Eurokrise: Österreich fürchtet sich vor dem Schilling

Kommt es zu einer Teilung Europas in eine starke Nord- und eine schwache Süd-Zone, hätte das für Österreich gravierende Folgen. Der Chefvolkswirt der Bank Austria, Stefan Bruckbauer, meint: Österreich ist für die Nord-Zone zu schwach und müsse in die italienische Liga absteigen.

Viele Ökonomen glauben, der einzig richtige Weg aus der Eurokrise sei die Teilung der Eurostaaten. Hans-Werner Sinn beispielsweise, Präsident des Münchener ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, vertritt diese Haltung. Er spricht sich klar für eine Zweiteilung in eine Nordzone aus „gesunden“ Staaten und einer Süd-Zone aus kritischen Ländern wie Griechenland oder Italien aus.

Doch in welche Zone gehört dann Österreich? Chefvolkswirt der Bank Austria Stefan Bruckbauer warnt in einem Zeitungsinterview vor der Spaltung. Abgesehen von den Folgen für die gesamte Eurozone, würde vor allem Österreich darunter leiden, denn für den Sprung in die Nordzone sei Österreich zu schwach. Die damit verbundene Wiedereinführung des Schillings hätte schwere Auswirkungen. Selbst Deutschland hätte nicht genug finanzielle Mittel, Österreich in der Nordzone zu halten.

Auch Karl Aiginger, Leiter des Wiener Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) stützt Bruckbauers These. Er betont, ein Zusammenbruch der Eurozone wäre das „Worst-Case-Szenario“ für Österreich. Mit dem Ausschluss aus der Nordzone würde sich Österreich am Rande Europas vorfinden – eine Situation die den Zeiten des Eisernen Vorhangs gleichkommen würde. Österreich würde die Konsequenzen schmerzlich zu spüren bekommen: Drastische Rückgänge im Export sowie hohe Arbeitslosigkeit sind nur einige davon. Eine Bankenkrise sei ebenfalls nicht auszuschließen, warnte Aiginger.

Die Regierung versucht, den Anschluss an Europa zu halten. Sie ist wegen der massiven Korruptionsskandale in den vergangenen Monaten unter Druck geraten und dabei so tief gesunken, dass die Österreicher mittlerweile der EU mehr vertrauen als der eigenen Regierung (mehr hier). Bundeskanzler Werner Faymann von der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) sowie Vizekanzler und Außenminister Michael Spindelegger von der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) wollen Österreich daher um jeden Preis in der Eurozone halten. Deshalb haben sie auch schon erste Maßnahmen eingeleitet wie die Einführung einer Schuldenbremse eingeleitet. Am Mittwoch wurde der Gesetzesentwurf zur Verschuldungsgrenze bereits mit einer einfachen Mehrheit verabschiedet.

Gegenstimmen zeigen sich bisher vor allem aus Reihen der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ). Der Vorsitzende Heinz-Christian Strache fordert von der Regierungskoalition schon seit längerem den Ausstieg Österreichs aus der Eurozone zu einer offenen Diskussion zu machen. Wie Umfragen bestätigen, stehen jedoch Zweidrittel der Österreicher hinter der Regierungskoalition. Ob damit auch automatisch zwei Drittel für einen Verbleib in der Eurozone sind, kann man aus diesen Zahlen nicht ableiten.

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Kommentare

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  1. Fred Feuerstein sagt:

    Es ist unglaublich, was hochbezahlte Menschen für einen Schwachsinn von sich geben ! Aber warscheinlich gerade deshalb.
    Wenn das Stammhaus, die Unicredit ist, dann wundert es mich nicht, dass Österreich für einen Nord-Euro zu schwach ist.
    Österreich ist auf einmal am Rande von Europa ? Es wäre schön, wenn es so wäre, dann hätten wir endlich neue Nachbarn, mit denen man besser auskommt als mit der EU !
    Östereich endlich in Europa ! Das sind, so glaube ich, Wünsche der „Neuen Welt Regieriung“.
    Sollte man wirklich darüber abstimmen, ob man nicht wieder den Schilling einführen sollte, dann bin ich zu 100 % überzeugt, dass es das Ende vom Euro in Österreich wäre.
    Zu Zeiten des „Eisernen Vorhangs“ hatten unsere Banken nicht die Probleme, dass man beten muss, die ausständigen 260 Milliarden € aus Osteuropa wieder zurück zu bekommen. Sollte das misslingen, dann hat man ja schließlich schon ein Sparprogramm auf die Reihe gebracht: „Mehr arbeiten für weniger Geld = Zukunft in der Sklaverei“ !
    Eigentlich kenne ich noch niemanden, der die Zaubeworte zur Einschüchterung des Volkes wie: Katastrophe, Exportverluste, Geldentwertung, Arbeitslosigkeit, Apokalypse, etc. bestätigen kann, wie es wirklich aussehen wird. Aber was wir heute erleben ist ja der Normalzustand, somit kann es ja nur schlechter werden.
    Wenn also die Sparmaßnamen, durch mehr Arbeit, weniger Geld und Ruhigstellen der Bevölkerung funktionieren wird, dann wird sich das System, wie gehabt weiter fortsetzen und die Bankster, sowie die Politiker (sie sitzen ja im gleichen Boot) mit uns zufrieden sein. Vielleicht wird dann der eine oder andere zu einer Bilderberger Konferenz eingeladen um uns vor der nächsten Wahl glücklich und zufrieden von den Plakatwänden zuzulächeln. Wunderbare Zukunft ! Österreich (nicht nur Wien) ist eben anders !

