Tschechen trauen der EU in der Krise wenig zu

Die Tschechen können der EU immer weniger abgewinnen. Sie verbinden mit der Union vor allem Bürokratie, steigende Arbeitslosigkeit und Geldverschwendung.

Die Tschechen trauen der Europäischen Union die Lösung der aktuellen Schuldenkrise am wenigsten zu. Im europäischen Vergleich glauben in Tschechien mit 13 Prozent die wenigsten daran, dass die EU dazu geeignet ist, die wirtschaftlichen Probleme zu lösen. Ihre Hoffnungen stützen sich diesbezüglich vor allem auf die G20-Staaten. Damit sind sie in Europa die Ausnahme.

Anders als bei den Österreichern (mehr hier) nimmt das allgemeine Vertrauen der Tschechen in die EU deutlich ab. In der aktuellen Eurobarometer-Befragung gaben 48 Prozent an, der EU eher nicht zu vertrauen. Bei der vorhergehenden Datenerhebung des Eurobarometer waren es um fünf Prozent weniger gewesen. Während im Dezember des Vorjahres noch jeder Zweite Vertrauen in die EU hatte, verloren es binnen eines halben Jahres weitere fünf Prozent.

Die positiven Assoziationen mit der EU, wie Demokratie, Frieden und wirtschaftlicher Wohlstand nahmen in Tschechien ab. Immer mehr Tschechen verbinden sie dafür mit Bürokratie, steigender Arbeitslosigkeit und Geldverschwendung.

Das Misstrauen gegenüber der EU könnte vor allem von der Unzufriedenheit in innenpolitischen Angelegenheiten genährt sein. Denn die Zahl jener, die finden, dass sich die Dinge in Tschechien in die falsche Richtung entwickeln, hat in der aktuellen Befragung im Vergleich zum Durchgang davor um 14 Prozent zugenommen. Diese Entwicklung ist nur in Staaten, die von der Krise am stärksten betroffen sind – wie Griechenland oder Portugal – dramatischer.

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Kommentare

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  1. Ondoron sagt:

    Ich verstehe die Tschechen absolut. Diese Nation wurde in der Geschichte zu häufig unterdrückt. Dass die hellhörig werden, wenn sie die Kakophonie der EU-Technokraten hören, ist doch wohl selbstverständlich. Dass die Tschechen keine EUSSR wollen, ebenfalls. Nur die deutschen Gutmenschen kapieren es nicht. Die schwadronieren von der Fiskalunion und merken nicht, in welchen Sumpf sie damit geraten.

  2. Miks sagt:

    Es gibt nur noch eine tschechische Verkaufskette mit Lebensmittel. Penny, Lidl, Kaufland, Tesco, Hypernova – alle sind vollgepackt mit Produkten aus Deutschland, Spanien, Holland und China. Fleich, Milch, Gemüse – vielles wird importiert und der Bauer bekommt eine Entschädigung via Subventionen, dass er das Grass mäht und Heu an Heizkraftwerken weiterverkauft. Die bekommen eine satte Prämie, dass sie Grünzeug verbrennen. Was passiert in der Kriese ist klar, falls die Ketten abhauen. Die Mehrheit ahnt, dass es falsch ist, dass es so nicht funktionieren kann. Wir sind aber nicht mehr fähig alle Zusammenhänge durchzuschauen. Bilderberger Leute führen diese Republic in die Schlucht – jeden Tag hört man – mehr Steuern in 2012, höhere Gebühren und mehr Staatsschulden und immer noch satte Sklaven, unterordnen sich dieser Diktatur ohna A zu sagen.

    • klimperkasten sagt:

      @ Miks
      Herzlich willkommen auf diesen Seiten! Ich freue mich immer sehr über Kommentare aus den Nachbarländern, und es zeigt sich, dass wir letzlich alle in einem Boot sitzen und uns im Würgegriff von Bilderbergern & Co befinden. Aber ehrlichgesagt jammern wir auf hohem Niveau, denn gemessen an der Weltbevölkerung geht es uns noch hervorragend. Ich frage mich, was in unseren Ländern passieren wird, wenn die Auswirkungen des Euro-Rettungs-Wahn(sinn)s im endgültig im Alltag ankommen.

