Weltweit Entlassungen im Finanzsektor

Standard & Poor's kündigt die Herabstufung europäischer Banken an. Doch die Banken sind weltweit schon einen Schritt weiter: Das Bodenpersonal wird reduziert. Im gesamten Sektor für Finanzdienstleistungen werden in diesem Jahr mehr als 220.000 Angestellte entlassen. Beobachter sprechen von einer strukturellen Veränderung.

+Aktuell+Banken finden keine Käufer für ihre Assets

Mit der Warnung an 15 europäische Banken, darunter die Deutsche Bank und die Commerzbank, hinkt die Ratingagentur Standard & Poor’s der Realität etwas hinterher. Der Finanzsektor befindet sich in einem massiven Umbruch. Die erste Maßnahme: Das Bodenpersonal wird drastisch reduziert.

Die HSBC, Europas größter Kreditgeber, teilte jüngst mit, bis Ende des Jahres 2013 etwa 30.000 Stellen zu kürzen. Auch die Bank of America, die BNP Paribas und UniCredit werden sich von Angestellten trennen. Nun folgt Citigroup mit 4.500 Entlassungen in den kommenden Quartalen. Weltweit kündigten Banken in diesem Jahr 120.000 Stellenstreichungen an, von denen einige erst innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre umgesetzt werden, so die Nachrichtenagentur Reuters. Im gesamten Finanzdienstleistungsgewerbe werden im Jahr 2011 etwa 220.000 Angestellte verschwinden, berichtet die Businessweek. „Das ist eine strukturelle Veränderung“, sagt Huw Jenkins von der Banco BTG Pactual. „Die Industrie schrumpft.“

Höhere Kapitalanforderungen, fehlgeschlagene, exotische Finanzprodukte und verringerte Eigenhandelsgeschäfte setzen dem Finanzdienstleistungsbereich stark zu. Banken, Versicherer und Kapitalmanagementgesellschaften in Nord-Amerika kürzen in diesem Jahr rund 50.000 Stellen und Finanzunternehmen in Westeuropa etwa werden sich bis zum Ende des Jahres von 125.000 Angestellten getrennt haben, fast doppelt so viele wie mitten in der Finanzkrise von 2008. Allein im Londoner Finanz- und Wirtschaftsdistrikt Canary Wharf wird es bis zum Ende des Jahres 27.000 weniger Angestellte geben. An der Wall Street sieht es nicht besser aus.

Doch die Finanzdienstleistungsbranche trennt sich nicht nur von Personal. So gab UniCredit heute bekannt, die Anzahl ihrer Niederlassungen in den nächsten Jahren um die Hälfte kürzen zu wollen. Die Bank hofft, ab 2015 jedes Jahr 50 Millionen Euro sparen zu können. Neben den geplanten Entlassungen von 6.150 Mitarbeitern und der Reduzierung der Niederlassungen will die Bank im Januar auch Anleihen im Wert von 7,5 Milliarden Euro verkaufen. Der Vorstandsvorsitzende Federico Ghizzoni begründet diese Maßnahmen mit der notwendigen Stärkung der Finanzen der Bank und der Förderung der Profitabilität des Unternehmens.

Erst kürzlich hat der Präsident de Bank of England, Mervyn King, gefordert, dass die Banken angesichts der Krise vor allem ihre Boni reduzieren müssten. Ob sie dies zusätzlich zum Personalabbau auch tun, oder ab die Bank-Angestellten nur das berühmte Bauernopfer sind, werden wir vor Weihnachten nicht mehr erfahren. Die Höhe der Boni werden erst im Nachhinein im ersten Quartal 2012 bekanntgegeben.

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Kommentare

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  1. tomorrow sagt:

    Satire ein).
    Wir leben doch in der sozialen Marktwirtschaft?
    Die Finanzbranche wird mit exorbitanten Milliarden-Summen vor dem Kollaps bewahrt und jetzt sollen die armen Banker ihren Job verlieren?
    Das ist aber ungerecht. (…)
    Bisher waren die Banken doch immer dazu bereit, ihren Beitrag an der finanziellen Schieflage ihrer Branche zu leisten und auszubauen. Staatliche Hilfe und Steuergelder haben dazu beigetragen, dass die Märkte weiterhin funktionieren. Was MACHT die Banken jetzt so pessimistisch? Nicht etwa ihr Eigennutz? Nein?

    Eine benannte Anzahl von 220.000 Entlassungen ist nur Theorie. Daraus wird schnell die 3-4-fache Anzahl von ehemaligen Angestellten, die in absehbarer Zeit nicht weiter in der Lage sind, Abgaben zu erwirtschaften. Das dürfte dann überschlagen, einen ähnlichen Effekt haben, als gäbe es in diesem EU-Raum eine knappe Million mehr Sozialhilfe-Empfänger.