    Wie denkt ihr darüber ???

  2. sensortimecom sagt:

    Die Gefahr, dass Österreich zwischen zwei Stühle gerät und in einem fiskalischen schwarzen Loch versinkt, ist groß. In diesen Fall fallen ihm auch noch alle EU-Oststaaten, wo sich österreichische Banken bis zur Halskrause involvierten, auf den Kopf. Für eine Rettung des Staates und der Banken wird dann kein Geld mehr übrig sein. Noch schlimmer: Wie uns Ereignisse in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigen, könnte es dann sogar passieren, dass Österreich für das gesamte Desaster auch noch hauptverantwortlich gemacht wird. Kein schöner Ausblick.
    Hätten sich Österreichs Politiker in den 90er-Jahren zu den Grundsätzen jenes Staatsvertrages von 1955 bekannt, der die immerwährende Neutralität nach dem Muster der Schweiz festschrieb, so wäre es nie so weit gekommen. Aber die Verlockung des Geldes war für Politik, Banken und Industrie einfach zu groß.

  3. ASTRO-WOLF sagt:

    Zumal ALLE Pensions- und Sparguthaben schon (mehrfach) veruntreut wurden, das Weltfinanzsystem sich doch schon vor Jahrzehnten von der Realwirtschaft abgekoppelt hat, und das MEHRTAUSENDFACHE an „Geld“-Menge computer- und wettgeneriert (Stichwort „Derivate“), IST DOCH SO ODER SO JEDE WÄHRUNG NUR KLOPAPIER!

    Auch die nächste Währung – egal wie sie heißen wird – wird WIEDER NUR KLOPAPIER sein, da sie nur eine Chaosübergangswährung sein wird.

    Kredite wird es nur noch zu horrenden Zinsen geben, und die staatliche „Terrorkratie“ wird auf gerade mal 10% der derzeitigen „Verwaltungs-Bubble“ entbläht – Hektik und Stress werden wieder beschaulicher Ruhe weichen! (Für das, was ich nicht kaufe, brauche ich auch nicht Lebenszeit zu verarbeiten.)

    Erst danach dürfte dann wieder ECHTES GELD KOMMEN = GOLD- & SILBERMÜNZEN!!!

    (Wer seiner Zeit voraus sein will, hat seine „Schäfchen“ schon jetzt ins goldigsilbrige Trockene gebracht!)

    Dank an die kooperative Redaktion für das Umdrehen der Postings!

    • klimperkasten sagt:

      @ASTRO-WOLF
      Mir scheint, Sie sind der einzige, der die umgedrehte Chronologie der Postings befürwortet. Ich empfinde diese als umständlich, zeitraubend und mühsam. Wie geht es anderen damit?

  4. Hadik sagt:

    Meine Hoffnung liegt noch immer darin, dass mit dem Zusammenbruch des Euros die unfähigen und nutzlosen Steuergeldparasiten (aka Bundesparteien) davon gejagt werden. Österreich im jetzigen Zustand mit all seiner Korruption und Freunderlwirtschaft ist nichts Anderes als das weiße Zimbabwe.

  5. Ondoron sagt:

    Der Schilling war an die DM gekoppelt. Ebenso wie der Gulden. Wo ist das Problem? Der Nordeuro wäre ja nichts Anderes als das früher schon Bewährte!
    Der Chefvolkswirt spielt wieder auf der Propagandaflöte des Angstmachens um den Euro zu stützen. Durchsichtiges Manöver.

    • Souveränität sagt:

      Jedes Land konnte seine nationale Währung abwerten und damit konkurrenzfähig bleiben- diese Freiheit soll jedes Land wieder bekommen!
      Ob eine Währung an die DM damals oder an den USDollar angekoppelt ist, das spielt keine Rolle.

