EU-Gipfel: Spekulanten warten auf die Chance zur Attacke

Bei diesem EU-Gipfel stehen Angela Merkel und Nicolas Sarkozy unter echtem Druck. Denn weltweit lauern Spekulanten darauf, dass sich die EZB überhoben haben könnte. Dann könnte es innerhalb eines Tages einen Angriff auf ein Euro-Land geben.

Wie bei jedem EU-Gipfel wird es auch diesmal schöne Worte geben. Allein, sie werden nicht reichen. Denn im Grunde ist der Euro in den vergangenen Monaten sturmreif geschossen worden. Es gibt nach Ansicht der meisten Beobachter eigentlich nur eine Chance: Zeit zu gewinnen. Aber der Zeitgewinn ist diesmal mit harten Schnitten verbunden: Gelddrucken, Eurobonds oder Eingreifen des IWF sind die Optionen, die verbleiben. Egal, welche die EU-Regierungschefs ziehen: Sie werden um radikale Maßnahmen nach dem Zeitgewinn nicht mehr herumkommen (im Grund geht es um die Neuerfindung der EU bei voller Gefechtslage – mehr hier).

Anders als bei früheren Gipfeln ist jedoch auch der Zeitgewinn selbst schon überlebensnotwendig. Denn weltweit haben sich Spekulanten in Stellung gebracht, die den Euro gern abschießen möchten. Goldman Sachs verkauft schon seit langem Wetten gegen Europa (mehr hier). Und je weniger Spielraum die Politik hat, desto größer sind die Chancen der Wettkönige, mit dem Euro-Crash richtig Geld zu verdienen.

Solche Attacken ist nichts Ungewöhnliches. 1992 wetteten George Soros und andere gegen das britische Pfund. Die Situation war der von heute nicht unähnlich: Im Zuge der Euphorie der Ost-Öffnung durch den Wegfall des Sowjet-Imperiums vergab die Bank of England Milliardenkredite zum Wiederaufbau Osteuropas. Es zeigte sich, dass viele davon nicht bedient werden konnten. Die Ostöffnung erwies sich als Fass ohne Boden – und brachte das Pfund an den Rand des Zusammenbruchs. Wegen der Attacke von Soros & Co. flog das Pfund aus dem Europäischen Währungssystem raus und musste abgewertet werden.

Die Situation heute ist nicht unähnlich. Denn die EZB hat keine ausreichende Kapitalbasis, um einen Angriff auf ein Land abwehren zu können (und die Bundesbank hat keine Assets mehr, um der EZB Flankenschutz zu geben – mehr hier). Ein Angriff könnte innerhalb eines Tages stattfinden. Und um dies zu vermeiden, braucht die Euro-Zone einen robusten Verteidigungswall. Dieser muss die Spekulanten entmutigen. Nur wenn sie ernsthaft damit rechnen müssen, dass sie ihre Wetten gegen den Euro verlieren können, werden sie ihren Wetteinsatz zügeln. Gelddrucken, IWF oder Eurobonds – das sind die Kanonen, die die Spekulanten abhalten könnten. Der Ökonom Frank Westermann von der Universität Osnabrück: „Die Ankündigung, dass diese Mittel zur Verfügung stehen reduziert die Erfolgsaussichten eines Angriffs, und damit die Wahrscheinlichkeit, dass er kurzfristig eintritt.“

Dieser Schutzwall für den Euro hat seinen Preis. Denn langfristig sind diese Defensivkonzepte für den Euro nicht ausreichend, um die Krise in den Griff zu bekommen. „Vor allem müssen die Leistungsbilanzdefizite reduziert werden.“, sagt Westermann. „Durch eine interne Abwertung, also eine Reduzierung von Löhnen und Preisen, könnten Exporte steigen. Wenn dies nicht möglich ist, müssten die Importe und andere Ausgaben reduziert werden.“ Kurzfristige Maßnahmen wie das von einigen EU-Ländern geforderte deutlichere Einschreiten der EZB in den Staatsanleihemarkt, hält er ohne die Anwendung von wirklichen Reformen für einen Fehler. „Wenn echte Reformen ausbleiben, macht es den Zusammenbruch, wenn er später doch kommt, teuer.“

