Euro-Krise löst Einbrüche bei Chinas Exporten aus

Die Auswirkungen der Euro-Krise zeigen in China bereits reale Auswirkungen. Die schlechte Wirtschaftslage in beliebten Export-Ländern wie Italien bringen die Auslandsgeschäfte in manchen Regionen fast zum Erliegen.

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Eine der wichtigsten Stützen der chinesischen Wirtschaft ist der Export. In den ersten drei Quartalen diesen Jahres wurden rund 28 Prozent der erwirtschafteten Yuans mit Auslandsgeschäften eingenommen. Doch nun machen sich erste konkrete Auswirkungen der Euro-Krise in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt bemerkbar. Die Auslandsnachfrage ist deutlich rückläufig. Ob Kunsthandwerk oder Automobilhersteller, kleine, mittelständische oder große Unternehmen – die Einbrüche sind überall spürbar.

Rückgänge, die große Unternehmen unter Umständen noch im nationalen Markt mildern können, hinterlassen bei kleinen und mittelständischen Unternehmen größere Löcher. Ein Ort, der die abgeschwächten Exporte exemplarisch widerspiegelt, ist die Provinz Dangcheng, wie Reuters berichtet. In einer felsigen Landschaft gelegen, hat sich Dangcheng auf Steinmetzarbeiten spezialisiert. Statuen, Büsten, Brunnen und Reliefs sind in Massen nach Europa und Nordamerika geliefert worden. Mit dem Einbruch der pulsierenden Märkte – vor allem von Italien und anderen Staaten der Eurozone – fehlen dem Ort die Aufträge. Die Folge: Viele Werkstätten mussten schließen, einige haben ihre Volumen gedrosselt und Stellen abgebaut oder verlagern nun einen Teil in den Binnenmarkt.

Bis 2008 machten die Exporte mehr als 90 Prozent der Umsätze der Region aus, berichtet ein Landrat. Wu Huanzhen, Eigentümer einer Werkstatt erzählt von besseren Zeiten: „Wenn unser Geschäft gut lief, haben wir 900.000 Yuan pro Jahr exportiert“. In diesem Jahr ist es nur ein Drittel. Bisher war Italien der größte Abnehmer – dieser Zweig sei komplett weggebrochen, so Huanzhen.

Wie das Quyang Landratsamt für Skulptur-Industrie berichtet, gäbe es derzeit keine aktuellen Statistiken über den Export. Grund: Die Zahlen seien so stark gesunken, dass eine statistische Darstellung jenseits der Wahrnehmungsschwelle wären.

Die Provinz Guangdong besitzt die stärkste Wirtschaft des Landes, war einst Kraftwerk des chinesischen Aufschwungs. Doch auch dort hängt alles am Export – dies könnte der Provinz nun zum Verhängnis werden. Zur schwächeren Nachfrage aus Europa kommt nun noch, dass viele Unternehmen selbst auch nicht mehr alle Aufträge annehmen möchten. Zu groß ist die Angst, der Euro könnte fallen oder die Zahlungsfähigkeit der Auftraggeber könnte ausbleiben.

Hält diese Entwicklung an, könnte sie die hausgemachten Probleme (die erheblich sind – mehr hier) verstärken und die Möglichkeit eines Crashs in China beschleunigen.

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Kommentare

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  1. Paulchen sagt:

    Wir müssen alle sterben um wiedergeboren zu werden!

    Der Tod steht kurz bevor, lasst und jubeln und frohlocken denn die Wiedergeburt ist nahe!

    (warum immer alles so negativ sehen?)

  2. Kommunisten unter sich sagt:

    Die Chinesen müssen wie die kluge FDJ-lerin Merkel machen – die Exporte von Steurgeldern selbstfinanzieren….dann klappts auch mit der Planwirtschaft. 🙂

    • Karl-Heinz sagt:

      Das ist ein sehr wichtiger Hinweis von Ihnen, den aber nicht jeder versteht.

      Hier ein Vortrag des -geläuterten- Prof. Sinn, der natürlich nicht den Weg in den Mainstream gefunden hat:

      „In diesem Video erläutert Prof. Dr. Hans-Werner Sinn, wie es in Europa zu einer derartigen finanziellen Schieflage, wie wir sie jetzt haben, kommen konnte.

      Darüberhinaus behandelt er die Fragen, ob Deutschland wirklich der große Euro-Gewinner ist und ob die momentane Politik der Rettungspakete zielführend ist.

      Außerdem informiert er über ein Rettungssystem der EZB, das ohne das Wissen der Öffentlichkeit schon seit 3 Jahren läuft.“

      http://www.youtube.com/watch?v=tvcN1gkaEew&feature=related

      • FDJ sagt:

        Immer wenn ein deal abgeschlossen wird, in Süd Amerika, Asien oder in Afrika, Merkel tukelt immer mit, mit dem Deutschlands Checkbuch.
        Sie liefert die deutsche Ware und gleich das Geld mit, entweder als finanzielle Hilfe z.B. in Brasilien oder als Kredite, die nie zurück zu bezahlen sind- die Waffengeschäfte in Afrika.