      • jay twelve sagt:

        Lieber „Souveränität“ Du siehst das verkehrt.
        Abwertung eigene Währung ist ein Selbstbetrug, zugleich Einladung für die Hyänen und Schakalen, sich das Fleisch zu holen und das Volk darf die Knochen ablutschen.
        Ganz das Gegenteil ist zu empfählen: Wechselkurs der NEUE Währung, 1 : 10 mit Dollar & Euro für 10 Jahre festlegen. Oberste Priorität ist die Belebung des Binnenmarkts. Exportieren nur das, was der Markt unter neuen Premissen haben will.
        Der Staat soll sich um eigene Bürger Wohlergehen bemühen und nicht sich selbst, durch Exportgeschäfte auf Pump, um jeden Preis ruinieren.
        Schließlich sind Euro & Dollar nur Ramsch Währungen.

    • Ameeopn sagt:

      Dazu muss man wissen, dass die Bank Austria zur UniCredit gehört, also den Italienern, und es wäre vermutlich in ihrem eigenen Interesse zum „schwachen“ Euro zu gehören, wie die Muttergesellschaft.

      Leider nennt dieser „Experte“ keine wirklichen Argumente. Er übersieht auch, dass Österreich über die Kopplung des Schillings in den 80er Jahren mit der deutschen Wirtschaft bereits gleichgeschalten war. Sämtliche fiskalpolitischen Maßnahmen wurden mit Deutschland abgestimmt. Auch wenn es in Österreich andere Kostenstrukturen gibt, weil hier alles ein bisschen kleiner ist, so hat das bisher sehr gut funktioniert.

      Natürlich könnten sich diese Bedingungen noch einmal verschärfen, wenn eine Währung (Euro-Nord) stark aufwärtet. Die Landwirtschaft würde das vermutlich spüren … vermutlich auch der Tourismus. Der Dienstleistungssektor eher weniger, genauso wenig wie die Industrie.

      Die einzelnen Menschen (Arbeiter & Angestellte) würden davon profitieren, weil ihnen mehr im Geldbörsl bleibt … u.a. wegen der billigeren Importe. Für so manches Unternehmen gäbe es womöglich schwierigere Absatzbedingungen. Aber wie gesagt, scheint dieser Banker hier Eigeninteressen zu verfolgen.

  6. Nordzone sagt:

    Bitte keine neue Experimente!
    Später werden die Österreicher oder Holländer als „faul“ beschimpft nur weil dumme deutsche Politiker versagen.
    Jedes Land soll ihre nationale Währung bekommen und die Verantwortung für ihre Probleme übernehmen.
    Und das Hauptproblem heisst StaatsSCHULDEN, die NIE! zu tilgen sind.

  7. Zackinger aus Österreich sagt:

    Die österreichische Bevölkerung wollte nie von dem an die Deutsche Mark gekoppelten Schilling weg. Die Mehrheit der Denkenden würde auch jetzt sofort wieder – und zwar sehr gerne – zur alten Währung zurückkehren. Die ganz ungerechtfertigte Panik-Mache verschiedener Chef-Volkswirte und einiger exportorientierter Industrieller vor einem Auseinanderbrechen der EURO-Zone ist doch mittlerweile schon ein alter Hut und geradezu lächerlich. Wenn man uns aus der EURO-Zone ausscheren ließe, würden wir uns wieder an die Neue Deutsche Mark anlehnen und jedenfalls besser fahren als wenn wir wie Deutschland bis zum Sanktnimmerleinstag die PIIGS unterstützen müssten.

  8. Meckerziege sagt:

    Dass ohne € die Stunde der Wahrheit kommt, ist schon richtig, da muss nämlich endlich mal Kassensturz gemacht werden und dann wird wohl Jeder sehen, was wirklich in den Kellern rumliegt und stinkt.

    Bis jetzt konnte das noch immer hin-und hergeschoben werden, ohne dass es die Masse groß gemerkt hätte.

    Das wird man dann wohl alles nicht mehr verheimlichen können – ich denke, dass geht allen „Eliten“ und Volksverrätern mehr oder weniger so und das ist der einzige Grund, warum alle so rummurkseln und jeder an der Tischdecke zieht und zerrt, um sein Häufchen Dreck zu verdecken. Deutschland macht da keine Ausnahme, nur ist da das Häufchen vielleicht ein bisschen kleiner – aber auch nur vielleicht.

  9. Rico Coracao sagt:

    Das halte ich für Quatsch, wir lassen Österreich nicht wie eine Kartoffel fallen,
    da bin ich mir ganz sicher, solange wir noch nicht selber im Koma sind..!
    Die Österreichischen Banken machen ja die Probleme, weil wieder mal High-Risk im „Wilden Osten“ investiert wurde.. soll`n sie diese doch über`n Jordan schicken und neue aufmachen.. machen wir auch bald 🙂 Niemand wird diese Schulden je zurückzahlen

    • Osterreicher sagt:

      Doch wir die Steuerzahler wir wurden gestern in Brüssel einstimmig zur Rückzahlung unserer Staatsschulden herangezogen, und unsere Politiker können ungeniert weiter schulden machen