Österreichs Banken: Die großen Gefahren lauern auf dem Balkan

Die europäischen Banken ergreifen die Flucht aus Osteuropa. Für die ohnehin schon wankenden österreichischen Banken droht jedoch eine noch viel größere Gefahr: Sie sind risikoreich auf dem Balkan engagiert. Dort scheint sich die Krise nun ebenfalls auszubreiten.

In Ungarn ist die Krise bereits voll ausgebrochen. Bereits vorsorglich hatte das Land vor ein paar Tagen bei dem IWf und der Europäischen Union um Finanzhilfen gebeten. Nun stufte die Ratingagentur Moody’s die Kreditwürdigkeit auf Ba1 herab, auf Ramsch-Niveau. Grund für die Herabstufung sei die starke Abhängigkeit des Landes von ausländischen Geldgebern, die schlechten Konjunkturaussichten und die immensen Schulden, die schwer zu refinanzieren seien gewesen. Die Regierung in Budapest nannte die Entscheidung der Ratingagentur „spekulative Angriffe gegen Ungarn“. Dieses Downgrade trifft jedoch nicht nur die Finanzierungsfähigkeit des Landes, sondern auch die Ungarn direkt. 4,8 Billionen Forint (1000 Forint entsprechen ungefähr 3,17 Euro) halten die Ungarn in Hypothekenkrediten in ausländischen Währungen, fast 17 Prozent des BIP. Die Rückzahlung dieser wird immens schwierig werden.

„Ungarn ist ein Warnsignal“, sagt Neil Shearing von Capital Economics. „Wir befürchten, dass es nun auf die Ukraine und den Balkan überschlägt“, fährt er fort. Das Problem: Osteuropa ist extrem abhängig von der EU, sowohl in hinsichtlich ihres Finanzsystems als auch wirtschaftlich. Europäische Kreditgeber stützen mit ihren Niederlassungen das Bankensystem Osteuropas zu 80 Prozent. In dem Moment, wo die europäischen Banken beginnen, dort ihre Kreditbücher zu reduzieren, wird es zu einer Kreditklemme in dieser Region kommen. Einer Studie der Deutschen Bank zufolge werden ausländische Kreditinstitute ihre Kredite in den nächsten 18 Monaten um zwei Billionen Euro reduzieren, um die erforderliche Eigenkapitalquote von neun Prozent zu erreichen.

In Österreich beispielsweise haben die Erste Bank, Raiffeisen Bank International und UniCredit Austria bereits damit begonnen. Österreich hält Bestände von 270 Milliarden Dollar in dieser Region. Österreichs Banken decken etwa in Kroatien 40 Prozent der Kredite, in Rumänien 30 Prozent und in Ungarn 25 Prozent. Aber auch das von der Krise gebeutelte Griechenland und Italien spielen für ein Übergreifen der Krise auf Osteuropa eine wichtige Rolle. In Bulgarien machen die griechischen und italienischen Banken beispielsweise 60 Prozent der Kredite aus. Die direkte Nachbarschaft zu diesen beiden Ländern in der Peripherie der Eurozone stellt in diesen turbulenten Zeiten eine extreme Gefahr für die Balkanstaaten dar.

Der Handel mit der EU ist für den Export Osteuropas der bedeutendste Motor. Von den gesamten Exporten Serbiens, Bosniens, Mazedoniens, Montenegros, des Kosovos und Albaniens gingen 2010 58,2 Prozent in die EU und dort größtenteils nach Italien und Deutschland. Der Präsident der Serbischen Zentralbank, Dejan Soskic, sagte, dass sein Land „bereits von der Krise betroffen sei“, die ökonomische Aktivität habe abgenommen und die Erwartungen für das Wirtschaftswachstum lägen nur mehr bei 1,5 Prozent. Für Serbien ist Italien der Hauptexportmarkt. Industriegefertigte Produkte, Früchte und Holz sind hier die wichtigsten Exportgüter. Zudem spielen italienische Importe eine große Rolle und Fiat und Benetton sind wichtige Investoren für das Land.

