Banken finden keine Käufer für ihre Assets

Um ihr Kapital aufzustocken, verkaufen europäische Banken nicht mehr nur Staatsanleihen, sondern ganze Unternehmensteile und ziehen sich aus Märkten zurück. Doch selbst für hochprofitable Assets finden sich kaum Käufer

Aufgrund der geforderten Eigenkapitalquote versuchen europäische Banken wie auch die Deutsche Bank und die Société Générale, in den nächsten zwei Jahren Anleihen im Wert von einer Billion Dollar zu verkaufen. Doch die anhaltende Krise zwingt sie dazu, immer niedrigere Preise in Kauf zu nehmen bzw. Verkäufe zu verschieben (auch Stellenkürzungen nehmen sie in Kauf). “Die Banken machen große Versprechungen für das nächste Jahr, aber sie finden keine Käufer”, sagt Chris Wheeler von der Mediobanca SpA. Die Käufer „verpassen vielleicht fantastische Chancen, aber es geht nur noch darum, vorsichtig zu sein.“

So sind die Denizbank AS, ein türkisches Kreditinstitut, das zur Dexia Bank gehört, oder die Bank Millenium durchaus profitable Geschäfte, die jedoch nicht leicht zu verkaufen sind. Die portugiesische Banco Comercial musste kürzlich den Verkauf der Bank Millennium in Polen aufgrund der schlechten Marktbedingungen verschieben. Sie hatte es nicht geschafft, in der letzten Verkaufsrunde Angebote zu akquirieren, berichteten Quellen Bloomberg. Und das, obwohl das polnische Unternehmen im Oktober bekannt gab, im vorangegangenen Quartal den höchsten Gewinn innerhalb der letzten drei Jahre erreicht zu haben.

Spaniens größte Bank, die Banco Santander, musste kürzlich auch ihr Lateinamerika-Geschäft verkleinern, weil sie versucht, 5,2 Milliarden Euro zusätzliches Kapital zu erlangen. Vor zwei Tagen gab die Banco Santander den Verkauf des kolumbianischen Teils der chilenischen Corpbanco für 1,2 Milliarden Dollar bekannt und erhielt gestern 958 Millionen Dollar durch den Verkauf von 7,8 Prozent der chilenischen Bank. Doch trotz des Verkaufs dieser Anleihen bzw. ganzer Geschäfte zu extrem niedrigen Preisen kann es für die europäischen Banken besser sein, sich von diesen zu trennen. Denn auch die Anteile oder Geschäfte zu behalten, kann die Banken etwas kosten. Es ist zwar nicht unbedingt so, dass einiger dieser ausländischen Banken unbedingt Verluste machen, „aber die verschlingen viel Kapital“, erläutert Alain Garnier von Linklaters LLP, einer weltweit tätigen Wirtschaftskanzlei.

Schwierige Bedingungen herrschen auch bei den Verkäufen von Unternehmensteilen wie der Vermögensverwaltung oder dem Private-Banking, da hier die Regulierungen für die Unternehmen das Geschäft eher für Käufer außerhalb des Bankengeschäfts durchführbar macht. So befindet sich die Deutsche Bank derzeit in Gesprächen mit potentiellen Käufern seiner Vermögensverwaltung, die der Deutschen Bank vermutlich weniger als vier Milliarden Dollar einbringen wird, schätzen Experten.

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Kommentare

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  1. Albert Albern sagt:

    Die Banken müssen sich eins bewusst machen:

    Die gesuchten Käufer müssen auch das erwünschte Geld haben! Um wie viel Geld geht es??? Um eine Billion Dollar?

    Ohne Moos nichts los…

  2. Vanessa_ sagt:

    „So sind die Denizbank AS, ein türkisches Kreditinstitut, das zur Dexia Bank gehört, oder die Bank Millenium durchaus profitable Geschäfte, die jedoch nicht leicht zu verkaufen sind.“

    Wer bitte soll da sein Geld anlegen? Banken, wo man keinen Bezug und Ansprechpartner hat!? Kleinanleger imt 5.000 oder 10.000 € fallen gar nicht ins Gewicht, wenn es inzwischen um Milliarden und Billionen geht. Und die richtig großen Fische, die mit Millionen oder Milliarden Geschäfte machen könnten, wissen, dass sich das System erschöpft (deshalb auch kein „Vertrauen“ mehr). Irgend jemand muss doch die Zinsen (Rendite) erwirtschaften, die die Investoren einfahren wollen. Aber wer fasst schon gern einem nackten Mann in die Tasche? Scheint sich alles dem Ende zu nähern.

  3. Gast sagt:

    Die einzigen Assets die die Finanzindustrie hat sind ihre Bad Banks

  4. kneipier sagt:

    Das ist doch kein Wunder!

    Mittlerweile ist es den Entscheidungsträgern bekannt, daß sich weder derzeit noch in Zukunft eine Gewinnsteigerung oder gar Profitoptimierung erzielen lässt.

    Weltweit ist die Wirtschaft im A.rsch.

    Leute mit Weitblick setzen jetzt auf Krisenvorsorge und Vermögensrettung sowie Vermögenserhalt.

    Mehr geht nicht.