Russland: Investoren befürchten arabische Verhältnisse

Die massiven Proteste von russischen Bürgern, die den offensichtlichen Wahlbetrug bei der Parlamentswahl nicht hinnehmen wollen, erhöhen die Angst der Investoren vor einem instabilen Russland. Allein diese Woche wurden russische Anleihen im Wert von 36 Millionen Dollar abgestoßen.

In Zeiten, in denen die Eurozone nicht mehr als sicherer Hafen gilt, schauen sich immer mehr Investoren nach anderen Möglichkeiten um. Doch selbst ein Land wie Russland, das nicht unter dem Einfluss der Eurokrise steht, verliert das Vertrauen der Investoren. Viele ausländische Investoren sorgen sich derzeit, dass der Unmut der russischen Bevölkerung über die Parlamentswahl in Russland wachsen könnte.

Eoghan Flanagan vom Fonds-Manager Liontrust erzählt, das Unternehmen habe bereits vor der Wahl die Bestände russischer Anleihen reduziert. Aber Liontrust sei besorgt, dass die Proteste die Ausmaße der Aufstände in der arabischen Welt, wie etwa in Ägypten, annehmen könnten und so auch zu einem massiven Abschwung der russischen Wirtschaft und weiteren Investitionsabzügen führen könnte. Allein in Moskau demonstrierten den Organisatoren zufolge 50.000 Russen – die russische Polizei sprach von 25.000. Die russischen Aktien fielen dementsprechend in dieser Woche um 8,5 Prozent.

„Jeder, der in Russland investiert, weiß, dass er in einen Status-Quo investiert, der nicht tief mit Demokratie verwurzelt ist“, sagt Eoghan Flanagan. Ein weiterer Fonds-Manager sagte Reuters, das Problem sei auch nach Putins Antritt als Präsident im März nicht vom Tisch. Putin werde viel arbeiten müssen, um das Vertrauen der russischen Bevölkerung zu gewinnen.

Die Investoren fürchten, dass der Kremlin in Folge dessen die Ausgaben erhöhen und die wachsenden Gehälter und Renten weiter anheben werde. Dies werde zu einer Verschlechterung des russischen Haushaltes führen und Russland so noch verwundbarer hinsichtlich der Ölpreisentwicklung machen. „Die Proteste haben vielleicht keinen direkten Einfluss auf das grundsätzliche Bild“ der ausländischen Investoren, aber es sei nicht unbedingt das beste Ereignis in einer Region, in der Investoren“ nervös sind und Bedenken über Rohstoffpreise und Steuern vorherrschen“, sagt Zsolt Papp von Union Bancair Privee.

Bisher waren russische Aktien sehr attraktiv, da sie zu weniger als dem Fünffachen des Gewinns gehandelt werden, der niedrigste Wert unter den Schwellenländern. Aber allein diese Woche strichen ausländische Investoren, vor allem Fonds-Manager russische Anleihen im Wert von 36 Millionen Dollar, berichtete das Datensammlungsunternehmen EPFR. „Russlands Aktien waren im Vergleich zu den Ölpreisen nie so billig. Nicht einmal, als das Öl 2008 50 Dollar das Barrel kostete“, sagt Julian Mayo von Charlemagne Capital. „Das ist kein Ziel für neues Geld“, sagt Eoghan Flanagan. Bis jetzt liegt der Preis für Öl, Russlands Standbein, nicht unter 100 Dollar pro Barrel.

Es gibt jedoch ein weiteres besorgniserregendes Problem. Mit Kapitalflucht kämpft Russland schon seit einigen Jahren, aber in diesem Jahr machte sie entgegen der Erwartungen der Experten 80 Milliarden Dollar aus. Eine Eskalation in diesem Bereich könnte den Wechselkurs des Rubels stark treffen und so beispielsweise die in Rubel gezeichneten Versicherungen für ausländische Investoren unattraktiver machen. Die Angst vor der Entwicklung des Rubels hat auch die Union Bancaire Privee dazu bewegt, die in Rubel gezeichneten Anleihen geringer zu gewichten, erklärt Zsolt Papp.

