Großbritannien: Cameron will seine Mitarbeiter als Streikbrecher einsetzen

Großbritannien steht vor einem Jahrhundert-Streik. Die Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes wollen einen Tag lang ihre Arbeit niederlegen, um gegen die geplante Rentenreform zu protestieren. David Cameron will seine eigenen Mitarbeiter als Streikbrecher für die Grenzkontrollen einsetzen.

Bis zu zwölf Stunden Wartezeit an den britischen Flughäfen, zwei Drittel der Schulen geschlossen, keine Müllabfuhr und tausende, abgesagte Operationen und Behandlungstermine, das ist die erwartete Bilanz des wohl größten Streiks in Großbritannien seit mehr als 85 Jahren. Lehrer, Bauarbeiter, Angestellte der Müllabfuhr, über 400.000 Krankenschwestern, Physiotherapeuten, Sanitäter und medizinisches Betreuungspersonal werden am Mittwoch an den großen Protesten in Großbritannien teilnehmen. Die Gewerkschaften rechnen mit 2,5 Millionen Streikenden.

Die Gewerkschaften der Angestellten im Öffentlichen Dienst, haben zu dieser Aktion aufgerufen, um gegen die geplanten Änderungen im Pensionssystem im Öffentlichen Dienst zu kämpfen. Bei den letzten Auseinandersetzungen zwischen der britischen Regierung und den Gewerkschaften ging es um Heraufsetzung des Renteneintrittsalters und höhere Zuschüsse zu den Pensionen durch die Angestellten. Zudem soll sich die Rente zukünftig nicht mehr nach der Höhe des letzten Gehalts, sondern nach dem durchschnittlichen Gehalt in der Karriere des Angestellten richten.

Die Minister sagten, sie hätten keine andere Wahl, als das Rentensystem zu reformieren, da die Menschen heutzutage länger lebten und die Lücke zwischen Ein- und Auszahlungen stetig wachse.
Zwar sollen bestimmtes Angestellte des öffentlichen Dienstes, wie auch die Mitarbeiter im Büro des Premierministers David Cameron, und andere Auftragsfirmen eingesetzt werden, um an den britischen Grenzen die streikenden Arbeiter im öffentlichen Dienst zu ersetzen, aber das wird nicht reichen.

Der Minister für Kabinettsangelegenheiten, Francis Maude, sagte, diese Arbeitsniederlegung, die der britischen Regierung zufolge die nationale Wirtschaft 500 Millionen Pfund kosten könnte, sei „dumm und falsch“. Francis Maude betonte auch, dass weniger als die Hälfte der Mitglieder dieser Gewerkschaften, tatsächlich für diesen Streik gestimmt hätten. Und diese ganze Aktion seiner Meinung nach vor allem der Reputation der Gewerkschaften schaden werde.

Unterdessen drängt Danny Alexander, Staatssekretär des britischen Finanzministers, die Gewerkschaften dazu, den Vorschlag der Regierung zu akzeptieren, der immerhin Zugeständnisse für weniger gut Verdienende und diejenigen, die sich innerhalb der nächsten zehn Jahre zur Ruhe setzen, beinhalte. „Ich behalte mir das Recht vor, diese Verbesserungen vom Tisch zu nehmen, wenn keine Übereinkunft gefunden wird“, sagte er. Doch die Fronten sind verhärtet. „Nur ein Durchbruch bei den Verhandlungen in der letzten Sekunde kann den Streik noch stoppen“, sagt Brian Strutton, Nationalsekretär der GMB Arbeitergewerkschaft, „aber das wird nicht passieren, weil wir uns ja noch nicht einmal treffen.“

Zuletzt kam es in Großbritannien zu Arbeitsniederlegungen in diesem Ausmaß 1979, als Zehntausende wegen Streitigkeiten bezüglich der Bezahlung in den Streik traten. Der neue, angekündigte Streik könnte jedoch sogar den Generalstreik von 1926 toppen, als 1,75 Millionen Briten nicht ihrer Arbeit wie gewohnt nachgingen.

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