Hypo Real Estate: Druck auf PricewaterhouseCoopers wächst

Nicht alle freuen sich über den „Fund“ von 55,5 Milliarden Euro bei der HRE. Die Wirtschaftsprüferkammer hat eine Untersuchung gegen PwC, den Wirtschaftsprüfer der FMS Wertmanagement, eingeleitet. Innerhalb der Zunft wächst der Unmut über das wiederholte Versagen eines Big Four Unternehmens. Die EU-Kommission will deren Oligopol aufbrechen.

Die Wirtschaftsprüferkammer (WPK) hat sich des Falls FMS Wertmanagement angenommen. Bei der Bad Bank der HRE wurde ein Buchungsfehler in Höhe von 55,5 Milliarden Euro bekannt. Die Kammer teilte mit, dass sie „ein berufsrechtliches Verfahren eingeleitet“ habe, „das die Hintergründe aufarbeiten und untersuchen wird, ob die Abschlussprüfer ihren Pflichten nachgekommen sind“. Sollte ein Fehlverhalten beim zuständigen Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers (PwC) festgestellt werden, „kann dies zu berufsrechtlichen Maßnahmen führen“.

Das plötzliche Auftauchen von zusätzlichen 55,5 Milliarden Euro bei der FSM Wertmanagement, der Bad Bank der mittlerweile verstaatlichten Hypo Real Estate, hatte vor einigen Wochen für Aufsehen gesorgt. Finanzminister Wolfgang Schäuble bezeichnete den Fall als Kommunikations-Panne und schloss weitere Konsequenzen aus (mehr hier).

Nun aber ist ein Bericht der Bundesbank an die Öffentlichkeit gelangt. Die Wirtschaftsprüfer von PwC hätten bereits im Frühjahr 2011 erkennen „können“, dass die Bilanz der FMS Wertmanagement um einige Milliarden Euro „aufgebläht“ war, heißt es in dem Bericht der Deutschen Bundesbank. Der Deutschen Bundesbank zufolge hätten die Prüfer den Fehler bemerken können, wenn sie den Marktwert der Derivate „mit den kumulierten Forderungen und Verbindlichkeiten“ abgeglichen hätten.

Die Wirtschaftsprüfung (WP) bei großen Banken ist seit einiger Zeit auch ein politisches Thema: Die EU-Kommission untersucht, inwieweit es ein Oligopol der vier großen WP-Gesellschaften (Big Four) gibt und ob dieses Oligopol systemrelevante Gefahren birgt. Ein von Kommissar Michel Barnier vorgelegter erster Entwurf zum sogenannten „Grünbuch“ sieht eine weitgehende Neuordnung des WP-Markts vor. So sollen unter anderem sogenannte „Joint Audits“ eingeführt werden. Das heißt: Unternehmen von bestimmter Größe und Bedeutung müssen von zwei Prüfern geprüft werden. Unternehmen sollen Prüfer öfter wechseln, damit es zu keinen bequemen Abhängigkeiten kommt (mehr hier).

Auch in der Wirtschaftsprüfer-Zunft selbst gibt es gravierende Umbrüche. Vor allem die mittelständischen Wirtschaftsprüfer wollen sich nicht länger von den Big Four gängeln lassen. So kam es im Juli 2011 bei den Wahlen zum Beirat der WPK zu einem noch nie dagewesenen Umsturz. Der unabhängige „Verband für die mittelständische Wirtschaftsprüfung“ schaffte einen derart großen Wahlerfolg, dass alle Vertreter der Big Four aus dem Beirat abgewählt wurden. Die neuen Vertreter in der Kammer wollen den ramponierten Ruf der Wirtschaftsprüfer wiederherstellen.

In den vergangenen Jahren gab es kaum einen Vorfall bei Banken, bei dem nicht auch die Big Four betroffen waren. Bei der SachsenLB war die Prüfungsgesellschaft PwC bereits ins Zwielicht geraten, weil das Desaster der Bank stets von makellosen Testaten der WPs begleitet war. In den USA gab es erst kürzlich Klagen gegen Deloitte (mehr hier); Ernst & Young ist wegen der mangelnden Klarsicht vor der Lehman-Pleite ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, auch beim Desaster bei der österreichischen Erste Group hatte das Unternehmen versagt (mehr hier).

Ob die mittelständischen Prüfer nun auch in das bisher ausschließlich von den Big Four dominierte Feld der Banken-Prüfung eindringen können, ist jedoch eine andere Frage. Denn die Prüfung von Banken ist ein besonders komplexes Feld. Bei großen Finanzinstituten wie der HRE können Teams von bis zu 100 Personen mit unterschiedlichen Verantwortungsbereichen wie der Prüfung des Handelsgeschäfts, der Kreditprüfung oder dem Konzern- und Einzelabschluss über ein Jahr beschäftigt sein. Innerhalb dieses Jahres werden zusätzlich Zwischenberichte veröffentlicht. Die Wirtschaftsprüfer erörtern in der Regel zunächst mit dem Vorstand des jeweiligen Unternehmens und den Verantwortlichen des Rechnungswesens das Prüfungsvorgehen und die Prüfungsschwerpunkte.

