Irland: Der Mittelstand stirbt wegen Sparpaket

Fast ein Jahr nach dem Beginn des 85-Milliarden Euro Bailouts preist die EU die Entwicklung in Irland. De facto ist die Lage katastrophal: Arbeitslosigkeit, dramatische Kürzungen im öffentlichen Sektor sowie hohe persönliche Schulden zeigen das Bild eines sterbenden Mittelstands.

Nachdem Irland 2008 in die Krise rutschte und seine Wirtschaft 2009 drastisch um 7,6 Prozent geschrumpft war, ersuchte das kleine Land die EU und den IWF um Hilfe. Der erste Bailout für einen europäischen Staat wurde Wirklichkeit (es folgten Griechenland, Italien und Spanien – mehr dazu) Heute loben europäische Politiker das Paradebeispiel Irland, das für den Erfolg des Rettungspakets stehen soll. Nicolas Sarkozy sagte in gewohnt blumiger Sprache: „Irland war ein Land, das am Rande des Abgrunds stand, als uns die Krise 2008 traf. Heute ist Irland ein Land, das es beinahe aus unruhigen Gewässern geschafft hat, das beinahe aus der Krise rausgekommen ist.“

Doch Colm McCarthy, Dozent für Volkswirtschaftslehre der Universität Dublin, bestreitet die Nachhaltigkeit der Rettung Irlands. Trotz des prognostizierten BIP von 1,6 Prozent für 2012 und von 2,5 Prozent im Jahr 2013 ist er der Meinung, dass weitere Hilfen von Nöten seien, da der Großteil in die Rettung der Banken floss. „Hätte es eine zentralisierte Bankenaufsicht und rechtlich bindende Beschlüsse gegeben, wie in einer richtigen Währungsunion, dann hätten die Kosten zur Rettung der Banken geteilt werden können und Irland wäre gar nicht erst in einem Rettungsprogramm wie jetzt.“ In der Financial Times warnt er: „Jedes kleine Land, das dem Euro ohne zentralisierte Überwachung und rechtlich bindende Beschlüsse beitritt, ist verrückt.“

Wie meistens bei den Bailouts profitieren vor allem die Banken von den Hilfsgeldern. Betrachtet man nämlich den irischen Mittelstand, wird deutlich, dass das Hilfspaket nicht überall Wirkung gezeigt hat. Die Wirtschaft Irlands steht vor dem Abgrund, die Arbeitslosigkeit ist auf dem höchsten Stand seit 17 Jahren, wie die saisonbereinigten Zahlen vom Juni 2011 mit einer Quote von 14,8 Prozent belegen. Von den Riesensummen des Rettungspakets sieht der Mittelstand nichts, der Großteil des Geldes, bisher 70 Milliarden Euro, wanderte direkt in die Banken. So werden Investitionsvorhaben zur Unterstützung des Mittelstands einfach gestrichen, wie der Eigentümer eines Optikers Bill Dawson aus Ballymun, einem Vorort Dublins, berichtet: „Ich eröffnete hier, weil uns der Bau einer U-Bahn und eines Einkaufszentrums versprochen wurden. Jetzt wurden die Projekte nicht realisiert  – jetzt bleibt die Kundschaft aus, um mein Geschäft weiter zu erhalten.“ Neil O´Leary, Leiter des Treibstoff- und Heizölanbieters Topaz, trifft die fehlende Nachfrage ebenso: „In Irland schrumpft der Konsum, Leute verzichten selbst auf Artikel, die für sie mal unentbehrlich waren. Gerade bei Benzin, vor allem bleifreiem, sind die Zahlen rückläufig – das Autofahren ist schlichtweg zu teuer geworden.“

