Euro-Krise: Der Bundesbank geht die Luft aus

Die Eile von Angela Merkel bei der Rettung des Euro hat einen handfesten Grund: Bisher hat nämlich die Bundesbank über ein europäisches Kreditverfahren durch Kredite das gesamte Euro-System am Leben erhalten. Nun gehen der Bundesbank die Assets aus. Spekulanten können jetzt das ganze System innerhalb eines Tages zu Fall bringen.

Aktuell: EZB: Europäische Banken leihen 50,7 Milliarden Dollar

Vor allem aus dem angelsächsischen Raum war in den vergangenen Monaten immer wieder lautstark verkündet worden, dass Deutschland der eigentliche Profiteur des Euro sei. Wegen des schwachen Euro könne die Exportwirtschaft praktisch die wirtschaftliche Hegemonie in der Welt erreichen. Dies ist schon auf den ersten Blick ein fragwürdiges Argument, denn Deutschland war auch mit der D-Mark Exportweltmeister (mehr in einer sehr scharfsinnigen Analyse – hier).

Nun haben zwei Ökonomen eine interessante Studie vorgelegt, die ein völlig anderes Bild zeigt. Aaron Tornell von der UCLA und Frank Westermann von der Universität Osnabrück erläutern, dass niemand geringerer als die gute alte Bundesbank den ganzen Euro-Spaß bisher finanziert hat. Über ein innereuropäisches Kreditsystem können sich nationalen Notenbanken bei der EZB Geld leihen, und die EZB leiht sich ihrerseits Geld bei anderen Notenbanken. In diesem TARGET genannten System geschieht folgendes: Die griechische Notenbank leiht sich Geld bei der EZB und wird zum Schuldner der EZB. Die EZB leiht sich Geld bei der Bundesbank, und die Bundesbank wird Gläubiger der EZB.

Dieses System funktioniert so lange, solange die Bundesbank nicht mehr Geld verleiht, als sie Assets hat. Diese Assets sind Bunds, Forderungen gegen privaten Banken und Gold. Und genau hier liegt das Problem: Wie Tornell und Westermann belegen, geht der Bundesbank die Luft aus: Ihre Bestände an Bunds sind als Sicherheiten so gut wie aufgebraucht, die Bundesbank kann kein Geld mehr an die Banken verleihen und ist, im Gegenteil, zum Schuldner dieser Banken geworden. Die Diskussion um die Goldreserven in den vergangenen Wochen hat gezeigt, dass dies für die Bundesbank ein Tabu ist – völlig zu Recht, denn wenn sie das Gold (=Tafelsilber) anfasst, ist die Party bald komplett vorüber.

Dieser missliche Zustand wurde von den Zentralbanken der Euro-Problemländer verursacht. Sie haben in den vergangenen Monaten ohne Limit versucht, ihre nationalen Bankensysteme durch Notkredite am Leben zu erhalten. Das Geld dazu kam fast ausschließlich von der Bundesbank. Zu einem kleineren Anteil hat auch die niederländische Notenbank ausgeholfen.

Solange dieses System funktionierte, konnte das Euro-System funktionieren, ohne dass Geld gedruckt wurde. Die Geldmenge hatte sich nicht erhöht, daher ist auch die Inflation nicht explodiert. Nun aber ist die Bundesbank an ihr Limit gekommen. Daher versuchen Angela Merkel und Nicolas Sarkozy mit höchster Eile, eine Lösung zu zimmern. Denn der Zahlmeister Europas ist an den Grenzen seiner Leistungsfähigkeit angelangt.

Denn: Die Bundesbank kann das TARGET System nicht mehr mit Geld versorgen.
Damit wird nach Einschätzung der beiden Ökonomen der Zusammenbruch des Euro-Systems zu einer „sich selbst erfüllenden Prophezeiung“. In normalen Zeiten könnten Banken in Europa der Bundesbank Geld borgen. Wenn jedoch zu viele Banken in einer Kapitalflucht ihr Geld aus den schwächeren Euro-Ländern abziehen, dann bricht das TARGET-System zusammen. Die Folge: „Eine spekulative Attacke könnte innerhalb eines Tages geschehen, und die EZB müsste das attackierte Land komplett retten. Weil aber die EZB eine relative schwache Kapitalbasis hat, wäre sie nicht in der Lage, die große Zahl an Papieren von jenem Land zu kaufen, welches attackiert wird.“

Attacken dieser Art sind bei Spekulanten sehr beliebt: Im Jahr 1992 brachten George Soros (heute Förderer von OWS) und andere die Bank of England mit einer solchen in Bedrängnis. Auch die BoE hatte unterschätzt, wieviel Geld der damals laufende Prozess der europäischen Einigung nach dem Niedergang des Ostblocks verschlingen würden.

