Spanien: Architekten suchen sich Zweit-Jobs

Freiberufler haben in der Krise die schlechtesten Karten. Die Prioritäten der Käufer liegen bei lebensnotwenigen Artikeln. In Spanien spüren nun die Architekten die dramatischen Auswirkungen. Wegen fehlender Aufträge suchen sie sich Möglichkeiten von Zusatzverdiensten.

Geldnot ist für spanische Architekten eigentlich nichts Neues. „In den letzten 10 Jahren  haben wir immer unter der Tarifnorm von 21.000 Euro im Jahr verdient“, berichtete David Lorente, einer der Partner des Architektenbüros Sabadell H Arquitectes, der Zeitung El País. Doch mit der Krise spitzten sich die Bedingungen zu. Wie den Architekten an den Sabadell H Arquitectes Studios geht es derzeit vielen. Sie bekommen Aufträge, sind seit Jahren anerkannt, aber es fehlt einfach an den nötigen Mitteln. So kommt es nicht selten vor, dass zugesagte Kredite der Banken angesichts der Krise kurzerhand halbiert werden. Für die Architekten bedeutet das: härter arbeiten, Projekte neu skizzieren und den geschrumpften Budgets anpassen.

Hinzu kommt, dass sich der Beruf in Spanien seit ein paar Jahren großer Beliebtheit erfreut. Der Konkurrenzdruck ist hoch, somit bleibt für viele nur ein Weg, um nicht selbst in die Schuldenfalle zu tappen: Umorientierung. María González und Juanjo López de la Cruz, Partner des Studios Sol89, machen daher alles selbst: Budgets berechnen, Messungen vornehmen, Rechnungen stellen und sogar putzen. Darüber hinaus suchen sie sich Möglichkeiten für Zusatzverdienste. Sie hatten Glück und fanden akademische Tätigkeiten. Nun unterrichten sie an einer Schule in Sevilla.

Immerhin, sie haben einen Trost – und der ist nicht wirtschaftlicher, sondern ästhetischer Art:  „Es gibt zahlreiche Beispiele für hochwertige Architektur, die in Zeiten großer Not produziert wurde“, erklärt Architektin Angela Garcia de Paredes der Zeitung El País. Sie ist der Ansicht, Architektur sei immer ein Zeichen für sozialen Wandel gewesen, die die Veränderungen in der Gesellschaft widerspiegelt. Dies sei auch in der Schuldenkrise der Fall.

Vielleicht ist es ja wirklich einer der wenigen positiven Faktoren der Krise: Dass uns in Zukunft die protzigen Banken-Paläste und geschmacklosen Einkaufs-Malls erspart bleiben, die mittlerweile die Stadt- und Dorfbilder von Helsinki bis Bari zerstören.

Mehr zum Thema:

Spanien: Gnadenlos bei Hypotheken-Schulden 

Drastisch schwindende Sparguthaben bei Spaniern und Griechen 

Rentenkürzungen in Griechenland

 

 

Kommentare

Dieser Artikel hat 2 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Sitting-Bull sagt:

    Schöne Architektur gab es vor allem im frühen Mittelalter, aus zwei Gründen: Fließgeld und Silberimporte aus Asien, später auch Übersee.

    Mit Schuldgeld geht regelmäßig auch die Architektur in die Grütze, ist auch logisch, wenn man nur noch auf Kosten achten muss und alle pleite sind…

  2. schlaumeister sagt:

    Sie haben die ganzen schönen Küsten Spaniens verschandelt und zubetoniert,
    Investoren, Anleger, Banker, Architekten und Spekulanten. Der Schuß ging
    nach hinten los. Die Preise purzeln, die Landschaft ist zerstört, zum Schluß
    will dort fast niemand mehr hinziehen.