Wie in Ballymun kämpfen zehntausende Unternehmen des inländischen Marktes seit Beginn der Rezession um ihre Existenz (auch Hausbesitzer stehen wegen viel zu hoher Zinssätze kurz vor dem Aus – mehr dazu) Irland verzeichnete im September 2011 einen Umsatzrückgang von 0,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat, gab das irische Central Statistic Office (CSO) bekannt. Prognosen der irischen Zentralbank zufolge wird der private Konsum 2011 um 2,6 Prozent fallen und im nächsten Jahr erneut um 0,8 Prozent. Es scheint, als drossele der enorme Sparkurs die Erholung Irlands. Doch nach außen ist Irland besser aufgestellt: Die Exporte wuchsen 2011 in den ersten neun Monaten um 5,4 Prozent. Da nur multinationale Konzerne daran beteiligt waren, verspürte der Mittelstand davon jedoch nichts. Irlands älteste Maklerfirma Goodbody Stockbrokers spricht in diesem Zusammenhang von einem „Jekyll und Hyde“-Charakter der Wirtschaft. Auf der einen Seite ein lebhafter Exportsektor und auf der anderen Seite die sterbende heimische Wirtschaft. Dermont O´Leary, Ökonom bei Goodbody Stockbrokers, sagt für 2012 ein sinkendes Wirtschaftswachstum voraus. Aufgrund des Schuldenabbaus der Banken bekommen Unternehmer weniger Kredite und die sinkende inländische Nachfrage werde durch den Sparkurs der Regierung zusätzlich beschleunigt, so O´Leary.

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Kommentare

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  1. Murksel sagt:

    Bei diesem Artikel wird einem doch wieder einmal klar dass wir es mit einem Finanzfaschimus zu tun haben.
    Da werden über Rettungspakete , die vom europäischem Steuerzahler bezahlt (und damit mit Geld dass innerhalb der Realwirtschaft erwirtschaftet worden ist) die Banken bedient um die Derivat-Blasen zu finanzieren, die nichts , aber auch garnichts mit der Realwirtschaft zu tun haben. Das heisst das Geld aus der Realwirtschaft wird zu Gunsten der Finanzbranche und Inverstoren abgesogen. So wird wohl auf Dauer die Realwirtschaft austrocknen.
    Dies alles ist nur möglich weil die korrupten verbrecherischen Politiker als Handlanger der Finanzwelt und Bankster agieren.

  2. Murksel sagt:

    Bei diesem Artikel wird einem doch wieder einmal klar dass wir es mit einem Finanzfaschimus zu tun haben.
    Da werden über Rettungspakete , die vom europäischem Steuerzahler bezahlt (und damit mit Geld dass innerhalb der Realwirtschaft erwirtschaftet worden ist) die Banken bedient um die Derivat-Blasen zu finanzieren, die nichts , aber auch garnichts mit der Realwirtschaft zu tun haben. Das heisst das Geld aus der Realwirtschaft wird zu Gunsten der Finanzbranche und Inverstoren abgesogen. So wird wohl auf Dauer die Realwirtschaft austrocknen.
    Dies alles ist nur möglich weil die korrupten verbrecherischen Politiker als Handlanger der Finanzwelt und Bankster agieren.

  3. Murksel sagt:

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  4. Murksel sagt:

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    Dies alles ist nur möglich weil die korrupten verbrecherischen Politiker als Handlanger der Finanzwelt und Bankster agieren.

  5. Murksel sagt:

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    Da werden über Rettungspakete , die vom europäischem Steuerzahler bezahlt (und damit mit Geld dass innerhalb der Realwirtschaft erwirtschaftet worden ist) die Banken bedient um die Derivat-Blasen zu finanzieren, die nichts , aber auch garnichts mit der Realwirtschaft zu tun haben. Das heisst das Geld aus der Realwirtschaft wird zu Gunsten der Finanzbranche und Inverstoren abgesogen. So wird wohl auf Dauer die Realwirtschaft austrocknen.
    Dies alles ist nur möglich weil die korrupten verbrecherischen Politiker als Handlanger der Finanzwelt und Bankster agieren.