Goldman Sachs rät Angela Merkel zum Gelddrucken

Goldman erwartet keine Inflation, wenn die EZB unbegrenzt Geld druckt. Die Begründung der Investmentbank: Das Geld komme ja niemals bei der realen Wirtschaft an, sondern geht direkt an die Banken, die seit Jahren mit Schrottpapieren spekulieren. Solange der eiserne Sparkurs eingehalten werde und die Wirtschaft nicht wachse, bestünden keine Einwände von Goldman.

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In einer „German Economic Commentary“ überschriebenen Analyse rät die Investment Bank Goldman Sachs Bundeskanzlerin Angela Merkel, ihren Widerstand gegen den Einsatz der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Lösung der europäischen Staatsschuldenkrise aufzugeben und der EZB zu erlauben, in unbegrenztem Maß Staatsanleihen aus den europäischen Problemländern aufzukaufen.

Wenn die EZB Geld druckt (nichts anderes ist der Aufkauf von wertlosen Papieren), dann hätte dies, so Goldman, mit Sicherheit keine inflationäre Wirkung. Während die deutsche Lesart, zuletzt vom Vorsitzenden der Wirtschaftsweisen Wolfgang Franz in der FAZ, Gelddrucken als „tödliche Sünde“ bezeichnet, versucht Goldman, die Inflationsängste der Deutschen zu zerstreuen.

So schreibt Goldman: „Die Sorgen über die inflationäre Wirkung der Monetarisierung von Schulden sind übertrieben. Der Ankauf von Staatsschulden durch eine Zentralbank führt nicht notwendigerweise zu Inflation (siehe das Beispiel von Japan, aber es gibt auch andere Beispiele, siehe Zimbabwe). Es kann zu Inflation führen, wenn diese Käufe zu einer expansiven Fiskalpolitik verwendet werden, die zu starkem Wachstum führen, mit der Folge, dass die Nachfrage nach Gütern das Angebot übersteigt. Denn in diesem Fall werden diejenigen, die die Preise festsetzen, die Preise erhöhen. Die Fiskalpolitik wird in der Euro-Zone in den kommenden Jahren jedoch sehr restriktiv sein. Italien zum Beispiel wird nach unseren Schätzungen seine Fiskalpolitik um 3% einschränken. (…) Und obwohl abzuwarten bleibt, ob sie fiskalischen Ziele eingehalten werden, ist es eine sichere Wette, dass die Finanzpolitik in der Euro-Zone für eine ganze Weile nicht expansiv sein wird.“

Goldman erläutert dann, dass die EZB im konkreten Fall der Schrottpapiere etwas ganz anderes erreichen würde: Sie kann Schrottpapiere in Cash umwandeln, welches „den privaten Investoren zugutekommt, die, aus verschiedenen Gründen nicht mehr länger Schrottpapiere Schuldpapiere der Peripheriestaaten halten wollen“.

Inflationsgefahr bestünde nur, wenn diese privaten Investoren (= die Banken) das Geld in den Wirtschaftskreislauf stecken würden. Das wäre nicht gut, denn dann gebe es Inflation. Aber: „Diese Investoren halten Cash nicht, weil sei es ausgeben wollen, sondern weil sie denken – zu Recht oder Unrecht – dass Cash die größere Belohnung von einem Investment-Standpunkt aus ist.“

Die Goldman-Analyse ist im Ton außerordentlich sanft. Das mag damit zusammenhängen, dass sie in der Sache – vielleicht unfreiwillig – eine Tatsache enthüllt, die den meisten in der Deutlichkeit nicht immer bewusst ist: All die schönen Milliarden, die die EZB drucken soll, gehen direkt zu Goldman und den anderen Banken, die sich mit Papieren jeder Staaten, die sie beraten haben (etwa beim EFSF-hier) und gegen die sie wetten (hier), eingedeckt haben.

Wie schon bei den Hilfstranchen für Griechenland geht kein Cent an die Realwirtschaft, sondern der gesamte Segen landet bei den Banken. Diese werden sich natürlich darauf berufen, dass es nicht an sie geht, sondern an die Pensionsfonds und alle anderen, die auf die genialen Verkaufstricks der Goldmänner hereingefallen sind. Vor denen fürchten sich die Banken jetzt, weil sie ihnen vielleicht eines Tages wirklich sagen müssen, dass sie mit deren Vermögen im großen Stil Klopapier Derivate gekauft haben.

Dazu muss es jedoch nicht kommen. Im zweiten Teil sagt Goldman unverblümt, dass radikale Sparprogramme in Europa die Voraussetzung dafür sind, dass keine Inflation entsteht. Außerdem dürfe das Geld keinesfalls dafür verwendet werden, dass es zu Wirtschaftswachstum in Europa kommt – eine Tatsache, die Goldman selbstverständlich bei all seinen Bewertungen ansonsten immer dringend fordert (hier).

Im Klartext: Die Völker Europas müssen sich auf eine verlorene Dekade (mehr hier) einstellen, mit kollabierenden Sozialsystemen, hoher Arbeitslosigkeit und gewalttätigen Unruhen, damit Goldman & Co. ihre „Cash Belohnung“ in Form von exorbitanten Gehältern und Boni in inflationsferne Werte wie Penthäuser, Karibik-Inseln oder die nächste zu erfindende Blase stecken können.

