Gold-Experte erwartet Wiedereinführung des Goldstandards

Der Geschäftsführer des Edelmetallhändlers pro aurum, Robert Hartmann, sieht eine Wiedereinführung des Goldstandards als einen möglichen Weg aus der Krise. An ein Goldkartell glaubt er nicht – dafür aber an ein Versteckspiel bei den deutschen Goldreserven.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Wäre es heute überhaupt noch möglich, eine Währung an einen Goldstandard zu koppeln?

Robert Hartmann: Nichts ist unmöglich. Irgendwann wird es ein neues Regelwerk geben und eine neue Wertestruktur. Bis dahin wäre es als Übergang und zur Beruhigung der Bürger möglich, einen Teil der Währung mit Gold gedeckt zu haben. Die Schweizer hatten in der Vergangenheit so ein System, in dem 25% der Währung mit Gold gedeckt sein mussten. Somit muss Gold angeschafft werden, wenn die Wirtschaft wächst. Wenn dann wieder Vertrauen da ist, kann es wieder gelockert werden. Glaubhaft ist das aber nur, wenn das Gold auch physisch hinterlegt ist.

Letztendlich wurde der Goldstandard aber abgeschafft, um der Politik die Möglichkeit zu geben, auch in schlechten Zeiten Schulden zu machen. Womit soll der Staat in der Krise Straßen reparieren und Schwimmbäder bauen? Das ist mit einem Goldstandard in schlechten Zeiten nicht möglich.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Der Goldpreis ist noch nicht explodiert, wie von vielen erwartet. Sind die Menschen noch optimistisch? Sichern sie sich alternativ ab? Oder ist ein möglicher Crash schon eingepreist?

Robert Hartmann: Neben Schnaps und Zigaretten funktionieren in schlechten Zeiten nur Gold und Silber. Der Goldpreis wird aber nicht vom physischen Markt bestimmt. Der Kassamarkt in London und der Futuresmarkt in New York City haben viel mehr Einfluss. In London wird am Spotmarkt täglich eine Welt-Jahresförderung in der Höhe von rund 2.500 Tonnen gedreht. 95% davon sind spekulativ.

Die Leute setzen aber nicht nur auf Gold. Sie brauchen liquide Mittel, um Verluste aus anderen Positionen wie Aktien zu decken. Das beeinflusst den Goldpreis viel mehr als zum Beispiel die Liefersituation am physischen Goldmarkt. Wir sind jedenfalls weder in einer Goldblase noch kurz vor einem Crash. Die Menschen schichten einfach immer mehr um.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Wie wird sich Ihrer Meinung nach der Goldpreis entwickeln?

Robert Hartmann: Wir rechnen nur in Nominalen, also in Edelmetallen. Unser Szenario geht von einer Geldmengenausweitung aus und in der Folge von Inflation. 3.000 US-Dollar könnten also in ein paar Jahren derselben Kaufkraft entsprechen wie heute 1.700 US-Dollar. Momentan werten alle Währungen gegenüber Edelmetallen ab. Die Politik und die Zentralbanken ziehen jetzt immer wieder Asse aus dem Ärmel. Es kann noch 2, 3 oder 4 Jahre dauern, bis wir eine nachhaltige Lösung haben.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Haben die Zentralbanken ein Interesse, den Goldpreis niedrig zu halten?

Robert Hartmann: Ich habe noch nie jemanden getroffen, der das bestätigen konnte. In den Zentralbanken schlagen ja eigentlich zwei Herzen: Die haben einerseits 32.000 Tonnen Gold im Tresor und können mit einem steigenden Goldpreis auch mehr Reserven vorweisen. Die Zentralbanken könnten auch aktiv auf den Goldpreis Einfluss nehmen, sie tun es aber nicht. Seit 2005 dürfen Zentralbanken jedes Jahr 500 Tonnen Gold verkaufen. Im vergangenen Quartal wurde aber eher zugekauft als verkauft. Die Nachfrage nach Gold ist derzeit so gewaltig, dass die Zentralbanken befürchten, dass wenn sie ihr Gold anbieten, dies nur sehr kurzfristige Effekte hätte. Es gibt genügend Player, die das Gold sofort absorbieren würden.

Andererseits ist Gold aber auch ein Gradmesser für Vertrauen in Politik und Führung. Je höher der Goldpreis steigt, desto mehr Leute denken sich, dass die Politik nicht mehr in der Lage ist, die Krise zu bewältigen. Deshalb hat die Politik auch ein Interesse daran, dass der Goldpreis nicht zu sehr nach oben ausbricht.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Deutschland hat einen großen Teil seiner Goldreserven in den USA liegen. Kann es passieren, dass Deutschland in einem Worst-Case nicht an das eigene Gold kommt?

Robert Hartmann: Ich habe hierzu keine Fakten und bekomme diese auch nicht. Nicht einmal Bundestagsabgeordneten wird verraten, um wie viel Gold es sich handelt und wo das deutsche Gold genau liegt. Es ist nur bekannt, dass ein Teil in Frankfurt und ein Teil in den USA lagert. Die Bundesbank sieht sich als Wächter des Grals – des Volksvermögens – und trennt das klar von der Politik. Interessant wäre es hier auch zu wissen, wie viel von diesem Gold eigentlich von der deutschen Bundesbank an andere Zentralbanken verliehen wurde. Auch dazu gibt es keine offiziellen Zahlen. Wir wissen nicht, wie viel des weltweiten Zentralbanken-Goldes in Form von Goldleihen ausgegeben wurden.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Warum entwickelt sich Silber derzeit deutlich negativer als Gold?

Robert Hartmann: Gold ist der DAX, Silber der Neue Markt. Silber bringt größere Chancen, aber auch größere Risiken. Silber wird mehr in der Industrie verbraucht als Gold und ist somit rezessionsanfälliger. Es ist wie Gold auch ein monetäres Metall und es kann weltweit konvertiert werden. Unter dem Strich gesehen hat Silber über einen längeren Zeitraum gesehen Gold geschlagen. Wir gehen davon aus, dass sich die Gold-Silber-Ratio weiter verringert. Sprich: Der Kursverlauf wird sich für Silber gut entwickeln.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Und der Goldkauf bringt die wenigsten Risiken mit sich?

Robert Hartmann: Jede Währung hat ihre Risiken. Gold ist eine Anlageklasse und es ist basisch als Währung zu sehen. Jeder, der etwas anderes behauptet, sagt nicht die Wahrheit. Wie wir gesehen haben, kann auch der Goldpreis innerhalb von Tagen um 15% bis 20% korrigieren. Wenn ich gar kein Risiko haben möchte, dann muss ich Tagesgeld bei großen Banken kaufen. Doch auch hier frisst die negative Realverzinsung mein Kapital langsam aber sicher auf. Gold und Silber sind akzeptierte monetäre Währungen, die in Extremfällen immer als Tauschmittel funktioniert haben. Gold und Silber sind mobil und weltweit konvertierbar, wohingegen ich Sachwerte nicht einfach mitnehmen kann.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Wer ist heute der typische Goldkäufer?

Robert Hartmann: Heute kauft nicht mehr nur der gut situierte Bankdirektor Gold. Wir sehen eine wesentlich größere Bandbreite – von Studenten bis zum Rentner und alles dazwischen. Das sind Leute, die auch nicht die großen Anlagebeträge haben und die nur 10.000 bis 20.000 Euro in Edelmetalle umschichten wollen. Dieser Trend ist bedingt durch drei Wellen: Die Lehman-Pleite, Griechenland und nun Italien, Portugal und das Downgrading der USA.

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