Österreicher vertrauen der EU mehr als der eigenen Regierung

Leichtes Spiel für Barroso & Co.: Die Mehrheit der Österreicher sieht in der EU den kompetentesten Retter in der Krise.

Die Österreicher gelten traditionell als EU-kritisches Volk. Bei Befragungen landen sie regelmäßig unter den sieben kritischsten Staaten. Doch noch mehr als der EU scheinen sie ihren eigenen Politikern zu misstrauen: Denn in der neuesten Euro-Barometer Umfrage ist das Vertrauen in die Europäische Union um sechs Prozent im Vergleich zu den vorangegangenen Umfragen gestiegen.

In der aktuellen, von der EU-Kommission in Auftrag gegebenen Meinungsumfrage liegen die Hoffnungen der Österreicher auf eine Lösung der Krise am ehesten bei der Europäischen Union: 23 Prozent von ihnen glauben, die EU sei am besten in der Lage, die Krise zu lösen. Gefolgt wird die EU in dieser Frage von den nationalen Regierungen (20 Prozent) und dem Internationalen Währungsfonds (19 Prozent).

„Die Österreicher sehen zunehmend die Notwendigkeit der Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Sie sehen, dass nur mit einem gemeinsamen Vorgehen diese Krise bewältigt werden kann“, begründet Harald Pitters, Meinungsforscher und Berater der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich, die verbesserte Stimmung der EU gegenüber.

Die positiven Zahlen, die Ende November veröffentlicht wurden, haben allerdings einen Schönheitsfehler: Die Daten, auf die sie sich beziehen, stammen aus dem Mai dieses Jahres. Seit dem ist eine langanhaltende und heftig geführte Debatte im Gange. Pitters glaubt dennoch nicht, dass die Umfrage nun gravierend anders ausfallen würde.

Auffällig ist, dass die EU Skepsis im allgemeinen immer noch besteht und sich die angaben teilweise widersprechen. Auf die Frage, ob Österreich durch die EU-Mitgliedschaft Vorteile hat, antworten beispielsweise nach wie vor 46 Prozent negativ, ein Viertel glaubt immer noch, die Mitgliedschaft sei „eine schlechte Sache“, 42 Prozent sind mit der allgemeinen Entwicklung in der Gemeinschaft nicht zufrieden.

Auf konkrete Themen angesprochen, sieht die Einschätzung der Tätigkeit der EU allerdings anders aus. Um die aktuelle Krise zu bewältigen, glauben nämlich 43 Prozent, dass sich die EU in „die richtige Richtung“ bewegt. Das Vertrauen in das Handeln der Organe ist trotz des Misstrauens der EU als Gesamtes gegenüber, stark ausgeprägt.

Ein Widerspruch, der Harald Pitters nicht überrascht:„Bei der Pauschalbewertung, ist die EU eine gute oder eine schlechte Sache, sind wir immer bei den letzten fünf dabei. Mit den skandinavischen Staaten, dem Baltikum und Ungarn. Wenn es aber um die Details geht, um die Zusammenarbeit, gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und eben auch Euro, Wirtschafts- und Währungsunion, dann sind die Österreicher absolut pro-europäisch.“

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Kommentare

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  1. Fred Feuerstein sagt:

    Diese Umfrage IM AUFTRAG DER EUROPÄISCHEN UNION ! Super, darfs ein bisserl mehr sein für Brüssel ? So idiotische Umfragen werden in Umlauf gebracht, weil die meisten Leute ja nicht interessiert wer das veranstaltet hat, sondern nur das Ergebnis. Stimmung machen für die EU ist der Sinn und Zweck. Gestern habe ich hier bei den DMN einen Beitrag gelesen „bei politschen Aussagen sofort den Kern von der Propaganda trennen“ erst dann soll man sich über das gesamte Gedanken machen !

    Natürlich misstrauen die Österreicher den eigenen Politikern am meisten. Einmal kennt man sie und zweitens wissen die Österreicher welche Nieten im Parlament sitzen. Fragen sie einmal jemand, wer für Österreich in Brüssel, bzw. im EU-Parlament in Straßburg sitzt ? Sie können in Wien eine Stunde auf der Straße fragen und sie werden niemand finden. Am Land sowieso keinen. Super, und dann diese repräsentativen Befragungen. Dieser Herr Pitter soll einmal sagen,was er als „Teizeitmitarbeiter“ von Brüssel bekommt. Das Ergebnis kann man am besten am Honorar messen.

  2. Fred Feuerstein sagt:

    Wenn schon die Österreicher bisher einer anderen Meinung waren als Herr Pitters, dann war es an der Zeit, den Östrreichern zu sagen wie sie in Zukunft über die EU denken sollen. Nennt man so etwas vielleicht „Gehirnwäche im Schonwaschgang“ ?
    Es kommt mir vor, wie bei den schwachsinnigen amerikanischen Serien im TV Vorabend-Programm, wo man nicht so genau aufpassen muss, denn das Lachen ist im Film schon programmiert. Es könnte ja sein, dass die Zuschauer so blöd sind, dass sie nicht wüßten, wann man zu lachen hat. Sehr bequem, wenn andere für uns denken ! Aber warum machen sie das ? Zu unserem Nutzen, oder vielleicht doch nicht ?

  3. Fokko sagt:

    LOL Sollte das vorgebliche Vertrauen in die EU gar eher in Wirklichkeit ein Vertrauen in den großen Bruder Deutschland sein? Will Kamerad Schnürschuh mal wieder heim ins Reich?

    Fokko
    http://selbstversorger-blog.over-blog.de/

  4. Halmstan sagt:

    „Meinungsforscher und Berater der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich“ – wes´ Brot ich esse, des´ Lied ich singe…
    Das mangelnde Vertrauen in die Bundesregierung ist absolut nachvollziehbar und aufgrund des absoluten Stillstandes seit fünf Jahren völlig gerechtfertigt. Von „Vertrauen in die EU“ kann nach meinen Erfahrungen im Raum Wien nicht die Rede sein. Unter den Kritikern macht sich eher die Stimmung breit dass die Schuldenkrise das Trauerspiel EUdSSR ohnehin über kurz oder lang beenden wird.
    Die Systemmedien sind ungefähr so stromlinienförmig wie in Deutschland: wichtigstes Mittel hierzu ist die seit Jahren kritisierte Presseförderung sowie die Inseratenvergabe durch staatsnahe Unternehmen an konforme Medien. Damit lässt sich – auf Kosten des Steuer- bzw. Gebührenzahlers – trefflich Stimmung im Sinne der Regierung machen…