Notenbanken suchen nach Kapazitäten von Druckmaschinen

Mehrere Zentralbanken in Europa arbeiten an Notfallplänen für den Fall, dass der Euro kollabiert. Irland erkundigt sich bereits nach Kapazitäten von Druckmaschinen. Überall heißt es freilich: Dies seien rein vorsorgliche Maßnahmen, die nichts mit der Euro-Krise zu tun hätten.

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Die Märkte sind ob der Streitigkeiten in der EU skeptisch, wie die Euro-Rettung gelingen soll (mehr zur Schlacht von Brüssel – hier). JP Morgan Chase riet in einem Akt der Verzweiflung Investoren und Unternehmen, gegen den Kollaps des Euro zu wetten, wenngleich die Bank nicht davon ausgeht, dass man diesem Rat folgen werde. Die Zentralbanken verlassen sich jedenfalls nicht darauf.

Das Wall Street Journal hat aus mehreren Quellen erfahren, dass sich einige europäische Zentralbanken auf die Möglichkeit, dass Länder aus der Eurozone austreten oder die Währungsunion und somit der Euro an sich scheitern werden, vorbereiten. So evaluiert bereits die irische Zentralbank, wie sie den Zugang zu Druckmaschinen sicherstellen kann, um im Zweifelsfall Banknoten ihre frühere Währung wieder einführen zu können. Die Informanten des Wall Street Journal betonten, die Maßnahmen der Zentralbanken seien vorsorglich und seien kein Zeichen dafür, dass der Euro kollabieren würde. Dennoch ziehen die Zentralbanken nun Möglichkeiten bzw. Aktivitäten in Betracht, über die sie bis zum Herbst scheinbar noch nicht einmal nachdenken wollten.

Die meisten Länder der Euro-Zone haben dem Wall Street Journal zufolge nur begrenzte Kapazitäten, um Banknoten zu drucken. Die EZB, die nicht selbst Banknoten druckt, beauftragt jedes Jahr mehrere Euro-Zonen-Länder mit dem Druck bestimmter Euro-Banknoten. Unter diesen gibt es Länder wie Griechenland und Irland, die eigene Druckerpressen haben, aber auch Länder, die diese Aufträge an private Firmen weiterleiten, wie zum Beispiel die De La Rue im nordenglischen Gateshead. Da diese auch als Reserve für den Druck des britischen Pfund dient, fürchten einige Beamte der Bank of England, dass bei einem Zusammenbrechen des Euro, die De La Rue mit Anfragen zum Druck anderer Währungen überhäuft werden könnte, so die Informanten des Wall Street Journals. Die Bank of England könnte so selbst in Schwierigkeiten beim Druck geraten. Sechs Monate würde es dauern, eine neue Währung mit den notwendigen Sicherheitsvorkehrungen zu schaffen, erklärt Tim Cobbold, Geschäftsführer von De La Rue. Es gibt auch Gerüchte, dass in De La Rue seit einiger Zeit heimlich die D-Mark wieder gedruckt werde (mehr hier).

Montenegro zum Beispiel, das vor der Einführung des Euros die Deutsche Mark als Zahlungsmittel nutzte, beschäftigt sich mit dem Ende des Euros. Der Staat hätte eine „große Reihe an Möglichkeiten, vom Nutzen einer anderen ausländischen Währung bis hin zur Einführung einer eigenen Währung“, sagt Nikola Fabris, Chefökonom Zentralbank Montenegros. Ein Problem gäbe es jedoch, ergänzt er, Montenegro habe nicht die Kapazität, sein eigenes Geld zu drucken.

Bei der irischen Zentralbank diskutieren Beamte bereits, alte Drucker wieder zu aktivieren und sich nach zusätzlichen Druckmöglichkeiten bei großen Privatunternehmen umzusehen. „Es werden zur Zeit alle möglichen Dinge in Betracht gezogen, die vor zwei Monaten noch nicht in Betracht kamen“, sagte ein Sprecher der irischen Zentralbank. In Griechenland kursieren seit einem Jahr Gerüchte darüber, dass die Bank of Greece heimlich Drachmen drucke, was ein Sprecher der Bank jedoch verneinte (auch in Regierungskreisen stritt man jüngst über die Einführung der früheren Währung – mehr hier). Eine Londoner Handelsplattform arbeitet allerdings bereits an einem System für den Handel mit Drachmen (mehr hier).