Diese Attacke kann nach Einschätzung von Tornell und Westermann und durch drei Maßnahmen aufgehalten werden: Anwerfen der Druckerpresse durch die EZB, Ausgabe von Eurobonds oder Rettung der attackierten Staaten durch den IWF. Jeder einzelne dieser Schritte würde jedoch nur bedeuten, dass die Eurozone Zeit gewinnt. Wenn das Problem nicht von Grund auf behoben wird, werde die Lösung „sehr teuer für den Steuerzahler“ werden.

Mehr zum Thema:
Die komplette Analyse (englisch)
Panik als Vorwärtsverteidigung
Otte: Wir erleben einen Wirtschaftskrieg

Kommentare

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  1. Martin sagt:

    Scheiß Euro. Stell alle Politiker, die daran beteiligt waren wegen Hochverrats vors Kriegsgericht. Mindeststrafe: Kürzung ihrer Rente!

  2. Gast sagt:

    Moin zusammen,

    die Schlussfolgerungen, die Bundesbank kann nicht mehr Geld verleihen, weil sie keine Bunds mehr hat und leiht sich diese wiederum bei den Geschäftsbanken erscheint relativ seicht. Die Bundesbank gibt Geld gegen Sicherheiten aus und nicht Geld und Sicherheiten gleichzeitig, was man an deren Bilanz wunderschön sehen kann. Das Target System ist ein Clearing System, hat mit Geldschöpfung, Kredit, nichts zu tun. Über dieses System werden reglmäßig die Zahlungen zwischen den einzelnen NZB- en abgewickelt. Richtig ist, dass die Bundesbank die Standarts für Sicherheiten gegenn die Geld ausgegeben wird im Laufe der Jahre am wenigsten aufgeweicht hat. Also zypriotische Bankanleihen mit Staatsbürgschaft Zyperns würden nicht als Sicherheit gegen Notenbakgeld akzeptiert. Die Forderungen der Bundesbank gegen andere NZB en des Eurosystems entstehen anders und das wiederum weiß Frau Merkel ganz genau, deswegen “…ist der Euro unser Schicksal”. Der Exportweltmeister produziert und liefert aus. Der Italiener kauft, wickelt über seine Geschäftsbank, was heißt über das Target System, die Zahlung ab. Das heißt der Italiener holt sich von seiner Geschäftsbank Kredit zum Bezahlen. Diese wiederum holt sich Geld von der italienischen Notenbank und gibt die Forderung an den Unternehmer als Sicherheit. Es folgt die Abwicklung als ein- und auslaufender Posten bei der EZB und das Ganze landet bei der Bundesbank. Die kann die Sicherheit akzeptieren, oder an die Geschäftsbank des deutschen Lieferanten Geld gegen andere Sicherheiten ausgeben, oder gegen gar keine. Und wenn sie nun die italienische Forderung nicht als Sicherheit akzeptiert hat die Bundesbank eine Forderung in ihren Büchern gegen die Notenbak Italiens, deren Sicherheit der Name Notenbank Italien heißt. Auf der Aktivseite dann die Verbindlichkeit gegen die inländische Geschäftsbank.

  3. dogbert sagt:

    Nun ist es also auch MSM-offiziell:

    WO: “Staaten schulden Bundesbank Hunderte Milliarden”

    Alles rechtzeitig nach der GR-Pleite.

  4. dogbert sagt:

    FTD-Propaganda-Outlet, 100% frei von Argumenten:
    Target 2 und die Milliarden-Marginalie

    Wenn das Vertrauen und somit das Kapital zurückkommt, dann wird alles gut. Wenn nicht, dann ist eh alles zu spät und die 500 Milliarden Euro sind lediglich eine “Marginalie”.

    Demnach ist ziemlich bald alles zu spät.