  3. Karl-Heinz sagt:

    Die Globalisierung und die damit einhergehende wirtschaftliche Verflechtung ist schon ein großartiges Konzept.

    So haben wenigstens alle was von der Krise.

    Politiker früherer Generationen schützten ihren Markt durch Protektionismus.
    Allerdings regierten sie auch unter dem Luxus der eigenen Einschätzung und Entscheidung. Aber das ist schon sehr lange her; und gilt als altmodisch und politisch inkorrekt.

    • Michele sagt:

      Hat man vielleicht doch zuviel Kapitaltransfer in aussereuropische Länder zugelassen.
      Und jetzt fehlt es scheins in Europa an allen Ecken.

      Es ist eine global-Rettung angesagt.

  4. FDominicus sagt:

    Nun ja offenbar wurden diese Dingen auf „pump“ gekauft und mit Schulden etwas am Laufen zu halten, ist auf Dauer völlig unmöglich. Und das China wird crashen und irgendwann untergehen. Sozialismus funktionierte nie, funktioniert nicht und wird niemals funktionieren (auf Dauer). Dazu noch die fehlende Rechtsicherheit (die partei hat immer recht) . Ist alles mehr als genug für einen Crash.

    • Urgs sagt:

      Jaja, bei uns in Europa und drüben in den USA läuft es wesentlich besser als im sozialistischen (ist es das überhaupt?) China. Wir haben hier zum Glück kein Schuldenproblem… neoliberaler Kapitalismus forever!

      • Walter Schneider sagt:

        China ist beileibe nicht kapitalistisch. Es ist eher mit einem faschistischen System vergleichbar: Staat und Grosskonzerne sind letztlich „die Partei“. Das grösste Problem IST die Partei. Trotzdem Kleinst- und Kleinunternehmer geniessen eine Wirtschaftsfreiheit, die wir schon lange vergessen haben und ermöglicht vielen Menschen etwas aufzubauen ohne gleich von x Aemtern schon vor der Geschäftseröffnung durch Regulierung abgewürgt zu werden. Das grosse Problem ist jedoch die Korruption. Bei uns heisst sie „Partizipation“ der Nichtberechtigten, Nichtbetroffenen, Nichteignern und Nutzniessern der Leistungen anderer und ist formidabel bürokratisiert.

    • Vanessa_ sagt:

      Können Sie vielleicht erläutern, was das angeblich sozialistische China aus ökonomischer Sicht eigentlich anders macht als Deutschland bzw. die westlichen Industrienationen? Wir halten die Wirtschaft auch nur am Laufen durch Schulden, mehr Schulden und noch mehr Schulden.
      So wenig, wie Sozialismus funktioniert, genau so wenig scheint der Kapitalismus zu funktionieren. Denn die Lage in den westlichen Industriestaaten ist keinesfalls besser.

      Ich sehe da gewisse und unübersehbare Parallelen.

      PS: Wer Schulden mit noch mehr Schulden bezahlen will, ist entweder Ökonom, Politiker oder ein Idiot. (Den Spruch las ich kürzlich und fand ihn eigentlich sehr weise)

      • Walter Schneider sagt:

        Was China anders macht: Es ist eine Produktionsgesellschaft. Sie schafft Mehrwert und Wohlstand durch Produktion. Produktion ist, wenn Rohmaterial mit Energie versetzt, umgeformt und zu produktiven Zwecken benutzt wird – im Gegensatz zur Dienstleistungsgesellschaft, die nicht wirklich wesentlichen Mehrwert geschweige Wohlstand kreiert. Wohlstand kam, kommt und wird immer und nur aus PRODUKTION kommen. Jene, die wir für verachtenswert, abschaffenswert halten. Denken Sie doch mal nach: Nur dank Produktion kam Deutschland zum Wohlstand. China hat gelernt: Sie kopiert im Prinzip das deutsche Wirtschaftssystem, ganz ähnlich dem nach 1945. Denn, mehr Energie bedeutet Zivilisation. Weniger Energie bedeutet zivilisatorischer Rückschritt. Aber ginge es nach gewissen politischen Kreisen, die hätten sogar das Feuer verboten weil es „unkontrollierbar“ ist.

        Im Uebrigen, ich staune wie sie darauf kommen, dass wir „kapitalistisch“ wären. Wir sind ein grosser Haufen von Sozialisten mit Einsprengseln der Wirtschaftsfreiheit – und sogar die wird laufend reduziert. Oder ist das Wort „Vertragsfreiheit“ überhaupt noch ein mit Inhalten gefüllter und v. a. gelebter Begriff?

    • Walter Schneider sagt:

      Dazu noch die fehlende Rechtssicherheit? Das ist das ja gerade zentrale Problem der Chinesen.