Staatsanleihen: Die Panik als Motor der Vorwärtsverteidigung

Die Pläne der EZB, den Banken weiter Liquidität zur Verfügung zu stellen, zeigt offenbar Wirkung: Die Zinsen für italienische und spanische Zinsen sind zurückgegangen. Der Deal dahinter scheint zu sein, dass die Regierungen den Banken versprochen haben, sie vor einem Crash zu bewahren. Im Gegenzug müssen die Banken die staatlichen Schrottpapiere kaufen. Das Risiko trägt der Einfachheit halber der deutsche Steuerzahler.

Am Montag fragten sich alle Marktbeobachter, ob die Ankündigung des italienischen Sparprogramms durch Monti (mehr hier) wirklich so brutal ist, dass es nicht nur die italienische Arbeitsministerin zum Weinen brachte (Video hier), sondern auch gleich eine Renaissance der italienischen Staatsanleihen auslösen kann.

Der Finanzblog Zerohedge hatte eine – zu einfache – Erklärung. Die Märkte seien einfach zu dumm, um zu verstehen, was passiert – sie brauchen zu lange, daher sei der Rückgang der Zinsen bei italienischen Staatsanleihen nur ein Strohfeuer.

Man kann das auch ganz anders sehen: Die Märkte sind clever und panisch zugleich. Dasselbe gilt für die Politik, die allerdings bekanntermaßen wenig von den Märkten versteht. Der alte Goldman-Fuchs Mario Monti scheint nun maßgeblich mit seinem Goldman-Buddy Mario Drahi bei der EZB die Führung bei der Lösung der Staatsschuldenkrise zu übernehmen. Und die bewerkstelligt man am leichtesten mit sogenannten Round-Trip-Geschäften: Irgendeine Ware wird von Buddy zu Buddy gereicht – und am Ende sind alle Sieger (außer jenen, die geglaubt haben, es handelt sich um wirkliche Geschäfte – also die Shareholder, oder in unserem europäischen Fall, die Steuerzahler).

Um einen Crash des Finanzsystems abzuwenden, haben vergangene Woche mehrere Zentralbanken die Märkte mit Dollars geschwemmt (mehr hier). Dadurch wird es den Banken leichter gemacht, Kredite aufzunehmen, die sie wiederum nutzen können, um selbst Kredite zu vergeben. Und bei dieser Einmal-Hilfe soll es nicht bleiben: Aller Voraussicht nach wird die EZB am Donnerstag beschließen, den europäischen Banken unbegrenzte Kredite zur Verfügung zu stellen (mehr hier).

Und so ist allen gedient: Da es der EZB gesetzlich verboten ist, selbst Staatsanleihen zu kaufen und sie diese nur am Sekundärmarkt erwerben kann, werden die Banken nun mit so viel Kreditmöglichkeiten ausgestattet, dass sie auch vor Risikopapieren wie die italienischen und spanischen Anleihen nicht mehr zurückschrecken. Hinzu kommt außerdem, dass die EZB ankündigte, weiterhin Staatsanleihen zu erwerben (mehr hier), und die Banken so im Umkehrschluss notfalls sicher sein können, dass sie die gekauften Anleihen auch wieder auf dem Sekundärmarkt bei der EZB loswerden. Der Deal: Wir versorgen euch mit ausreichend Liquidität und ihr kauft weiter Staatsanleihen, die euch nun auch nicht mehr als waghalsige Investitionen erscheinen müssen. Ob Angela Merkel an diesem Spiel aktiv mitgewirkt hat oder ob es sich hier schon um die erste autonome Aktion der Finanztechniker handelt, ist unbekannt.

Der Blick auf die Zinsen für Staatsanleihen zeigt jedenfalls, dass die Botschaft angekommen ist. Langsam schließt sich die riesige Lücke zwischen den Zinsen für italienische und deutsche Staatsanleihen mit einer 10-jährigen Laufzeit: heute fielen sie auf das niedrigste Niveau seit fünf Wochen.