Aber auch Albanien und der Kosovo spüren die Auswirkungen der Euro-Krise. Der Handel mit Griechenland ist in Albanien signifikant zurückgegangen und die Geldübersendungen, die albanische Arbeiter in Griechenland an ihre Familien in Albanien überweisen, sind in diesem Jahr in den ersten sechs Monaten um 11 Prozent gesunken. Ähnlich verhält es sich im Kosovo. Hier sindzwei Millionen Kosovo-Albaner von der Unterstützung ihrer im Ausland arbeitenden Verwandten abhängig. Die Arbeitslosigkeit liegt in diesem Land bei über 40 Prozent.
Die Herabstufung Ungarns ist für viele Länder in Osteuropa eine Mahnung. Die Beurteilung der Ratingagentur trifft auch auf sie zu und die befürchtete Kreditklemme in Europa droht bereits zu einer Kreditklemme in den Balkanstaaten zu führen. Der abnehmende Handel mit EU-Ländern wird eine Beschleunigung der Krise bringen, wie die osteuropäischen Staaten zu Recht fürchten.

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Kommentare

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  1. Thorsten Eckau sagt:

    Dann hätte ich auch noch einen Vertipper, oder ich verstehe einfach nicht den Hintergrund:

    „…und die Geldübersendungen an Albaner, die in Griechenland arbeiten, sind in diesem Jahr in den ersten sechs Monaten um 11 Prozent gesunken.“

    Ist das wirklich so gemeint? Müssen die reichen Albaner im Heimatland ihren in Griechenland putzenden Familienmitgliedern zusätzlich zur Auslandsarbeit noch Taschengeld überweisen? Oder genauer: Nun 11% weniger, weil man in Griechenland nun so gut bezahlt wird?

    Ist das ein Dreher, oder verstehe ich hier irgendwas total falsch?

  2. Thorsten Eckau sagt:

    Dann hätte ich auch noch einen Vertipper, oder ich verstehe einfach nicht den Hintergrund:

    „…und die Geldübersendungen an Albaner, die in Griechenland arbeiten, sind in diesem Jahr in den ersten sechs Monaten um 11 Prozent gesunken.“

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  3. Thorsten Eckau sagt:

    Dann hätte ich auch noch einen Vertipper, oder ich verstehe einfach nicht den Hintergrund:

    „…und die Geldübersendungen an Albaner, die in Griechenland arbeiten, sind in diesem Jahr in den ersten sechs Monaten um 11 Prozent gesunken.“

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  4. Thorsten Eckau sagt:

    Dann hätte ich auch noch einen Vertipper, oder ich verstehe einfach nicht den Hintergrund:

    „…und die Geldübersendungen an Albaner, die in Griechenland arbeiten, sind in diesem Jahr in den ersten sechs Monaten um 11 Prozent gesunken.“

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  5. Thorsten Eckau sagt:

    Dann hätte ich auch noch einen Vertipper, oder ich verstehe einfach nicht den Hintergrund:

    „…und die Geldübersendungen an Albaner, die in Griechenland arbeiten, sind in diesem Jahr in den ersten sechs Monaten um 11 Prozent gesunken.“

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  6. MéK sagt:

    2. Absatz:
    „ihre Kreditbücher dort ihre Kreditbücher zu reduzieren“

    Ist ne wirklich gute Seite hier, aber doch bitte einfach die Artikel 1-2x in Ruhe nochmal durchlesen.

  7. MéK sagt:

    2. Absatz:
    „ihre Kreditbücher dort ihre Kreditbücher zu reduzieren“

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    „ihre Kreditbücher dort ihre Kreditbücher zu reduzieren“

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    „ihre Kreditbücher dort ihre Kreditbücher zu reduzieren“

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  10. MéK sagt:

    2. Absatz:
    „ihre Kreditbücher dort ihre Kreditbücher zu reduzieren“

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