Ressourceneffizienz und Green Economy werden überlebenswichtig

Die Bevölkerungsexplosion treibt den weltweit wachsenden Bedarf an Wasser, Energie und Ernährung. Die Ressourcen schwindenden hingegen. Die Internationale Nexus Konferenz in Bonn soll für einen grundsätzlich neuen Denk- und Handlungsansatz beim Nachhaltigkeitsgipfel Rio+20 sorgen.

„Die Klimaexperten reden nicht mit den Wasserexperten, die nicht mit den Energieexperten reden, die nicht mit den Ernährungsexperten reden,“ erläutert Brice Lalonde, Organisator der UN Konferenz für Nachhaltige Entwicklung – auch als Rio+20 bekannt – den Hintergrund, warum sich in dieser Woche rund 700 Experten aus aller Welt für drei Tage in Bonn zusammen setzen, um über den Wasser, Energie, und Ernährungs-Nexus zu sprechen.

Was hier beschlossen wird, soll sowohl als Vorbereitung für den Klimagipfel im südafrikanischen Durban Ende des Monats, als auch für Rio+20 im Juni nächsten Jahres dienen – und zwar als verknüpfte, ganzheitliche Zielsetzung.

Zentrales Thema ist dabei die Interdependenz der Bereiche Wasser, Energie und Ernährung, die sonst in jeweils eigenen Gipfeln und Veranstaltungen abgehalten werden: Von den sieben Milliarden Menschen auf der Welt haben fast zwei Milliarden keinen Zugang zu Energie. Rund drei Millionen sterben jährlich an verseuchtem Wasser. Rund 3,5 Milliarden haben keinen Zugang zu gesicherter Abwasserreinigung und Toiletten. 40% der Lebensmittel verderben oder werden weggeworfen. Gleichzeitig, so die Organisatoren aus Bundesumwelt- und Entwicklungshilfeministerium, hat eine Entscheidung zur Lösung des einen Problems unweigerlich Auswirkungen auf die anderen Probleme – von der Verwendung von Ressourcen über die Finanzierung bis hin zu Sicherheitsfragen. Daher könnten keine einsamen Entscheidungen mehr in einem Sektor allein getroffen werden.

Für die entsprechende Roadmap, die jetzt vorbereitet und in Rio beschlossen werden solle, müsse Europa mit seinen entwickelten Volkswirtschaften als gutes Beispiel voran gehen, erklärte Umweltminister Norbert Röttgen. Jede Regierung müsse dann Hilfe und Beratung von der UN bekommen. Allerdings verfügten die Vereinten Nationen weder über die nötigen Governance-Strukturen noch seien die bestehenden Organisationen finanziell und organisatorisch dafür gerüstet. „Wir brauchen eine grundlegende Reform der UN-Governance“, sagte Röttgen. „Und wir brauchen eine UN-Organisation für Nachhaltige Entwicklung.“

Aktuell befassen sich zum Beispiel allein 28 UN-Organisationen mit dem Thema Wasser. Immerhin hätten sie es geschafft, sich auf ein gemeinsames Vorgehen für die Rio+20 Konferenz zu einigen, lobte der Moderator des UN Wasser-Workshops. Anschließend machte er rund 70 Wasserexperten, 9 Ernährungsexperten und nur einen Energieexperten unter den Teilnehmern aus.

„Das wird sich im Laufe der Konferenz hoffentlich ändern“, sagte Rio+20 Organisator Lalonde. Schließlich ginge es langfristig darum, den Nexus – die Verknüpfung – zwischen Wasser, Energie und Ernährung politisch und operativ in jeder Organisation und Regierung, in jedem Unternehmen und in der Zivilgesellschaft zu etablieren. „Die Frage ist, ob wir auch das große Ganze sehen und dann etwas besser machen können“, sagte Lalonde. „Wir müssen uns austauschen und einen gemeinsamen, nachhaltigen Weg einschlagen, der unsere wechselseitigen Abhängigkeiten mit einbezieht.“

Der Umweltminister betonte, Nachhaltigkeit sei ein Gerechtigkeitspostulat und könne nur durch eine grundlegende Transformation hin zur Green Economy realisiert werden. Dies erfordere eine nachhaltige globale Ordnung und Regeln für einen marktwirtschaftlichen Wettbewerb. „Darum wird es in Rio gehen, und diese Konferenz ist die wichtigste konzeptionelle Konferenz als Vorlauf für Rio“, erklärte Röttgen.

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