Schweiz: Akute Rezessions-Gefahr

Die Schweizer Wirtschaft rutscht tiefer in die Krise. Die Wirtschaft wird die Turbulenzen in der Eurozone massiv zu spüren bekommen. Die Regierung will Negativzinsen gegen die Frankenstärke einsetzen.

Die Schweizer Wirtschaft wuchs im dritten Quartal so langsam wie schon seit zwei Jahren nicht mehr. Das KOF Konjunkturbarometer fiel im November auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren. Grund für die äußerst schlechte Entwicklung ist nach wie vor die Steigerung des Frankenkurses gegenüber dem Euro von sieben Prozent über das vergangenen Jahr. Das Problem der Frankenstärke wird nun noch durch weitere Entwicklungen verstärkt.

Die schlechte Lage der Weltwirtschaft wirkt sich bereits auf die Schweiz aus. Die Exporte von Waren und Dienstleistungen sanken um 1,2 Prozent. Effekte innerhalb der Schweizer Wirtschaft verschlimmern die Lage und führten zum schlechtesten Wirtschaftswachstum in der Schweiz seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008. Die Unternehmen haben ihre Ausgaben gekürzt. Die Ausgaben für Bauinvestitionen gingen um ein Prozent zurück. Dies bekamen vor allem Zulieferbetriebe zu spüren: Der weltweit zweitgrößte Zementhersteller in Jona, verkündete erhebliche Gewinneinbussen.

Dabei scheint der Tiefpunkt noch nicht erreicht zu sein: „Die Schweiz kam im dritten Quartal glimpflich davon, aber das Schlimmste steht noch bevor“, sagte David Kohl, der Chefvolkswirt des Bankhauses Julius Baer dem Nachrichtendienst Bloomberg. Das Land sei mit seiner exportorientierten Wirtschaft einfach nicht in der Lage, sich vom Abschwung in der Euro-Zone abzugrenzen und werde in eine Rezession geraten, prognostizierte er.

Ende November korrigierte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihre Wachstumsprognosen für die Schweiz. Sie war bis vor kurzem noch von einem Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im kommenden Jahr ausgegangen. In den aktuellen Erwartungen ist nur noch von 0,8 Prozent die Rede.

Wie ernst die Lage ist, zeigt sich auch anhand der schlechten Werte weiterer Wirtschaftsindikatoren. Private Konsumausgaben legten das zweite Mal in Folge nur um 0,1 Prozent zu. Die Importe vielen nach den Verlusten des zweiten Quartals von 07, Prozent um weitere 0,2 Prozent.

Auch der Vizepräsident der Schweizer Nationalbank, Thomas Jordan, schließt ein Schrumpfen der Wirtschaft nicht mehr aus: „Die Wirtschaft kommt in eine schwierige Phase mit einer äußerst niedrigen, vielleicht sogar negativen Wachstumsrate“.

Die angespannte Lage führt dazu, dass drastischere Schritt nicht mehr völlig ausgeschlossen werden, um das Problem der Frankenstärke zu dämpfen. Die Regierung teilte mit, sie prüfe eine Reihe von Möglichkeiten – auch jene von Negativzinsen sei darunter.

Kommentare

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  1. Fritz sagt:

    Der Artikel und Kommentare sind ein blanker Neid einer Grossnation gegenüber einem, wesentlich kleineren, langsameren, trägeren, aber dafür einen unvergleichlich besser organisierten Staat.
    Die 30 000 Deutsche die in der Schweiz jährlich als ausgebeutete Arbeitskräfte landen und Wohnungen mieten welche von der Sozialhilfe lebende Türken verschmähen, kommen alle auf die ausdrücklichen Empfehlungen der Arbeitsämter in Ostdeutschland.
    Wenn sie in Dresden bei Arbeitsamt nach freier Stelle fragen, dann sagt man ihnen ganz offiziell, sie sollen freie Stellen in der Schweiz suchen.
    Keine Angst also um die Schweiz! Sie fällt als letzte Wohlstandsoase in Europa und macht das Licht aus.
    In der Schweiz wird genug Geld gebunkert um notfalls jahrelang ohne Arbeit überleben zu können. Was man leicht im Glamour der Bahnhofsstrasse vergisst, dass die Schweizer in Wirklichkeit ein verdammt zäher Bergvolk sind und sie brauchen zum Leben herzlich wenig. Wer sich also über die Schweiz Gedanken macht, kann nur ein unwissender Ausländer sein. 😉

  2. arcos sagt:

    Das sog. Wirtschaftswunder in der CH während der letzten 3 Jahre basiert grundsätzlich auf

    – Nettozuwanderung von rund 100’000 Personen (die Hälfte davon gut ausgebildete und vermögende Deutsche) jährlich
    – historisch tiefe Zinsen (Hypothekarkredite um 1,6%!!) wegen Kapitalflucht aus EU

    Beides führte zu einer noch nie dagewesenen Immobilienblase, ähnlich Irland etc.

  3. hunsrückbäuerlein sagt:

    klar doch, die schweiz kann garnicht so schnell schwimmen, wie sie von fremdem geld untergetaucht wird.

    verbrennt es, das macht wenigsten warm

  4. Werner sagt:

    Wenn die Schweiz Negativzinsen – also eine Gebühr für Anleger dafür, daß sie in Franken investieren – einführt, dann müssen diese im Bereich von 4 oder 5% sein.
    Denn das ist das Mindeste, was in der Euro-Zone an Inflation zu erwarten ist und wenn ich in der Schweiz an Wert weniger verliere, ist es immer noch ein Geschäft!

  5. schlaumeister sagt:

    Die Schweiz wird durch die Anbindung an den Euro mit diesem untergehen.
    Der Tourismus lahmt, der Export ebenso, die Schweiz ist teuer und kann sich
    dem Depressions-Trend auch nicht entziehen.

  6. PITderAdler sagt:

    Die Schweiz! Wurstelt sich seit 1291 durch direkte Demokratie und Föderalismus durch die Geschichte Europas. Sie meinen, anders als die Andern zu sein. Und das ist auch so. Denn im Herzen der Schweiz sitzt das FIAT Geldsystem. Extrem reiche Konzerne haben ihren Sitz hier. Und sie alle, sind für die Ausbeutung und Plünderung der Welt verantwortlich. Nun, wer viel hat, dem wird viel genommen. Wer viel hat muss viel Rechenschaft geben. Eher kommt ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in das Reich Gottes. Na, da scheint die Landung ja hart zu werden für die Schweizer.