Die Zinsen für italienische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren fielen heute auf 6,35 Prozent, der niedrigste Wert seit einem Monat und auch die Zinsraten für 2-Jahres Staatsanleihen des italienischen Staates gingen um 0,46 Prozent auf 5,83 Prozent zurück. Selbst die 5-jährigen CDS (das sah vor wenigen Tagen noch ganz anders aus – mehr hier) auf italienische Schulden waren heute günstiger.

Spanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn und zwei Jahren konnten heute ebenfalls einen Zinsrückgang vermelden. Die Zinsen für 10-Jahres Anleihen liegen derzeit bei 5,48 Prozent und die für 2 Jahre bei 4,71 Prozent. Selbst die Zinsen auf Frankreichs Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren fielen, wenn auch nur leicht, um 0,06 Prozent auf 3,175 Prozent.

Lediglich die deutschen Staatsanleihen sahen sich bis jetzt steigenden Zinsen gegenüber. Diese kletterten für 10-Jahres Anleihen um fünf Basispunkte auf 2,182 Prozent. Bei einer Auktion verkaufte die deutsche Regierung zudem kurzfristige Staatsanleihen (6 Monate Laufzeit) im Wert von 2,68 Milliarden Euro zu einem Zinssatz von 0.0005 Prozent, eine Emission, die Käufer für den 4-fachen Umfang gefunden hätte.

Das Problem für Monti & Draghi: Die Kapitalflucht aus Europa hat sich in den vergangenen Wochen dermaßen beschleunigt, dass dieser Round-Trip bloß noch für die Jahresend-Boni der Banker im Jahr 2011 reichen könnte. Die Herren werden es mit nobilità tragen: Manchmal muss man eben auch die eigenen Ansprüche den Umständen anpassen.


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Kommentare

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  1. hunsrückbäuerlein sagt:

    wir müssen den Banken unser Geld abnehmen, das wir ihnen anvertraut haben, denn ohne läuft nix mehr, es ist ihr schmierstoff, ihr öl und es wird nict´ht lange dauern, dann knarzt der erste laden und frißt sich fest; fällt eine Bank, fallen alle, weil dann der große Run beginnt, der Bankrun.

    dann heißt es Game over, zunächst, dann wird der staatliche Terror in Uniformen ohne Namen zuschlagen, denen müssen wir ihre Kinder, Eltern und Geschwister vor die Nase stellen, jeder dieser brutalen Schläger, Feinde des Bürgers hat Eltern oder Kinder oder Geschwister, darauf können, sollen sie dann einprügeln oder pfeffer.

    dann wird der Klassenfeind sein wahres Gesicht zeigen und wir werden dem Klassenkampf nicht mehr ausweichen können.

    • klimperkasten sagt:

      Ihre Empörung in allen Ehren, aber sehen Sie denn nicht, dass es hier schon längst nicht mehr um vorgestrige Parolen à la „Klassenkampf“ geht?
      Was wollen Sie erreichen? Sozialismus? Kommunismus? Es geht hier doch um Allianzen, Lobbyismus, Kartelle, Syndikate, Bruderschaften (ja, die gibt es zuhauf!) und deren Unterwanderung JEGLICHER ASPEKTE des täglichen Lebens: Bildung, (Außen-) Politik, Religion, Wissenschaft….
      Warum wählen WIR (Sie und ich) diese politischen Pappnasen? Warum sprechen wir nicht aus, dass Israel Genozid an unschuldigen Palästinensern betreibt? Warum kritisieren wir nicht die Haltung der Bundesregierung EBEN eben AUFGRUND unserer Geschichte? WEIL ES UNS EGAL IST, so lange es uns gut geht. Weil wir dann gerne den Maulkorb akzeptieren.
      Sorry, aber das Klassenkampf-Getrommle ist voll vorbei am Thema. Mit Ausnahme des Euro-Debakels, wofür unsereiner nun wirklich nichts kann,
      muss sich jeder von uns an die eigene Nase fassen. Wie viele Menschen haben derzeit nur einen einzigen Gedanken: WIE SICHERE ICH MEIN GELD?