Hierbei geht es beispielsweise um die Chancen und Risiken des Unternehmens, die künftige Entwicklung und die Einschätzung der Lage aus Sicht des Unternehmens. So muss das Unternehmen Auskunft über die Steuerung und Kontrolle des Unternehmens geben und darlegen, wie gewährleistet werden kann, dass ein potentielles Risiko frühzeitig erkannt und beseitigt wird. Voraussetzung für eine wirkungsvolle Prüfung dieser Angaben freilich ist, dass der WP das Geschäft wenigstens ansatzweise versteht. Spezielle Finanzinstitute, wie im Falle der HRE die Bad Bank FMS Wertmanagement, erhöhen die Anforderungen an die Wirtschaftsprüfer.

Die „Komplexität der Prüfertätigkeit“ steigt „naturgemäß mit der ansteigenden Komplexität der Unternehmenslandschaft“, sagt Klaus-Peter Feld, Mitglied des geschäftsführenden Vorstands des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Deutschland (IDW). „Gibt es dann noch zu viele Änderungen in den rechtlichen Grundlagen für die Erstellung einer Bilanz, ändern sich also die Regelungswerke zu oft bzw. sehr umfänglich, wird die Komplexität noch verstärkt.“

Martin Wambach, Geschäftsführender Partner der Nürnberger Beratungs- und Prüfungsgesellschaft Rödl & Partner sieht die Komplexität in der Arbeit der Wirtschaftsprüfer vor allem in der Bewertung von so genannten „Geschäftsvorfällen“. Hierbei geht es um die Beurteilung, ob bestimmte betriebliche Vorfälle bilanzierungspflichtige Sachverhalte sind und falls ja, inwiefern und in welchem Umfang diese im Jahresabschluss erfasst werden müssen. Wambach: „Die Herausforderung hier ist, den Überblick zu behalten, das heißt die Geschäftsprozesse so zu strukturieren, dass man den Überblick behält oder anders herum, nichts verborgen werden kann.“

Möglicherweise müssen aber kritische Fragen noch verschärft gestellt werden. Einer der Vorwürfe gegen die Big Four der WP-Industrie lautet, dass die Methode, eine Prüfung einfach anhand von Checklisten quasi automatisiert durchzuführen, besonders anfällig für das Übersehen von systemischen Fällen ist. Den WPs könnte es hier helfen, auf den Anspruch der scheinbaren Allwissenheit zu verzichten. Wambach: „Wir müssen auch mal den Mut haben zu erkennen, dass die Berichterstattung möglichweise an Grenzen der Beurteilung aller möglichen Auswirkungen von komplexen Finanzprodukten stößt.“

Ein Aspekt des auffällig häufigen Versagens der WPs bei der Bankenprüfung ist mit Sicherheit auch die Tatsache, dass die Banken als Weltmeister mit einer starken Kultur der Verklausulierung den WP oft in die Enge treiben. Viele der komplizierten Geschäfts- und Bilanzierungsprozesse können die WPs dann ihren Sharholdern oder Aufsichtsbehörden kaum verständlich erklären. Wambach sieht darin vor allem bei den „zunehmend komplexen Finanzprodukten“ eine der Kernanforderungen an die verantwortete Wirtschaftsprüfung: „Risiken müssen verständlich und deutlich dargestellt werden; nicht fachchinesische Quantität, sondern adressatengerechte Qualität sollte die Richtschnur für Wirtschaftsprüfer sein.“

Ob Vorfälle wie jener bei der HRE dazu führen, dass es die schon lange geforderten Reformen im WP-Bereich tatsächlich geben wird, wird sich schon bald auf EU-Ebene zeigen. Das Grünbuch von Michel Barnier ist ein ungewohnt weitgehender Vorschlag, der nun auf Ebene des EU-Parlaments diskutiert wird. In Brüssel hat dies vor allem zu hektischen Aktivitäten der Lobbyisten der Big Four geführt. Ihr Ziel: Die Abgeordneten davon zu überzeugen, dass alles am besten ist, wenn sich nichts ändert.

Der neue Präsident der WPK, Michael Gschrei, warnt: „Die EU-Abgeordneten und auch die deutsche Regierung fangen an zu schwächeln. Der EU-Rechtsausschuss will nur einige ,verrostete Schrauben‘ auswechseln, mehr nicht.“ Doch angesichts der sich verschärfenden Bankenkrise ist nicht auszuschließen, dass die Parlamentarier in der WP-Gesetzgebung eine härtere Gangart gegen das von allen als problematisch erkannte Oligopol der Big Four einschlagen könnten.

Kommentare

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  1. schlaumeister sagt:

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    der Angelegenheit ist imaginär. Wenn diese Menschen 0 auf ihrem Konto vorfinden würden, weil Geld zu 0 wurde, würden sie aufwachen aus ihrem Wahn und merken,
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