Kapitalflucht: Europas Banken trocknen langsam aus

Die Finanzierung der europäischen Banken am Markt ist in den vergangenen Tagen fast unmöglich geworden. Die EZB Kredite haben teilweise zu hohe Zugangshürden. Das Misstrauen der Banken untereinander ist enorm. Der Interbanken-Markt ist praktisch zum Erliegen gekommen.

Viele Investoren sehen aufgrund der Verschärfung der europäischen Schuldenkrise in der Finanzierung von europäischen Banken zu hohe Risiken und ziehen teilweise panisch ihr Kapital ab (ein Prozess der nicht wirklich überraschend kommt – mehr hier). Eine massive Kreditklemme der europäischen Banken zeichnet sich ab. Suki Mann von Société Générale zufolge haben die Banken in Europa ihre laufenden Schulden seit Juli nur um 10,5 Milliarden Euro erhöht, was nur einen Bruchteil der üblicher Weise notwendigen Finanzierung ausmacht. Das Ausmaß der Refinanzierung ist immens. Europas Banken haben bis zum jetzigen Zeitpunkt in diesem Jahr über 295 Milliarden Euro am Kapitalmarkt aufgebracht, so Dealogic data. Allerdings besitzen sie 485 Milliarden Euro Schulden, die nächstes Jahr fällig werden. Da den meisten Banken der übliche Markt für ihre Finanzierungen nicht mehr zugänglich ist, sind sie gezwungen sich nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten umzusehen.

So greifen die europäischen Banken vermehrt auf die Kredite der EZB zurück, die zwar relativ günstig sind, aber eben nicht kostenlos. Für diese Kredite müssen sie allerdings der EZB Sicherheiten vorweisen. Diese Kreditsicherheit kann in Form von verschiedenen gebündelten Anleihen wie etwa durch Vermögenswerte versicherte Wertpapiere oder gedeckte Anleihen erbracht werden. So durchsuchen die Banken ihre gewaltigen Lager an Krediten und Bonds, verpacken sie neu und versuchen so, sich für die Kredite der EZB zu qualifizieren. Italiens Zentralbank beispielsweise sagt, die Kreditgeber des Landes hätten ausreichend Sicherheiten für zusätzliche 133 Milliarden Euro von der EZB. „Es wird interessant sein zu sehen, wie die italienischen Banken ihre Sicherheiten optimieren werden“, bemerkt Bernd Volk von der Deutschen Bank.

Die EZB kann allerdings die Zugangshürden für Kredite nicht viel weiter senken. Sie sagt, sie müsse einem schmalen Grat zwischen der zur Verfügung gestellten Liquidität und dem Schutz ihrer eigenen Bilanzaufstellung folgen. Wie wichtig die Einhaltung dieses Gleichgewichts ist, zeigte sich nach der Forderung der UniCredit an die EZB, die Zugangshürden zu öffnen. Kurz darauf fielen die Aktienkurse der europäischen Banken. Die geringen Sicherheiten, über die die europäischen Banken verfügen, veranlassen sie deshalb immer weiter nach neuen Möglichkeiten der Finanzierung zu suchen. So haben griechische und irische Banken begonnen, staatlich garantierte Schulden auszugeben, damit diese als Sicherheit für eine Liquiditätsspritze im Notfall genutzt werden können, und umgehen so die minimalen Sicherheitsanforderungen der EZB.

Die europäischen Behörden haben indes das Problem erkannt und versprachen etwas zu unternehmen. Eine EU-weite Garantie für Bankenschulden könnte ihrer Meinung nach helfen, den Markt zu beruhigen. Aber Details zu dem angekündigten Plan nannte die EU noch nicht. „Wir glauben, dass die EU bis jetzt wenig Konkretes hat“, sagt Alastair Ryan von der UBS. In der Zwischenzeit haben die europäischen Banken zwei Möglichkeiten zur Finanzierung, wenn sich die Investoren weiter zurückziehen: Sie können versuchen, von der EZB Kredite zu erlangen oder ihre Bilanzaufstellungen zu verkleinern. Die Kürzung unprofitabler Kredite oder der gänzliche Rückzug aus einigen Geschäften wären die Folge.

Indes wird auch das Misstrauen der Banken untereinander immer größer. Einem Bericht der Financial Times zufolge haben die vier großen britischen Banken HSBC, Lloyds, RBS und Barclays ihre Kreditbestände zu Ländern in der Peripherie der Eurozone in nur drei Monaten um ein Viertel auf 10,5 Milliarden Pfund gekürzt. Allein die HSBC, der größte Kreditgeber für andere Banken, habe seine Kreditbestände um ganze 40 Prozent in dieser Region reduziert. Kredite für griechische Banken wurden bei der HSBC ganz gestrichen und das spanische und irische Volumen um zwei Drittel verringert.

