Italien: „Die nächsten 10 Tage entscheiden, ob der Euro überlebt“

Italien beschreitet den griechischen Weg: Mario Monti will den italienischen Haushalt im kommenden Jahr um 24 Milliarden Euro entlasten. Steuererhöhungen und Sparprogramm sollen den Euro retten. Die italienische Wirtschaft könnte indes schweren Schaden nehmen.

Italien arbeitet fieberhaft an einem radikalen Spar- und Steuererhöhungsprogramm. Schon am Sonntagabend möchte Premier Mario Monti den Regierungsbeschluss dazu herbeiführen.

Im Verlauf des Tages sprach Monti mit Vertretern der Gewerkschaften, der Arbeitgeberverbände und der Regionen.

Während sich die Gewerkschaften noch bedeckt halten und jetzt schon Nachbesserungen fordern, zeigt sich der Unternehmerverband sehr besorgt über den Zustand der Euro-Zone. Emma Marcegaglia, die Präsidentin von Confindustria, sagte auf einer Pressekonferenz: „Es ist keine Demagogie zu sagen, dass sich in den kommenden zehn Tagen entscheiden wird, ob der Euro überlebt oder nicht.“ Italien müsse nun harte Maßnahmen ergreifen, um den Euro und Italien zu retten. Andernfalls drohe eine für die italienische Industrie verheerende Kreditklemme (Video hier – italienisch).

Die Maßnahmen, die Monti in den Gesprächen vorgeschlagen hat, umfassen Sparmaßnahmen und saftige Steuererhöhungen. So soll das Rentenalter auch für Frauen auf 65 Jahre erhöht werden, die Renten eingefroren und im Gesundheitswesen drastische Einschnitte vorgenommen werden.

Die Einkommenssteuer für Besserverdienende soll ebenso erhöht werden wie die Immobiliensteuer.

Damit beschreitet Monti nicht ganz überraschend denselben Weg wie Griechenland: Abbau der Staatsschulden durch radikales Sparen und Steuererhöhungen. Dieser Weg ist ausgesprochen gefährlich, wie man in Athen beobachten kann: Die von der Troika erzwungenen Maßnahmen haben das Land weiter an den Rand des sozialen und wirtschaftlichen Kollaps getrieben (mehr hier). Die Mittel, die jetzt bei den Bürgern Italiens eingespart werden, werden zur Schuldentilgung verwendet (mehr dazu hier). Die Wirtschaft kann, gerade bei drastischen Steuererhöhungen, nicht wachsen. Wenn die Sozialprogramme drastisch zurückgefahren werden steigt die Gefahr von sozialen Unruhen (in Griechenland sind immer neue Formen von Anarchie zu beobachten – mehr hier). Die Lage ist vor allem in den italienischen Städten ohnehin schon angespannt, erst im Oktober kam es zu teilweise wüsten Ausschreitungen.

Wenn jedoch die Kapitalflucht der institutionellen Investoren aus italienischen Banken und Staatsanleihen weiter anhält, wird auch dieses Sparprogramm nicht reichen, um Italien aus der Schuldensklaverei zu befreien.

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Kommentare

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  1. liberty sagt:

    Das Sparprogramm wird so und so nicht reichen. Das nächste Volk das nun ruiniert werden soll. Oh Mann. Ich hoffe diese ganzen Goldmänner und Banken und EZB´s krachen bald irgendwie. Ich hoffe das Universum schlägt ihnen ein Schnippchen und bringt diese Gauner alle zu Fall. das Sparprogramm füllt dann mal wieder die Kassen der Banken. Toll, toll… Jetzt wird der Pizzadienst auch noch abgewürgt…

    Und wie bitte soll dieses Sparprogramm jetzt den Euro retten? Bis diese Sparprogramme umgesetzt werden und greifen und das Geld reinkommt vergeht… Zeit. Hier wird wiedermal tolle Angstmache propagiert. „Liebe Italiener, wir müssen sparen, sonst sind wir Schuld wenn der Euro caputto geht.“ Da werden immer Zusammenhänge aus der Luft hergestellt und jeder glaubt´s.

