EZB bei späteren Anfragen auf Unterstützung sich die Möglichkeit bewahren, nein zu sagen. Die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank würde immens darunter leiden.

Mehr zum Thema:

EU fördert das politische Verrätertum
China kauft Goldminen
Europas Banken: Altlasten von 386 Milliarden Euro

 

Kommentare

Dieser Artikel hat 55 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. Gast sagt:

    Wo die Renditen schon mal bei 7% sind, kommt der Punkt an dem Hilfspakete gebraucht werden. Nun sind also bald wieder die EUlen der EU-Regierung gefragt, welche mit bekanntem erpresserischen Einfluß alles (hin)richten. Kommt mir so vor als ob das alles so gewollt ist.

    So eine Krise hat doch echte Vorteile. Systemtreue neue Regierungen und Maßnahmen welche sich aus der Situation als notwendig erweisen. Damit wächst die Hoffnung auf ein neues europäisches System, welches sich in seiner Gestaltung noch mehr an politischer und finanzieller Macht orientieren dürfte. In tiefster Rezession wird der Ruf nach Führung lauter werden.

    Wie könnte man sonst eine neue Weltordnung schaffen. Die Voraussetzungen sind bestens geeigent und die „Occupy“ ruft auch schon danach. Wir werden uns also nicht nur vom Euro verabschieden, welche ehe nur fiktive Währung ist.

    Hoffentlich ist dies nur eine Fiktion die noch fiktiver ist als Papiergeld.

  2. Gast sagt:

    Wo die Renditen schon mal bei 7% sind, kommt der Punkt an dem Hilfspakete gebraucht werden. Nun sind also bald wieder die EUlen der EU-Regierung gefragt, welche mit bekanntem erpresserischen Einfluß alles (hin)richten. Kommt mir so vor als ob das alles so gewollt ist.

    So eine Krise hat doch echte Vorteile. Systemtreue neue Regierungen und Maßnahmen welche sich aus der Situation als notwendig erweisen. Damit wächst die Hoffnung auf ein neues europäisches System, welches sich in seiner Gestaltung noch mehr an politischer und finanzieller Macht orientieren dürfte. In tiefster Rezession wird der Ruf nach Führung lauter werden.

    Wie könnte man sonst eine neue Weltordnung schaffen. Die Voraussetzungen sind bestens geeigent und die „Occupy“ ruft auch schon danach. Wir werden uns also nicht nur vom Euro verabschieden, welche ehe nur fiktive Währung ist.

    Hoffentlich ist dies nur eine Fiktion die noch fiktiver ist als Papiergeld.

  3. Gast sagt:

    Wo die Renditen schon mal bei 7% sind, kommt der Punkt an dem Hilfspakete gebraucht werden. Nun sind also bald wieder die EUlen der EU-Regierung gefragt, welche mit bekanntem erpresserischen Einfluß alles (hin)richten. Kommt mir so vor als ob das alles so gewollt ist.

    So eine Krise hat doch echte Vorteile. Systemtreue neue Regierungen und Maßnahmen welche sich aus der Situation als notwendig erweisen. Damit wächst die Hoffnung auf ein neues europäisches System, welches sich in seiner Gestaltung noch mehr an politischer und finanzieller Macht orientieren dürfte. In tiefster Rezession wird der Ruf nach Führung lauter werden.

    Wie könnte man sonst eine neue Weltordnung schaffen. Die Voraussetzungen sind bestens geeigent und die „Occupy“ ruft auch schon danach. Wir werden uns also nicht nur vom Euro verabschieden, welche ehe nur fiktive Währung ist.

    Hoffentlich ist dies nur eine Fiktion die noch fiktiver ist als Papiergeld.

  4. Gast sagt:

    Wo die Renditen schon mal bei 7% sind, kommt der Punkt an dem Hilfspakete gebraucht werden. Nun sind also bald wieder die EUlen der EU-Regierung gefragt, welche mit bekanntem erpresserischen Einfluß alles (hin)richten. Kommt mir so vor als ob das alles so gewollt ist.

    So eine Krise hat doch echte Vorteile. Systemtreue neue Regierungen und Maßnahmen welche sich aus der Situation als notwendig erweisen. Damit wächst die Hoffnung auf ein neues europäisches System, welches sich in seiner Gestaltung noch mehr an politischer und finanzieller Macht orientieren dürfte. In tiefster Rezession wird der Ruf nach Führung lauter werden.

    Wie könnte man sonst eine neue Weltordnung schaffen. Die Voraussetzungen sind bestens geeigent und die „Occupy“ ruft auch schon danach. Wir werden uns also nicht nur vom Euro verabschieden, welche ehe nur fiktive Währung ist.

    Hoffentlich ist dies nur eine Fiktion die noch fiktiver ist als Papiergeld.

  5. Gast sagt:

    Wo die Renditen schon mal bei 7% sind, kommt der Punkt an dem Hilfspakete gebraucht werden. Nun sind also bald wieder die EUlen der EU-Regierung gefragt, welche mit bekanntem erpresserischen Einfluß alles (hin)richten. Kommt mir so vor als ob das alles so gewollt ist.

    So eine Krise hat doch echte Vorteile. Systemtreue neue Regierungen und Maßnahmen welche sich aus der Situation als notwendig erweisen. Damit wächst die Hoffnung auf ein neues europäisches System, welches sich in seiner Gestaltung noch mehr an politischer und finanzieller Macht orientieren dürfte. In tiefster Rezession wird der Ruf nach Führung lauter werden.

    Wie könnte man sonst eine neue Weltordnung schaffen. Die Voraussetzungen sind bestens geeigent und die „Occupy“ ruft auch schon danach. Wir werden uns also nicht nur vom Euro verabschieden, welche ehe nur fiktive Währung ist.

    Hoffentlich ist dies nur eine Fiktion die noch fiktiver ist als Papiergeld.