Selbst in den europäischen Ländern, die nicht den Euro eingeführt haben, denkt man über mögliche Maßnahmen nach. Quellen berichten, dass Beamte der Schweizer Nationalbank sich bereits nach anderen Währungen umschauen, die sie als Referenzwert für den Schweizer Franken verwenden können, um die eigene Währung stabil zu halten. Auch Lettland und Bosnien-Herzegowina ziehen dies in Erwägung. Die Währung Bosnien-Herzegowinas etwa, die „Konvertible Mark“ (KM), war früher mit einem festen Wechselkurs an die Deutsche Mark gebunden war und ist nun an den Euro gekoppelt.

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Kommentare

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  1. felix krull sagt:

    „Irland erkundigt sich bereits nach Kapazitäten von Druckmaschinen.“

    Die Irische Zentralbank bestreitet den Bericht des WSJ:

    http://businessetc.thejournal.ie/we-are-not-printing-punts-central-bank-responds-to-wsj-printing-press-report-299710-Dec2011/

    fk

  2. Silber-Engel sagt:

    Falls sich jemand wundert, warum es hier so wenig Kommentare gibt – auch hier waltet die Zensur – Frechheit.

    • redakteur sagt:

      Das liegt nicht an Zensur, die wir nicht durchführen, sondern daran, dass es manchmal etwas dauert, alle Kommentare freizuschalten. Wir bitten um Verständnis!

  3. Jochen sagt:

    Wer noch Geld liegen hat, sollte es am besten in einen Schrebergarten investieren. Mit einer großen Anbaufläche für Kartoffeln, Möhren u.s.w.. Den Euro kann man dann als Toilettenpapier benutzen. :-)

    Achso und aktuell: Die Ratingagentur Standard & Poor’s nimmt sich jetzt auch noch die Versicherer vor.

    http://www.bwinvestment.de/wirtschaf1.html

  4. khaproperty sagt:

    Die sog. „vorsorglichen Maßnahmen“ nehmen zu:
    -bei EU-Staaten und auch den
    -Ausser-EU-Staaten,
    -bei den Gelddruckerien,
    -den Großbanken und
    -Versicherungen, bei den
    -Großgeldinhabern schon lange und
    -der kleine Mann sorgt sich zunehmend um seine Rücklagen.
    Nur die Politiker haben immer noch nichts bemerkt?
    Kaum zu glauben.

  5. tomorrow sagt:

    So wie ich die Lage interpretiere, steigt der schwache Dollar über den Weg des IWF in die EZB ein. (Das ist Fakt). Es würde in absehbarer Zeit eine gewisse Parität hervorbringen.
    Weiterhin ermöglicht es, die EURO-Staaten zu kontrollieren und sich über weitere politische und militärische Maßnahmen die Solidarität von Kern-Europa zu sichern, sowie die bereits geplanten Geopolitischen Maßnahmen durch zu setzen.
    Man sollte die Augen vor solchen „unvorstellbaren“ Überlegungen nicht verschließen.
    Kürzlich sagte ich, dass es möglich ist, mit dem EURO zu Bett zu gehen und mit dem Dollar auf zu wachen. So unwirklich ist das nicht, wenn man die jüngsten Begebenheiten betrachtet. Im übrigen ist vielen aufmerksamen Lesern der freien Medien klar, dass diese Sichtweise durchaus den Möglichkeiten entspricht.

  6. Karl-Heinz sagt:

    Zitat:“Überall heißt es freilich: Dies seien rein vorsorgliche Maßnahmen, die nichts mit der Euro-Krise zu tun hätten.“

    NIEMAND HAT VOR EINE MAUER ZU BAUEN !

  7. Alfons sagt:

    Alles Unsinn ! Die Griechen drucken keine Drachmen. Da wären sie doch ganz schön blöd.
    Die Druckmaschinen werden gebraucht um im Keller Euros zu drucken !
    Was sollen die PIGS mit Lira und Drachme ?

  8. kneipier sagt:

    Ist das eine subtile Einstimmung auf kommende Szenarien?

    Lesen bildet:

    http://www.amazon.de/s/?ie=UTF8&keywords=giesecke+devrient&tag=googhydr08-21&index=aps&hvadid=6980335011&ref=pd_sl_6txppq96yt_b

    Diese Firma druckt in Deutschland für Viele.

    Warum wurde die nicht befragt?

    Es sollte vor/ anlässlich des heutigen Gipfels die Merkel gefagt werden, ob die Neue Mark bereits flächendeckend eingelagert ist.

    Von der Antwort muss deren politische Zukunft abhängen.

    Da die ehrliche Antwort schon Kneipiers kennen…