  5. Andi Martin sagt:
    • dogbert sagt:

      Daß der zugrunde liegende BuBa-Monatsbericht 1 Jahr alt ist, ist aber schon klar?

      Und wenn Olaf Storbeck behauptet “It is important to have in mind that only a certain type of money can be transferred via Target2 – the so called central bank money.”, dann ist das ja wohl grober Unfug. Er hätte mal auf S. 34 schauen sollen:

      “The resulting claims and liabilities generated at the national
      central banks by the multiple transactions over the course of a day normally do not fully balance out. Under the terms of a Eurosystem agreement, the outstanding claims and liabilities of all the national central banks participating in TARGET2 are transferred to the ECB at the end of the business day, where they are netted out. The resulting TARGET2 (net) balances hence arise from the cross-border distribution of central bank money within the Eurosystem’s decentralised structure.”

      Damals war noch von “nationalen Zentralbanken” und “dezentralisierter Struktur” die Rede, die sich an feste Regeln halten müssen. Wenn dem nicht so wäre, dann hätte GR schon seit 2 Jahren Euros ohne Ende gedruckt. Im aktuellen EZB-Monatsbericht (BuBa-Berichte scheint es nicht mehr zu geben) findet man nicht einmal mehr den Begriff “TARGET”!

      Und wenn das alles kein Thema ist – wie ist dann der Brief von Jens Weidmann zu erklären?

  6. Fritz sagt:

    Ich bin jetzt 63, und seit meiner Geburt erinnere ich mich nicht an eine Zeit in welcher es keine Krise gegeben hätte. Erst nachhinein hiess es, ja damals vor 10, 20, X Jahren, da war die Welt noch in Ordnung……

    Also welche Krise frage ich euch? Wir leben in einem Schlaraffenland, und solange die Chinesen für uns arbeiten, werden wir wie die Maden im Speck weiterleben. Noch nie in der Geschichte waren die Kleider, die Elektronik und alle anderen Waren so billig wie heute. Wohnungen sind gratis für die welche keine Miete bezahlen können (Sozialhilfe wird es auch weiterhin geben), und wer Geld verdient, der kann sich die lächerlich niedrige Hypothek für seine Luxushütte allemal leisten. Was braucht es noch mehr?
    Im Gegenteil, heute müssen wir täglich beten, möge unser täglich Brot 5 mal teuerer werden, damit wir nicht alle kläglich an Obesität sterben!

    Vermeitliche Krisen sind nur dazu da, damit die Menschen durch ihre Angst in Grenzen gehalten werden. Das hat uns schon das Christentum mit der Hölle so gepredigt, unsere Politiker haben der gleichen Sache phantasievollere Namen gegeben.
    Apokalypse wird auch diesmal nicht stattfinden (leider, muss man fast sagen), Geld wird es weiterhin geben und niemand wird an der Vernichtung oder Umbenennung des sowieso nur virtuell existierendes Geldes zugrunde gehen.

    Globalisierung ist mit dem Ozean vergleichbar. Die Wellen sind wesentlich höher als im Mittelmeer. Daran werden wir uns gewöhnen müssen. Aber deswegen brauchen wir das Segeln nicht aufgeben.

    Alles ist nur viel Lärm um nichts!

    • Meinungsfreiheit sagt:

      Ein schlichter Geist hat auch etwas für sich. Die Erde ist eine Scheibe mit Zaun, was kann mir passieren.

    • ? Wozu sagt:

      Entweder hat dich Frau Merkel angeheuert oder Du lebts in einer anderen Welt. Dein Kommentar ist weder sachlich noch hilfreich. Danke für nichts

  7. Peter Braun sagt:

    das gesamte (zins)-wirtschafts-system ist am ende. entweder machen wir einen warmstart mit neuen, für die menschen akzeptablen mechanismen, oder der dann zu erwartende reboot wird für alle äusserst schmerzhaft sein. mal von den wirklichen grossbankern abgesehen

    • Roland Strauss sagt:

      Wieso? Die Banker besitzen ja nichts ausser viele Zahen in den Computern und auf dem Papier. Die Menschen, die wirklich etwas produzieren, werden die Gewinner sein. Die Banker werden lernen müssen, wie man Kartoffen pflanzt.