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Kommentare

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  1. Mitleser sagt:

    Sind das nicht alles Folgen System-immanenter Verhältnisse?

    „Finanz-Markt“ – Der ‚Handel‘ = Wettspiele mit NICHTS, bzw. ‚Zahlungsversprechen‘. Das ist es doch, was unser sog. Geld eigentlich ist.
    „Fraktional Banking“ = d.h. die Erweiterung von Zahlungsversprechen ohne Deckung.
    Und warum das alles? Weil das sog. Geld in riesigen Mengen gehortet wurde, anstatt der Wirtschaft als ihr Lebenselixier zur Verfügung zu stehen.
    Alle diese Dinge sind schon sehr lange bekannt, werden aber der Mehrheit absichtlich vorenthalten, damit nach Belieben das System zur Ausbeutung der Habenichtse manipuliert werden kann. Abgesehen von dem damit verbundenen Zinswucher, der ein stetiges Anwachsen der Geldmenge bedingt (mehr Schulden trotz Wirtschaftswachstum), und damit immer mehr Macht in die Hände der (in Privatbesitz) befindlichen Geldverwalter gibt. „Geld regiert die Welt“ – aber wer regiert das Geld?
    Die Menschen haben sich für Dumm verkaufen lassen, als sie den privaten Geldproduzenten freies Spiel gelassen haben.
    Wer dem Wucherer freies Spiel lässt, muss sich nicht wundern, wenn er auch sein letztes Hemd verliert

    Viele Grüsse

  2. Mitleser sagt:

    Sind das nicht alles Folgen System-immanenter Verhältnisse?

    „Finanz-Markt“ – Der ‚Handel‘ = Wettspiele mit NICHTS, bzw. ‚Zahlungsversprechen‘. Das ist es doch, was unser sog. Geld eigentlich ist.
    „Fraktional Banking“ = d.h. die Erweiterung von Zahlungsversprechen ohne Deckung.
    Und warum das alles? Weil das sog. Geld in riesigen Mengen gehortet wurde, anstatt der Wirtschaft als ihr Lebenselixier zur Verfügung zu stehen.
    Alle diese Dinge sind schon sehr lange bekannt, werden aber der Mehrheit absichtlich vorenthalten, damit nach Belieben das System zur Ausbeutung der Habenichtse manipuliert werden kann. Abgesehen von dem damit verbundenen Zinswucher, der ein stetiges Anwachsen der Geldmenge bedingt (mehr Schulden trotz Wirtschaftswachstum), und damit immer mehr Macht in die Hände der (in Privatbesitz) befindlichen Geldverwalter gibt. „Geld regiert die Welt“ – aber wer regiert das Geld?
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    Wer dem Wucherer freies Spiel lässt, muss sich nicht wundern, wenn er auch sein letztes Hemd verliert

    Viele Grüsse

  3. Mitleser sagt:

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    „Fraktional Banking“ = d.h. die Erweiterung von Zahlungsversprechen ohne Deckung.
    Und warum das alles? Weil das sog. Geld in riesigen Mengen gehortet wurde, anstatt der Wirtschaft als ihr Lebenselixier zur Verfügung zu stehen.
    Alle diese Dinge sind schon sehr lange bekannt, werden aber der Mehrheit absichtlich vorenthalten, damit nach Belieben das System zur Ausbeutung der Habenichtse manipuliert werden kann. Abgesehen von dem damit verbundenen Zinswucher, der ein stetiges Anwachsen der Geldmenge bedingt (mehr Schulden trotz Wirtschaftswachstum), und damit immer mehr Macht in die Hände der (in Privatbesitz) befindlichen Geldverwalter gibt. „Geld regiert die Welt“ – aber wer regiert das Geld?
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  4. Mitleser sagt:

    Sind das nicht alles Folgen System-immanenter Verhältnisse?

    „Finanz-Markt“ – Der ‚Handel‘ = Wettspiele mit NICHTS, bzw. ‚Zahlungsversprechen‘. Das ist es doch, was unser sog. Geld eigentlich ist.
    „Fraktional Banking“ = d.h. die Erweiterung von Zahlungsversprechen ohne Deckung.
    Und warum das alles? Weil das sog. Geld in riesigen Mengen gehortet wurde, anstatt der Wirtschaft als ihr Lebenselixier zur Verfügung zu stehen.
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    Wer dem Wucherer freies Spiel lässt, muss sich nicht wundern, wenn er auch sein letztes Hemd verliert

    Viele Grüsse