      • Miks sagt:

        Ich schaue mir sehr gerne die deutschen Filmdokumenten aus Russland. Diese Leute sind schon seit 20 Jahren alleinstehend, das Leben ist für diese harter geworden, aber ist ein Mensch mit der Hypotek in seinem Haus mit fliessendem Wasser, Strom und Gass wirklich freier als ein Mensch der jetzt im Einklag mit der Natur lebt? Bei uns gibt es mehr als 550 000 Hypoteken, wir werden einen gleichen Kollaps wie in USA sehen. Das System läuft nach einem gleichen Muster, die Blase ist riesig in CZ. Viele Menschen bei uns leben bereits jetzt an der Kante – mehr als die hälfte des Familieneinkommen geht an Hypo und die Banken werden die Zinsen von 4% auf 6,5% aufheben müssen. Dann bricht Czech Democratic Illusion zusammen.

        • klimperkasten sagt:

          Sie haben vollkommen recht. Ein bescheidenes, aber autarkes Leben ist um einiges freier, als ein Leben im Hypotheken-Hamsterrad.

  3. Franz sagt:

    Leider ist zu erkennen, daß die Töne der alten sozialistischen Garde immer mehr Gehör finden. Was wäre Tschechien ohne den Europäischen Markt und die Arbeitsplätze die dadurch in Tschechien geschaffen wurden.
    Wer die tschechische Bürokratie kennt, weiß das sie z.B. der Deutschen in keinem
    Fall hinten ansteht und wie mit EU-Geldern hier umgegangen wird spottet jeder Beschreibung.
    Ich bin nicht umbedingt ein EU-Befürworter, denn das ist wirklich nur ein aufgeblähter
    Bürokratenhaufen, aber Tschechien sollte nicht kritisieren, wenn man selbst keine
    positiven Beiträge leistet und sich mit den kritisierten Punkten nur ein Alibi verschaffen
    will. Das die Gedankentendenz sehr auf die G20 und hier speziell zu bestimmten
    Staaten zielt ist auch unverkennbar aber diese Staaten sind es auch, die ständig mit
    dem erhobenen Zeigefinger rumlaufen, mitunter die stärksten Auslöser der Wirtschaftskrise sind und nur überleben, weil sie nachts die Notenpressen am
    laufen halten. Tolle Vorbilder.

  4. cocooning sagt:

    Vielleicht haben die Tschechen damit gar nicht so Unrecht und sind vielleicht sogar froh, den Euro noch nicht eingeführt zu haben.

  5. Livia sagt:

    Hat sich der Tschechische Präsident nicht auch bis zuletzt gegen die als Lissabon-Vertrag getarnte EU-Vervassung gesperrt?
    Die Leute wollen eben nicht nach so kurzer Zeit nachdem sie die Zwangsmitgliedschaft im Ostblock losgeworden sind, wieder ihre frische Souveränität gegen die EUdssr eintauschen. Diese Länder sitzen eben zwischen den Stühlen: Fördergelder aus Brüssel bekommen und Souveränitätsrechte an Brüssel abgeben. Manche kommen da eben langsam zu dem Schluß, daß die Fördrgelder langfristig zu teuer erkauft wurden!

  6. Rainer Golla sagt:

    Ich traue der EU auch ohne Krise asolut nichts zu !

  7. Steuerzahler sagt:

    Bürokratie, steigende Arbeitslosigkeit und Geldverschwendung.

    Die Tschechen haben offensichtlich das richtige Gespür. Die Beschreibung passt 100%ig auf die EU.

  8. Albert Albern sagt:

    Womöglich haben die Tschechen nach den Jahrhunderten der Finsternis noch nicht den gängigen Optimismus entwickelt und sind deswegen etwas kritischer…
    http://de.wikipedia.org/wiki/Tschechien#Drei.C3.9Figj.C3.A4hriger_Krieg

    Die Hindus sehen es aber sehr ähnlich:
    http://www.zeit.de/2004/22/Zeit_der_Finsternis_-_Leben_am_Asphalt_-

    • lost sagt:

      Nach hinduistischer Lehre begann das Kali-Yuga 3120 v.Chr. und dauert 432000 Jahre.

      Ich finde, wir sollten doch noch mal überlegen, ob Kopernikus nicht doch Recht hatte? In den letzten 500 Jahren gab’s verdammt wenig Meldungen, daß jemand vom Rand gefallen ist. Mich beschleicht das dunkle Gefühl, die Erde ist gar keine Scheibe?