    Die wahren Rettungs- und Auf-Lösungen werden gerade im EU-Parlament diskutiert und „demokratisch entsorgt“. Dort fällt gerade MANNA vom Himmel und alles wird gut. (…)
    (Satire aus).

  2. Matthias sagt:

    Wer immer auch die Strippenzieher sind werden wir nie erfahren.
    Tatsache ist aber,daß wir uns seit geraumer Zeit in einem gewaltigen Prozess der totalen Umerziehung befinden.
    All der Unsinn mit der sog.sozialen Gerechtigkeit,vulgo Neid,der immer höheren Besteuerung,der Klimahysterie,dem Zulassen von gigantischen Datensammlungen via Facebook. Google und allen anderen Datenkraken deuten darauf hin.Es ist schon jetzt,jedenfalls in den Industrieländern, eine Totalüberwachung eines jeden Bürgers ohne grossen Aufwand möglich.
    1984 ist keine Sience Fiction mehr,sondern der Schnee von gestern.Es ist zum Fürchten und m.E. schon zu spät ,um noch gegenzusteuern.

    • bitterling sagt:

      Es ist nie zu spät. Wir ALLE ZUSAMMEN werden es ändern. Niemals die Zuversicht verlieren.

  3. Stefan Wehmeier sagt:

    Sparen hilft nicht

    „Häufig wird die Volkswirtschaft mit einem verschuldeten Einzelhaushalt verglichen, der durch Sparmaßnahmen seine Kredite verringert. Dies ist zwar für Einzelelemente einer Volkswirtschaft möglich, jedoch nicht in der Gesamtbilanz aller Teilnehmer. In der gesamten Volkswirtschaft muss die Summe der Geldvermögen immer gleich groß sein wie die Gesamtverschuldung, da Vermögen auf der einen Seite Schulden auf der anderen Seite bedeuten. In unserem Geldsystem steigen die Geldvermögen durch die Verzinsung an, weshalb die Verschuldung um den gleichen Betrag wachsen muss. Es ist unmöglich, die Verschuldung abzubauen und die Geldvermögen anwachsen zu lassen. Ein Rückgang der Kreditaufnahme würde zu einem fallenden Zinssatz führen, weil sich der Zins aus Angebot und Nachfrage nach Krediten bildet. Fällt nun der Zinssatz unter eine Mindesthöhe (Liquiditätsgrenze), kommt es zu einer Deflation, also einem Rückzug des Geldes, weil niemand bereit wäre, überhaupt noch Kapital ohne Mindestverzinsung zu verleihen. Die Folgen wären Massenarbeitslosigkeit, Verarmung der Bevölkerung, Hunger und Bürgerkrieg. Die Neuverschuldung dient letztlich dazu, den Zinssatz auf genügender Höhe zu halten, um ein Abgleiten der Volkswirtschaft in die Deflation zu verhindern. Aus diesem Grund ist die Gesamtverschuldung, seit Bestehen der Bundesrepublik, noch nie ohne Reduzierung der Geldvermögen zurückgegangen. Wenn sich die Unternehmen nicht ausreichend verschuldeten, musste der Staat eingreifen und die schnell wachsenden Geldvermögen als entsprechende Kredite nehmen. Weder Sparmaßnahmen der Unternehmen und des Staates noch der Wunsch nach Politikern mit Sparsinn können diesen Verschuldungszwang unterbrechen.“

    Günter Hannich („Der Weg in den Dritten Weltkrieg“, 2006)

    Die „repräsentative Demokratie“ einer Zinsgeld-Ökonomie spült immer diejenigen „an die Macht“, die von Volkswirtschaft gar nichts verstehen und auch nichts verstehen dürfen, um ihre „Machtposition“ überhaupt ertragen zu können! Die halbwegs zivilisierte Menschheit wird von den Dümmsten der Dummen regiert, und keine wie auch immer geartete „böse Absicht“ könnte soviel Schaden anrichten wie „Idioten an der Macht“:

    http://opium-des-volkes.blogspot.com/2011/10/vollinvestition.html

  4. G.N. sagt:

    >Die Frage, die ich mir öfters stelle ob wir das überhaupt noch realisieren was da mit uns geschieht.<
    Nein. Leider hat die breite Masse das noch immer nicht kapiert.
    Deren Zeit ist einfach zu knapp. Entweder müssen sie dieses System stützen, weil sie daran verdienen oder es bleibt keine Zeit, weil sie Deutschlands Superstar suchen müssen oder Fußball gucken!