Goldman: „Neuwahlen in Italien sind das Schlimmste!“

Goldman Sachs fürchtet, dass mit dem Rücktritt von Berlusconi kein einziges Problem gelöst ist – im Gegenteil: Neuwahlen, wie Berlusconi sie ankündigte, seien der „worst case“, weshalb Goldman verlangt, dass die EZB weiterhin in großem Stil die italienischen Schrottpapiere aufkauft.

Am Dienstagabend kündigte Silvio Berlusconi seinen Rücktritt als Ministerpräsident Italiens an. Er sagte, er sei traurig und nun müsse, wie in einer Demokratie üblich, das Volk entscheiden, welche Regierung es wolle (Telefoninterview Berlusconi im italienischen TV, via Corriere Della Sera – hier)

Die Investment-Bank Goldman Sachs hält in einer ersten Analyse Neuwahlen in Italien schlicht für eine Katastrophe. Und weil die Goldmänner eine nationalstaatliche Verfassung noch nicht direkt ändern können, setzen sie wie schon während der ganzen Krise auf Panik. In einem Bericht zur Ära nach Berlusconi heißt es: „Neuwahlen könnten frühestens Mitte Januar stattfinden, und wegen der Unruhe an den Märkten werden sei höchstwahrscheinlich sogar in den Frühling verschoben. Das wäre aus unserer Sicht das worst case Szenario für die Märkte. Weil sich Präsident Napolitano dessen bewusst ist, wird er vermutlich versuchten, die Auflösung des Parlaments zu verhindern. Außerdem würden die meisten Mitte-Parteien versuchen, das Wahlrecht zu verändern, bevor es Neuwahlen gibt.“

Goldman sieht drei Szeanrien: Eine Mitte-Rechts Regierung, die sich auf einen respektablen Kandidaten einigen kann. Wäre nicht schlecht, finden die Goldmänner, hätte aber den Nachteil, dass sich die Regierung erst bewähren müsse. So etwas sehen die Märkte gar nicht gerne, daher erwartet Goldman für diesen Fall weiteren Druck auf die italienischen Staatsanleihen.

Zweites Szenario: Eine Regierung der Technokraten. Vorteil: Die werden tun, was Brüssel will. Nachteil: Was geschieht, wenn das Volk das nicht will? Umberto Bossis Lega Nord könnte beispielsweise die Rentenform wieder infrage stellen. Für diesen Fall erwartet Goldman weiteren Druck auf die italienischen Staatsanleihen.

Drittes Szenarion: Neuwahlen. Aus Goldman-Sicht: Ganz schlimm, der worst case. Prognose für die Staatsanleihen: Noch größerer Druck.

Für Goldman gibt es in allen drei Szenarien nur eine Lösung: Die EZB muss bis auf weiteres unbegrenzt die italienischen Schrottpapiere kaufen. Dies ist aus Sicht der Investment-Bank die einzige Lösung, damit die Entwicklung in Italien Goldman den Märkten nicht verheerende Schäden zufügt.

Dies könnte EZB-Chef Mario Draghi (ITA) ein pikantes Problem bescheren: Nun, da der größte Reformverhinderer weg ist, muss er erst recht italienische Schrottpapiere kaufen – ad infinitum gewissermaßen (hier mehr). Sein Pech in diesem Kosmos: Goldman locuta, causa finita.

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Kommentare

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  1. Tunk Marec sagt:

    Kann man den Goldmännern nicht mal klar machen, daß sie sich aus europäischen Angelegenheiten rauszuhalten haben?

  2. Tunk Marec sagt:

    Kann man den Goldmännern nicht mal klar machen, daß sie sich aus europäischen Angelegenheiten rauszuhalten haben?

  3. Tunk Marec sagt:

    Kann man den Goldmännern nicht mal klar machen, daß sie sich aus europäischen Angelegenheiten rauszuhalten haben?

  4. Tunk Marec sagt:

    Kann man den Goldmännern nicht mal klar machen, daß sie sich aus europäischen Angelegenheiten rauszuhalten haben?

  5. Tunk Marec sagt:

    Kann man den Goldmännern nicht mal klar machen, daß sie sich aus europäischen Angelegenheiten rauszuhalten haben?