Griechenland: Pfandleiher verkaufen das Gold der Kunden im Ausland

Gute Geschäfte mit der Not: Pfandleiher nehmen den Griechen ihr Gold ab, schmelzen es ein – und verkaufen es im Ausland mit sattem Gewinn. Angenehmer Nebeneffekt: Das Geschäft bleibt steuerfrei. 80% der Pfandleiher führen gar keine Bücher.

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Griechenlands Pfandhäuser sind das anschaulichste Spiegelbild der Krise. Mit Zuspitzung der Lage wurden sie erste Anlaufstelle für Tausende Griechen, um Wertsachen in Bargeld umzutauschen. Wohl wissend, dass keiner seine Leihgaben zurücktauschen kann, verschiffen sie das gesammelte Gold und Silber nun ins Ausland.

Die Griechische Steuerfahndung gab am Sonntag bekannt, dass 80 Prozent aller Pfandleiher keine ordnungsgemäßen Bücher führe. Klarer Fall von Steuerhinterziehung. Diesem Ergebnis ging eine dreimonatige Ermittlung voraus, so die Zeitung Kathimerini. Wie die Steuerfahndung mittels 60 Leihhäuser-Prüfungen feststellte, ist das Vorgehen bei allen ähnlich.

Erst kaufen Sie Goldschmuck zu Schleuderpreisen, um es anschließend einzuschmelzen und illegal zu verschiffen.

„Im Moment liegt der Goldpreis bei 20 Euro pro Gramm. Aber viele zahlen gerade mal die Hälfte“, berichtet ein Experte Kathimerini. Doch damit müssen sich die meisten Griechen, die in diesen Krisenzeiten jeden Cent benötigen, zufriedengeben. Denn durch Steuererhöhungen, Lohnkürzungen und Arbeitslosigkeit hat sich in vielen Familien die Lage drastisch verschlechtert. Oftmals bleibt nur noch der Weg zum Pfandleiher: So versetzen tausende Griechen ihre Wertgegenstände wie Gold, Schmuck, Uhren und Silber im großen Stil.

„Zu Beginn der Krise brachten noch viele ihre Wertgegenstände her, in der Hoffnung sie bald wieder einlösen zu können“, erklärt ein Pfandleiher. Nun haben sich die Bedingungen geändert: Die Griechen versetzen alles was sie besitzen, weil sie jeden Cent für den alltäglichen Bedarf benötigen, mit der schmerzlichen Gewissheit, diese niemals wieder einlösen zu können. Genau von dieser Not profitieren die Pfandhäuser, die wissentlich „geliehene“ Wertgegenstände illegal verschiffen.

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Kommentare

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  1. Gold testen ist möglich sagt:

    Man kann Gold und Goldlegierungen ja auch (selbst) prüfen oder bei der Goldaufkaufstelle es machen lassen. Früher hat man das noch mit einfachen Karat-Testern (nur an der Oberfläche) getan. Für Goldbarren und Goldmünzen gibt es aber schon Ultraschallgeräte dafür. Die prüfen das ganze Stück. Bei Schmuck gehen Röntgenspektrometer zum Testen. Also ich würde selbst in einer totalen Finanzkrise (vielleicht kommt sie auch noch in voller Härte nach Deutschland) Gold nicht für die Hälfte des eigentlichen Wertes verkaufen wollen, nur weil der Pfandleiher oder kleine Goldankäufer einfach sagt, das es nicht reines Gold sei. Er sollte dann schon mit einem nachvollziehbaren Analyseergebnis (Fakten & Daten!) kommen, damit ich das auch glauben kann, was er sagt. Also, selbst wer Barren oder Münzen besitzt, muß nicht einfach seine Schätze für die Hälfte hergeben. Einfach mal googlen unter „Goldbarren ATS 1000“ oder „Goldmünzen ATS 1000 prüfen“. Wer Gold oder Silber besitzt, sollte am Ende ja nicht der Dumme damit sein.