      • Albert Albern sagt:

        Was die Form der Erde betrifft, können Sie Ihrem Gefühl ruhig vertrauen. Was die Gefühle betrifft, lieber nicht! Auf jeden Fall nicht in jedem Fall…

        Misstrauen und Vertrauen (z.B. gegenüber dem Staat, der Wirtschaft oder dem Hinduismus) sind vorrangig Gefühle…

    • lost sagt:

      Ich wollte Sie natürlich nicht angreifen, nur zeigen, wieviel unausgegorener Mist im Internet kursiert. Gerade von den „seriösen“ Medien sollte man mehr Gehalt erwarten dürfen, statt derartige Halluzinationen in die Welt zu setzen.

      Wer nicht an Gott glaubt, glaubt folglich auch nicht an den Teufel.

      • Albert Albern sagt:

        Danke!

        Ich habe gehofft, dass der Link zum Hinduismus nicht ernst genommen wird. Damit auch die Tschechen nicht allzu ernst genommen – überbewertet werden.

        Wer nicht an den Teufel glaubt, der könnte unter Umständen Gott besser verstehen. Ausgerechnet in der indischen philosophisch-religiösen Hauptströmung, die letztendlich in Buddhismus mündete, gibt es keinen Teufel.

        • lost sagt:

          Buddhas Lehre wurde in Indien verlacht, deshalb ist er nach Tibet gegangen.

          Der Teufel ist ein gefallener Engel und gehört zum Hofstaat Gottes. Der Teufel ist der Ankläger und wurde bei der Himmelsreinigung rausgeworfen. Jesus behauptete ja, er habe ihn herunterstürzen sehen. Außerdem traf er sich mit ihm in der Wüste.

          Man kann nur an das Gesamtpaket glauben. Und da ich weiter unten schon unmissverständlich klar gemacht habe (sie müssen selbstverständlich nicht alle meine Ergüsse kennen), dass Gott eine Schimäre ist und die älteste kollektive Psychose, würde es doch recht seltsam anmuten, wenn ich jetzt über Gott nachdächte.

          Von den Veden halte ich sehr viel, von Buddha jedoch nichts. Leider ergibt immer ein Wort das andere. Dabei wollte ich weder eine philosophische noch eine religiöse Debatte beginnen. Ich wllte nur auf den fehlerhaften Inhalt in der Zeit hinweisen. Ich werde deshalb kein weiteres Mal in diesen Thread schauen.

          c.u. am anderen Ort

          • Albert Albern sagt:

            Macht nichts…

            Die alten Inder gingen von einer göttlichen(?) Urursache des Seins aus und nannten sie „Brahma“.

            (Meiner Meinung nach hätte es auch der Urknall sein können)

            Nach einiger Zeit begriffen sie den Wandel zwischen Entstehung, Erhaltung und dem Vergehen alles Seienden, so bekam Brahma drei Gesichter: Der Schöpfer, Erhalter und Vernichter, noch später verselbständigten sich seine Eigenschaften zu eigenständigen Göttern.

            Viel wichtiger ist mir, dass die Inder sehr früh zu dem Schluss kamen, dass wir uns nur fragliche Vorstellungen von der göttlichen Urursache machen können, erfassen können wir sie nicht. Damit haben sie alle Vorstellungen vom Gott für gleichberechtigt erklärt, weil unsere Vorstellungen im Prinzip so wie so nur Kitsch sind.

            Aus dieser Auffassung entwickelte sich die beachtenswerte Religionsfreiheit in Indien, die durch die gleichzeitige Entwicklung des Kastensystems ihre überschaubare und strenge Grenzen bekam.

            Daher wurde Buddhismus in Indien nicht verlacht, sondern durch das Kastensystem heraus gedrängt. Weil sich der Buddhismus dem Kastensystem nicht anpassen wollte, für jeden Menschen die gleichen Chancen sah…

            Psychologen definieren Gott nicht als kollektive Psychose sondern als das „Über.Ich“ – also durch Beziehung zu den Eltern oder Erziehungspersonen entstandenes Bewusstsein von einer „höheren“ Autorität, der wir uns genauso gern wie auch ungern unterwerfen…