Gezerre um den Schweizer Franken: SNB sieht Deflations-Risiko

Die Schweizer Wirtschaft will eine weitere Schwächung des Franken. Die Schweizerische Nationalbank bleibt hart und verweist auf das gestiegene Risiko einer Deflation.

Politik und Wirtschaft drängen die Nationalbank (SNB), den Franken weiter zu schwächen. Vor allem die Schweizer Politiker haben den Ton verschärft, um einen niedrigeren Frankenkurs zu erreichen. Die Koppelung des Franken an den Euro zu einem Mindestwechselkurs von 1,20 Franken pro Euro von Anfang September reicht ihnen nicht.

Die SNB stehe offensichtlich „unter enormen Druck“, sagt Peter Rosenstreich, Chef-Devisenanalyst bei Swissquote Bank in Genf. „Ihre verbalen Interventionen haben den Markt überzeugt, dass der nächste Schritt höher sein wird und das ist außerordentlich effektiv und kostet sie nichts. Sie werden mit ihrer scharfen Rhetorik weiter machen.“

Die SNB selbst will dem Drängen der Politik daher nicht nachgeben: „Unser Auftrag ist ganz klar: Wir müssen für Preisstabilität sorgen und tragen so zur Stabilisierung der Wirtschaft bei,“ sagte der stellvertretende Präsident der SNB, Thomas Jordan. „Wir beobachten die Situation permanent. Wir analysieren sie und wenn es einen Grund gibt zu handeln, sind wir selbstverständlich bereit, weitere Maßnahmen zu setzen.“ Ob die SNB bereits darüber nachgedacht hat, den Mindestwechselkurs anzuheben, wollte Jordan nicht sagen. Der Franken gilt ungeachtet der Koppelung immer noch als sicherer Hafen, die Kapitalzuflüsse sind gerade wegen der Euro-Krise unverändert hoch.

Im Hintergrund des Tauziehens steht die Sorge der SNB vor einer Deflation (was ist eine Deflation – hier). „Wenn die SNB irgendwann zur Einschätzung kommt, dass das Deflationsrisiko gegenüber ihrer Lagebeurteilung vom September zugenommen hat, ist eine Anhebung des Mindestkurses praktisch das einzige Instrument, das ihr noch übrig bleibt“, sagt Beat Siegenthaler, Devisenstratege bei UBS in Zürich: „Die Wahrscheinlichkeit, dass der Euro-Franken-Mindestkurs bei der nächsten vierteljährlichen Lagebeurteilung angehoben wird, hat erheblich zugenommen.“

Im September hatte die SNB einen Stillstand des Wirtschaftswachstums im zweiten Halbjahr vorausgesagt. Sie geht davon aus, dass die Verbraucherpreise im Jahr 2012 um 0,3 Prozent sinken werden. Schon haben auch erste Unternehmen wie Migros, Porsche und Volvo reagiert und haben die Preise für den Schweizer Markt teilweise deutlich gesenkt.

Die bisherigen Versuche, die Frankenstärke zu bremsen und eine drohende Deflation zu verhindern, haben die SNB im vergangenen Jahr 18,9 Milliarden Franken gekostet. Die Nationalbank hatte vor dem Maßnahmenstopp im vergangenen Juni über 15 Monate lang ihre Währungsreserven mehr als vervierfacht. Analysten der UBS schätzen, dass der Mindestwechselkurs für den Franken die SNB alleine im September fünf Milliarden Franken gekostet hat.

Da der Export etwa die Hälfte des Bruttoinlandsproduktes ausmacht, trifft der hohe Frankenkurs die Schweiz besonders hart. Während viele mit dem festgelegten Wechselkurs von 1,20 Franken pro Euro zufrieden waren, forderte der Schweizerische Gewerkschaftsbund sogar einen Wechselkurs von 1,40 Franken pro Euro. Er kritisiert, dass immer noch tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Die Flucht der europäischen Investoren in den „sicheren Hafen“ des Franken hält an und fordert der SNB weiter alle Anstrengung ab, den Kurs stabil zu halten. Ein Ende dieser Entwicklung ist so schnell nicht zu erwarten, zumal auch keine Lösung für die Krise in der Eurozone in Sicht ist.

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