Wir stehen also am Anfang einer unwiderruflichen, globalen Zwei-Klassen-Gesellschaft, in der es nur die Masse der Armen und eine kleine Elite von Super-Reichen gibt. Die Erreichung dieser Gesellschaft soll auch nicht von anachronistischen Ritualen wie Wahlen behindert werden. Goldman hat sich explizit gegen Wahlen in Italien ausgesprochen (ein bemerkenswerter Vorgang – mehr hier). Und Goldman hat mit der Einsetzung des Goldman-Beraters Mario Monti (mehr hier) auch schon dokumentiert, wie ernst ihnen das Projekt ist.

Im Grunde sagt Goldman den Deutschen: Regt Euch nicht auf mit Eurer Inflation! Das Geld seht Ihr ohnehin nie, weil wir es in unseren eigenen, exklusiven Geldkreislauf einspeisen, zu dem ihr niemals Zutritt haben werden. Und Llyod Blankfein, der Goldman Sachs Chef, hat dieser Tage klargemacht, dass man wisse, wie elitär und begehrt der Zirkel ist: 300.000 junge Leute sollen sich weltweit für Goldman-Jobs beworben haben – aber leider konnte man nur 4% in den erlesenen Kreis aufnehmen.

Unabhängige Wirtschaftsforscher sehen die Inflationsgefahr übrigens trotz der Goldman-Sirenen-Gesänge ganz real. Simon Johnson, Ex-IWF Mann und heftiger Kritiker der Verflechtung von Banken und Politik, schreibt in seinem Blog: „Wenn die EZB Italien oder anderen Regierungen, die sich weigern, ihre Defizite unter Kontrolle zu bringen, bedingungslose finanzielle Unterstützung gewährt, dann gehen wir in Richtung einer weiteren Großen Inflation.“

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Kommentare

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  1. mandelkern sagt:

    Nein, die Wirtschaften der Schuldenstaaten dürfen keinesfalls wachsen. Dann könnten ja höhere Steuereinnahmen und geringe Arbeitslosigkeit drohen! das würde die Notwendigkeit der Regierungen, sich weiter von den Schuldendealern ihren Stoff zu besorgen, reduzieren und Goldman das Geschäft vermasseln.
    Zynischer geht es nicht mehr.
    Jedes Krebsgeschwür zerstört früher oder später seinen Wirtsorganismus, es sei denn, man schneidet es heraus.

    • georg hoffer sagt:

      mandelkern..auch das ist richtig…..oben kommentar .georg hoffer.. auch bei facebook… Aufstehen .,Aufwachen..Nachbarn Informieren- so viele Freunde Informieren wie es möglich ist…und AUFKLÄREN….2013 dürfen diese Verbrecher nicht an die MACHT KOMMEN.-

  2. mandelkern sagt:

    Nein, die Wirtschaften der Schuldenstaaten dürfen keinesfalls wachsen. Dann könnten ja höhere Steuereinnahmen und geringe Arbeitslosigkeit drohen! das würde die Notwendigkeit der Regierungen, sich weiter von den Schuldendealern ihren Stoff zu besorgen, reduzieren und Goldman das Geschäft vermasseln.
    Zynischer geht es nicht mehr.
    Jedes Krebsgeschwür zerstört früher oder später seinen Wirtsorganismus, es sei denn, man schneidet es heraus.

  3. mandelkern sagt:

    Nein, die Wirtschaften der Schuldenstaaten dürfen keinesfalls wachsen. Dann könnten ja höhere Steuereinnahmen und geringe Arbeitslosigkeit drohen! das würde die Notwendigkeit der Regierungen, sich weiter von den Schuldendealern ihren Stoff zu besorgen, reduzieren und Goldman das Geschäft vermasseln.
    Zynischer geht es nicht mehr.
    Jedes Krebsgeschwür zerstört früher oder später seinen Wirtsorganismus, es sei denn, man schneidet es heraus.

  4. mandelkern sagt:

    Nein, die Wirtschaften der Schuldenstaaten dürfen keinesfalls wachsen. Dann könnten ja höhere Steuereinnahmen und geringe Arbeitslosigkeit drohen! das würde die Notwendigkeit der Regierungen, sich weiter von den Schuldendealern ihren Stoff zu besorgen, reduzieren und Goldman das Geschäft vermasseln.
    Zynischer geht es nicht mehr.
    Jedes Krebsgeschwür zerstört früher oder später seinen Wirtsorganismus, es sei denn, man schneidet es heraus.

  5. mandelkern sagt:

    Nein, die Wirtschaften der Schuldenstaaten dürfen keinesfalls wachsen. Dann könnten ja höhere Steuereinnahmen und geringe Arbeitslosigkeit drohen! das würde die Notwendigkeit der Regierungen, sich weiter von den Schuldendealern ihren Stoff zu besorgen, reduzieren und Goldman das Geschäft vermasseln.
    Zynischer geht es nicht mehr.
    Jedes Krebsgeschwür zerstört früher oder später seinen Wirtsorganismus, es sei denn, man schneidet es heraus.