Der EU-Gipfel ist also nur eine Etappe. Vielleicht gewinnen Merkel und Sarkozy die Schlacht um Brüssel (selbst die Deutschen sind pessimistisch – mehr hier). Der Krieg aber wird weitergehen. Die einen sehen ihn als Wirtschaftskrieg gegen die USA (mehr hier), andere wiederum hoffen, dass die EU sich selbst aus dem Sumpf ziehen kann (mehr hier). Echte Europäer werden sich indes erinnern, dass es einmal einen erfolgreichen Feldherrn gab, der zwar eine Schlacht gewann, den Krieg jedoch verlor. Sein Name war Pyrrhus und er stammte aus Griechenland.

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Kommentare

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  1. kneipier sagt:

    Und vor dem Gipfel haben alle wichtigen Teilnehmer ihre Instruktionen aus USA bekommen:
    “US-Finanzminister Timothy Geithner reist vor dem Hintergrund der Euro-Schuldenkrise am kommenden Dienstag (Anm.: 06.12.11) zu hochrangigen Gesprächen nach Europa. Im Mittelpunkt der Beratungen stünden die ‘Bemühungen zur Stärkung der Institutionen in der Eurozone’, teilte das Finanzministerium in Washington am Freitag mit. Zum Auftakt trifft Geithner demnach am 6. Dezember in Frankfurt am Main auf EZB-Präsident Mario Draghi und Bundesbankpräsident Jens Weidmann. Am Nachmittag steht anschließend in Berlin ein Gespräch mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) auf dem Programm. Am Mittwoch kommt Geithner dann in Paris mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und Finanzminister François Baroin zusammen. Danach reise der US-Finanzminister nach Marseille zu Beratungen mit dem designierten spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy. Zum Abschluss seiner Visite will sich Geithner laut der Mitteilung am Donnerstag in Mailand mit Italiens Regierungschef Mario Monti treffen./fb/DP/he”

    Quelle:
    http://www.comdirect.de/inf/news/detail.html?ID_NEWS=213998658&SEARCH_VALUE=timothy&NEWS_CATEGORY=&RANGE=1W&DATE_START=08.12

    Geitner sag an, wir folgen….

    Erbärmliches Schauspiel.

  2. klimperkasten sagt:

    @ redaktion

    Bitte bitte kehrt doch zur alten Chronologie der Kommentare zurück. Da direkte Antworten – ich nenne sie mal „Querkommentare“ nach wie vor unter jenem Beitrag erscheinen, auf den sie sich beziehen, ist man ist ja nur noch am Rauf-und-Runter-Scrollen und Zeiten-Vergleichen. Sorry, aber so viel Zeit hab‘ ich dann auch wieder nicht.

    • redakteur sagt:

      Wir haben da dem Wunsch einiger Leser entsprochen. Wir schlagen vor, wir probieren das jetzt mal einige Tage aus, und wenn es zu lästig ist, können wir es wieder ändern. Die Redaktion

      • M.Schmidt sagt:

        Das HB hat das gut gelöst, da kann man zwischen Debatte und Chronologie umschalten. Und als Vorabeinstellung wäre Chronologisch sicher die beste Lösung …aus meiner Sicht!

      • klimperkasten sagt:

        Ich habe das Wort zwar vermieden, aber „lästig“ bringt es auf den Punkt 😉

  3. Joey2011 sagt:

    Hatten wir das in der Vergangenheit nicht schon mal?! Wollten die Römer nicht auch alles in Rom zentralisieren und von dort aus steuern und regieren?Was wurde daraus?