Frankreich: Graffiti-Rebellion auf den Straßen von Paris

Die ersten Vorboten des Protests haben Paris erreicht. Praktisch über Nacht kam es zu massiven Schmieraktionen auf öffentlichen Gebäuden. In teils sehr aggressiven Graffitis werden vor allem die Banken attackiert.

Bei den Franzosen beginnt eine Revolution immer mit der Kunst. Ganz Paris ist voll mit Kritzeleien und Graffitis, in denen klar wird: Es brodelt im französischen Volk, der Unmut über das Versagen von Politik und Finanzsystem wird nicht mehr länger unterdrückt. Statt der geballten Faust in der Tasche verschaffen die Pariser ihrem Ärger mit einem Graffiti-Tsunami Luft.

An Mauern, Briefkästen, Häuserfassaden: Politische Graffitis und Kritzeleien dekorieren derzeit das Pariser Zentrum. Tod den Banken!“, oder „Danke liebe Banker, für den Verlust von ein paar Milliarden“, heißt es auf einem Graffiti nahe der Pariser Börse oder „Schuld an der Krise“ steht es an einer HSBC Bankfiliale im Zentrum geschrieben.

„In dem Moment, wo politische Graffitis auftauchen, ist die Situation wirklich dramatisch“, erklärt der Graffiti-Künstler Antonio de Oliviera. Die französische Regierung sollte dies als Alarmsignal erkennen und darauf reagieren, beton er.

Nicolas Sarkozy ist scheinbar noch nicht sehr beeindruckt und gibt den Sauermann: Das Unternehmen HTP wurde von der Stadt mit dem Entfernen der Graffitis beauftragt. Innerhalb von zehn Tagen sollen sie verschwunden sein, so die Anweisung der Stadt. Wie der Vertriebsleiter Etienne Kiraly berichtet, ist die Zahl politischer Klagen in diesem Jahr um rund 25 Prozent gestiegen.

„Selbst wenn es nichts bewirkt, gibt es dem Volk das Gefühl aktiv zu sein – und nicht passiv. Genau darum geht es, nicht gleichgültig und untätig zu sein“, so Marion Haza, Professorin für Psychologie an der Universität von Poitiers.

Sogar ganz in der Nähe der Bastille haben sich frustrierte Franzosen temporär verewigt. Vielleicht noch kein symbolischer Akt, der eine weitere französische Revolution ankündigt – ganz gewiss jedoch ein Indiz, dass der Wahlkampf für das Präsidentenamt in seine heiße Phase eingetreten ist.

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Kommentare

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  1. ASTRO-WOLF sagt:

    Sehr geehrte Redaktion – (nicht nur) mein Wunsch:

    Bitte dreht die Reihenfolge der Postings um. Also je später jemand postet, umso höher wird das Posting gereiht. Das schafft Gerechtigkeit – denn jeder Poster sieht sein Posting für einige Minuten ganz oben – dann kommt das nächste Posting an die erste Stelle. (Derzeit steht ein und dasselbe Posting die gesamte Zeit an erster Stelle. So werden dann Postings mit völlig anderen Inhalt als „antworten“-Anhang eingebracht, nur um weit nach oben zu kommen!?!)

    Ich vermute, wenn Ihr das umsetzt, dass mehr als DOPPELT so viele Postings eintreffen werden. (Mir macht es wenig Freude, mein Posting am unteren Ende irgendwo hinten links zu suchen. Irgendwann pfeift man dann drauf – und das wäre wirklich schade.)

    Danke – Euer Astrowolf

    • redakteur sagt:

      Danke für den Hinweis, wir checken mal ob das geht. Die Redaktion

      • klimperkasten sagt:

        Hmm… Mir ist die Leserichtung und Zeitschiene von oben nach unten ehrlichgesagt lieber… Stehe ich da auf verlorenem Posten? Wenn ja, soll mir eine demokratische Mehrheitsentscheidung recht sein 😉

        • Qreative sagt:

          Nein stehst du nicht, grundsaetzlich ist es mir auch so lieber.

          Aber dadurch dass man direkt auf einen Kommentar antworten kann und dieser auch direkt darunter angezeigt wird, ist es nicht mehr ganz so wichtig chronologisch von oben nach unten zu lesen. Von daher kann man schon den neusten oben anzeigen.
          Wenn man sich dann auf etwas vorhergegangens bezieht muss man eben konsquent die Antworten-Funktion verwenden.

        • B1 sagt:

          Ich find auch…umdrehen wäre gut…neueste Antworten oben.

  2. iris bücker sagt:

    die zahl der obdachlosen steigt schon drastisch und die selbstmordrate unter hartz-4-empfängern ist 20x so hoch wie beim rest der bevölkerung. aber die, die jetzt das alles in den sand setzen werden sich noch umschauen, dann wenn auch ihr geld weg ist. und die sind nicht gewohnt zu betteln oder von wenig zu leben. es wird so kommen, wie es immer in der geschichte gekommen ist … die arbeitslosigkeit und insolvenzen werden drastisch steigen, noch rapider die inflationsraten, es beginnt mit unruhen und …. 2014 werden wir krieg haben

  3. luther sagt:

    ich habe Anfang der 70er so einen kleinen Volksaufstand in Paris erlebt. Da brannte die Luft. Das waren nicht nur linke Chaoten wie bei uns, da war Volk auf der Straße und die CRS hielt dagegen. In Zipfelmützenland undenkbar!?

    • N_K sagt:

      “ 07.12.11 um 18:23 luther sagt: … In Zipfelmützenland undenkbar!? “

      Für (viel zu) lange Zeit ganz sicherlich, aber bekanntlich war der Deutsche schon immer zu gründlich. So schaut er dämlich und untätig u.a. auch der Zerstörung seiner eigenen Sprache und Kultur zu. Aber mir graut vor dem jähen Erwachen der Zipfelmütze durch eine kalte Dusche…

  4. auto sagt:

    Das ganze ist doch nur ein Vorspiel de ganzen was sich in geraumer Zeit entwickelt hatt, der Anschturm auf die Bastie ist eröffnet.

    Also los gehts

  5. Zeitzeuge sagt:

    Die Franzosen TUN was…

  6. schnauzevoll sagt:

    So isset.
    Wenn es denn soweit ist, das die meisten Menschen Betteln müssen, Gnade denen Gott die dafür verantwortlich sind.

  7. seppl sagt:

    Meldet alle euren Wohnsitz ab und werden wie die Zigeuner. Lebt in Wohnwagen oder Mobilen oder im Auto überall und nirgends. Nicht greifbar für die Steuerbehörden. Lasst euch doch a.A. lecken!

    • PITderAdler sagt:

      Das kommt sowiso, weil schon bald die meisten Menschen auf der Strasse stehen und betteln.

    • iris bücker sagt:

      daran hab ich ganz ehrlich im sommer auch schon mal gedacht … aber jetzt im winter ist es mit heizung dann doch besser 😉