    Ja sicher. Das Rentenalter für Frauen jetzt auf 65 erhöhen rettet jetzt den Euro. Für wie bescheuert halten die eigentlich die Völker? Klar und die Renten einfrieren. Dann sitzten alle Alten auf der Straße, verlieren ihre Kaufkraft und können betteln gehen. Und wenn sie Glück haben haben sie Kinder die vielleicht noch einen Job haben und sie durchfüttern (können). Weg mit dem Gesindel. Es wird echt Zeit….für eine neue Zeit…

    • Pitchel sagt:

      Fazit ist doch eigentlich das das ganze Grundsystem schon krank ist, ich meine es fängt bei der ganzen Geiz ist Geil Mentalität an wo jeder auf den cent und die kommerstelle dahinter schaut und lieber wegen einem cent 4Km zum anderen Aldi fährt. Weiter gehts doch mit dem ganzen HARZ4 mist warum zum Teufel geht ein teil der Bevölkerung für Leute arbeiten die teilweise nicht wollen??? der gewaltige Bearbeitungsapperat der zur vermittlung dahinter steckt will auch bezahlt werden…
      nur so ein klitze klitze kleiner einschnitt.
      Nun ich arbeite in der Schweiz und muss sagen Das System ist Genial und Kriesensicher !!! da kommt eben der Maurer aus dem Ort und Nicht 200Km weiter entfernt usw…. und gan^z sicher ist das eine ECHTE DEMOKRATIE was hier gepflegt wird. da wird eben die Bevölkerung gefragt und abgestimmt!!!! da Kann der rest der „Demokratischen“ Länder mal Nachhilfe nehmen… lg

  2. hunsrückbäuerlein sagt:

    hallo Redanktion!!!

    …dieser Weg ist ausgesprochen gefährlich…….

    hallo geht´s noch?!

    der Weg ist das Ziel der Kapitalisten, die Arbeiterklasse zu vernichten!

    Anderes von den Marionetten des Großkapitals wie Monti, Papandreu, Sokrates, Draghi…..etc. zu erwarten, ist vollkommen dsiplaced!

    im Auftrag des Kapitals ist die Arbeiterklasse zu vernichten.

    Krieg dem Klassenfeind, Krieg den Palästen, Aufruf zum Generalstreik, weltweit, so sollten eure Nachrichten lauten statt ständig zu beschwichtigen.

    • Munnie sagt:

      Einspruch @Hunsrückbäuerlein

      Es geht nicht darum, die Arbeiterklasse zu vernichten, sondern „nur“ darum, sie so weit es irgendwie geht auszubeuten, auszupressen.
      Vernichten wäre zu schade. Denn dann hätte man niemanden mehr, der die Arbeit macht und für zukünftiges Kapital sorgt.

  3. Howie sagt:

    Nein, hier kann es nur ein einziges Rezept geben, nämlich: die Italiener verlassen ihr Land und nehmen alles Geld mit und gehen sonstwohin – wenn das machbar wäre, würden die Banken echt mal staunen und würden niemanden finden, der ihnen diese „Schulden“ bezahlt. Diese „Bankster“ sollen alle in der Hölle schmoren.

    • klimperkasten sagt:

      Sorry, aber das ist utopisch. Glauben Sie, alle Deutschen (=auch Sie!) würden von jetzt auf gleich ihr Land verlassen? Die Bankster und ihre Alliierten werden in der Hölle schmoren, darauf können Sie sich verlassen.
      Deshalb ist es auch Unsinn, selbst Rache verüben zu wollen. Die Bestrafung wird eines Tages von höherer Stelle erfolgen. Daher darf man sich bei aller gerechtfertigter Wut und Emotionalität nicht zu Dummheiten hinreißen lassen.

      • hunsrückbäuerlein sagt:

        palimpalimpalim..

        es ist Krieg, Krieg zwischen dem Kapital und der Arbeiterklasse, imer noch nicht kappiert?

        Ja muß man es euch denn schriftlich oder in den NAchrichten verklickern?

        das Kapital will uns vernichten und zurück zur Sklavenarbeit bis zum Tod….

        Krieg, es ist Krieg, das Kapital führt Krieg gegen uns! merkt das denn Niemand?

  4. Knatterton sagt:

    Goldman Sachs Monti will also mit Sparen Italien retten.
    Wie soll das funtkionieren bei einer Staatsverschuldung in Höhe von 120 % des BIP?
    Einfach lächerlich.
    Steinbrück hat übrigens in einem Interview mit der Bild am Sonntag vor dem Ende des Euro gewarnt.
    Sinngemäss: Falls sich nicht genügend Idioten finden zum Ankauf der staatlichen Ramschanleihen, geht der Euro unter.
    Er selber würde zur Zeit keine Staatsanleihen kaufen!!!
    Ergo: Der Bilderberger ruft zum Ende des Euro auf.