Angst vor dem Crash: Reiche Chinesen flüchten in den Westen

Die wirtschaftliche Lage in China ist offenbar weit dramatischer als von der Regierung zugegeben. Ein Indiz: Reiche Chinesen verlassen das Land fluchtartig. Sie haben bisher vom System profitiert und fürchten offenbar den baldigen Zusammenbruch.

Gordon Chang, Kolumnist für Forbes und Rechtsanwalt mit jahrelanger China-Erfahrung, sieht Anzeichen, dass es in China schon sehr bald zu einem Crash kommen könnte. Schuld daran sei, wie Chang in einem Podcast bei Chris Martenson erzählt, vor allem die Korruption in China. Die Partei-Bürokratie habe das Land in einer Art elitärem Raubtierkapitalismus ausgebeutet. Die Krise 2008-2009 sei durch unverantwortliche Stimulus-Pakete zwar nach außen hin überwunden worden. Der Preis seien jedoch gigantische Blasen im Immobilienbereich und an den Aktienmärkten sowie die Inflation. Auch sei das Wachstum nicht langsam rückläufig, wie von den Offiziellen gern behauptet. Im Vergleich Monat zu Monat gäbe es jetzt in China bereits kein Wachstum mehr, wenn man die Zahlen genau betrachte. Wichtige Indikatoren wie die Automobilindustrie verzeichnen gar schon Rückgänge: Im Oktober betrug der Rückgang bei den verkauften PKW 4 Prozent.

Einen besonders aussagekräftigen Indikator sieht Chang in der heimlichen Massenflucht der Eliten. Chang: „Wo ich lebe, in New Jersey, gibt es jede Menge wunderbarer Häuser. Überall stehen zwei Mercedes vor der Tür, und drinnen wohnt eine Frau mit ihren Kindern. Was fehlt ist der Vater. Er ist ein hochrangiger Bürokrat, der in Peking und Hong Kong gerade dabei ist, ein Vermögen vom chinesischen Volk zu stehlen. Und das Schlimmste: Der Vater sitzt auch schon im United Flug nach New York, weil er merkt, dass das System am Kollabieren ist.“

Der beschriebene Flüchtling ist kein Einzelfall. Nach einer Untersuchung der Bank of China und dem Verleger der Top-Reichen-Liste Hurun haben bereits 60% aller reichen Chinesen damit begonnen, ihre Auswanderung vorzubereiten oder sind bereist ausgewandert. Einem Bericht der FT zufolge kaufen sie im Moment alles, was ihnen die gewünschte Lebensqualität bietet: Schlösser in Frankreich, Cottages in der Karibik oder Penthäuser in Manhattan. Der Grund: Die Korruption greift wie ein Krebsgeschwür um sich. So berichten Mütter, dass für neun von zehn Kindern Schmiergelder gezahlt werden müssen, damit sie eine ordentliche Ausbildung bekommen.

Dass sich nun auch die Partei-Eliten absetzen ist für Gordon Chang ein Beleg, dass Wirtschaft und Gesellschaft vor dem Kollaps stehen: „Die Behörden bekommen die Korruption nicht in den Griff.“ So machen sich nun jene „Leistungsträger“ aus dem Staub, die das System erst geschaffen und dann am meisten von ihm profitiert haben. Was bleibt, ist eine immer aggressivere Bevölkerung, die sich mit explodierenden Lebensmittelpreisen, einem nicht funktionierenden Gesundheitssystem und dem Anblick von gigantischen Geisterstädten nicht abfinden will. Chang: „Die chinesische Führung ist schwach, auch die neue, die im Januar ans Ruder kommt, ist nicht besser. Sie beobachten mit großer Sorge, was in Indonesien oder im Zug des arabischen Frühlings geschehen ist. Dort wurden die korrupten Herrscher gestürzt, und die Systeme sind zusammengebrochen.“

China als Retter Europas ist vor diesem Hintergrund nicht einmal mehr ein frommer Wunsch. Chang: „Dagegen sind unsere wirtschaftlichen Schwierigkeiten eine Kleinigkeit, ich möchte nicht an einem einzigen Tag in der Woche mit den Chinesen tauschen.“

Komplettes Interview mit Gordon Chang als Podcast hier.

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Kommentare

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  1. Claus O. sagt:

    Ja so ist es immer , den letzten beissen die Hunde. Wie hier auch.

  2. Claus O. sagt:

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  3. Claus O. sagt:

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