  2. Cap Matifou sagt:

    zu 43€ vs 20€
    Lass uns hoffen gemeint ist bloß 14c oder 18c Schmuckgold, kein 999 Anlagebarren. Aber man kann bei Ferfal nachlesen, in Argentinien nahmen die Pfandleiher Reingold ebenfalls nur als Bruchmetall mit 500-er oder 625 Reinheit, weil man vor Ort in keiner Weise nachtesten konnte. Und den Preis hat der Ankäufer diktiert, nicht der Verkäufer, der in Schlange warten musste. Ferfal sagt, es ist Torheit nur reines Metall in grosser Stückelung anzulegen.
    „No one pays for the true value of the stuff, so big WARNING!
    Sign on people that are buying gold coins. Since it is impossible
    to determine the true mineral percentage of gold, small shops
    and dealers will pay for it as regular jewelry gold.“
    http://ferfal.blogspot.com/2008/10/thoughts-on-urban-survival-2005.html
    http://ferfal.blogspot.com/2009/03/scrapjunk-gold-as-post-shtf-pocket.html

  3. niks sagt:

    solche zustände gibt es doch auch in berlin,london oder paris! also warum nicht auch in athen?

  4. Karl-Heinz sagt:

    Die Griechen sind uns nur 12 Monate voraus.

    Mit uns wird man genauso grausam verfahren.

    KOSTE ES WAS ES WOLLE ist Merkels Schlachtruf.

  5. Silbermann sagt:

    Hier wirds bald ganz ähnlich ablaufen…

  6. Meinungsfreiheit sagt:

    Das griechische System: Bilanzfälscher, Betrüger und Steuerhinterzieher. Noch Fragen?

  7. george.orwell sagt:

    „Im Moment liegt der Goldpreis bei 20 Euro pro Gramm. Aber viele zahlen gerade mal die Hälfte“,

    So ein Quatsch – der Preis pro Gramm liegt (zB bei einer 1 Unzen-Münze) zur Zeit bei rd. 43€ nicht bei 20€ !

    • Steffen sagt:

      Evtl bei der Scheideanstalt gibt es 40 Euro. Falls Sie vorhaben Ihren Goldschmuck bei den zahlreichen Shops (Einkaufszentrum, Schreibwarenläden) abzugeben bekommen Sie ca. 20-50% vom Wert. Für die ganz Blöden (RTL Zuschauer), die Ihr Gold per Post einsenden gibt es max. 10%, die TV-Werbung muss auch finanziert werden.

    • tomorrow sagt:

      Wer wirklich so „dusselig“ ist, „sein nicht mehr benötigtes Altgold“ in einem Freiumschlag an eine X-beliebige Firma zu schicken, in der Hoffnung dafür ein paar Fetzen bedruckten Papiers zu erhalten, ist hoffnungslos unterqualifiziert. Wertgegenstände zu besitzen ohne den Wert zu kennen ist schon fahrlässig. Sich ahnungslos oder gutgläubig der penetranten Werbung solcher „Goldprofis“ hinzugeben, ist leider unbeschreiblich dumm.
      Solche Firmen setzen auf die Bevölkerungsteile, die ihre Lebenspriorität nicht in der Bildung suchen. Damit haben sie Erfolg. Vor Neppern, Schleppern und Betrügern wird ständig gewarnt.
      Ab einem gewissen Intelligenz-Level braucht man nicht mehr vor Scharlatanen warnen, dass versteht sich von selbst.
      Unterhalb des Levels braucht man grundsätzlich keinen mehr warnen, denn es wird sowieso nicht verstanden. Hä?

  8. Milton sagt:

    Griechenland ist halt nunmal das südliche Ende des Balkans.
    Und die geschilderte Praxis ist dort gute Tradition. Quasi Hanseartische Kaufmannschaft im balkan-style.