Aber erst, wenn der Ölpreis dramatisch sinkt, schätzt Julian Mayo, wird es definitiv gefährlich. Auch der Fonds-Stratege Maarten-Jan Bakkum schaut noch optimistisch auf Russland. „Wenn du Russland verkaufst, was kaufst du dann? Zentraleuropa ist noch viel verwundbarer.“ Dennoch hat er Russland bei dem Schwellenländer-Fonds der ING nur mehr als neutral bewertet.

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Kommentare

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  1. Meckerziege sagt:

    Zu Deinen Fragen vom 12.12.11 um 11:54

    @ Druidenstein

    Zu 1. und 2. – das war eigentlich ein offenes Geheimnis. Jeder wußte das, aber darüber durfte natürlich nicht offen gesprochen werden. Das änderte sich erst kurz nach der Wahl im Mai 1989 und wurde ganz offen diskutiert, weil auch unsere Wälder abgeholzt wurden und nach Russland geliefert wurden – nach Russland !!! obwohl die in Holz erstickten.

    zu 3. – dazu kann ich nichts sagen, aber Schalck-Golodkowski lebt nicht unbehelligt am Tegernsee und La Fontaine hat nicht umsonst gewarnt. Der hat hier auch in Eisenach gesprochen und hat damals sogar ziemlich viel Zustimmung hier erfahren, weil 1989 / 1990 noch die allgemeine Tendenz herrschte, eine unabhängige DDR und einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ aufzubauen. Dazu hatte Stefan Heym und auch die Boley aufgerufen und die Menschen hier standen Schlange, um sich in den Listen einzutragen und die Schlangen waren sehr viel länger, als wenn es Bananen gegeben hätte.

    zu 4. – Hier muss ich wohl viel weiter ausholen – ich war ab 1984 mit einem Mann verheiratet, der Mitte 1981 direkt auf mich angesetzt wurde, den ich aber erst 1982 kennen lernte. Mein 1. Mann, von dem ich da bereits einige Jahre geschieden war, hatte 1973 in einer ziemlich spektakulären angeblichen „Flucht“ die DDR verlassen. Um mein Haus in dem ich wohnte, standen da 3 Tage und Nächte zwischen 5 und 8 Leute von der Stasi in Zivil aber mit den Kalaschnikows im Anschlag. Mir erklärte die Stasi dann, er habe brisante Papiere aus seinem Betrieb mitgehen lassen.

    Ca. 3 -4 Monate nach der Flucht kam mein Schwiegervater zu mir, er bräuchte einen Rat. Auf dem Konto meines Ex ging regelmäßig weiter sein Gehalt ein, in seiner Wohnung in Berlin mussten sich Leute aufhalten – die war nicht versiegelt wie sonst bei Republikflüchtlingen, sein Auto wurde nicht eingezogen und meine Schwiegereltern fuhren öfters nach Berlin und übernachteten in seiner Wohnung und bekamen seine Kontoauszüge direkt nach Eisenach zugeschickt. Alles sehr ungewöhnlich – das dickste Ding kommt aber noch.

    Mein Schwiegervater hat dann in Berlin persönlich im Betrieb meines Ex vorgesprochen und dann fand ich eine Karte bei meiner Tochter, die Ansichtskarten sammelte und ich nie diese Karten las – aber diese eine von meinem Ex doch. Und was stand da “ Dass Vati was wegen dem Geld unternommen hat, war ziemlich dumm. Das nächste Mal fragt mich vorher.“

    Diese beiden Sätze habe ich mir eingeprägt und die Karte dann verbrannt und danach ging der StasiTerror los, man wollte wissen, was ich wusste. Hätte ich nur ein einziges Mal durchblicken lassen, was ich wußte, wäre ich in Bautzen verschwunden und das sagten die mir auch noch frech ins Gesicht in einem der unzähligen nächtlichen Verhöre. Dazu haben die 4 Jahre vor der angeblichen Flucht meines Ex sogar 1969 – in der Nacht der Mondlandung – eine Story konstruiert und mich danach 3 Tage eingesperrt wegen angeblicher Republikflucht, ich hätte Jemanden überfallen, die im Grenzgebiet wohnt, diese betäubt und deren Ausweis geklaut, damit ich unbehelligt ins Grenzgebiet komme und von da weiter in den Westen. Wenn ich nicht sage, was ich weiß, würden sie das von 1969 noch mal wiederholen und dann würde ich nicht nach 3 Tagen wieder rauskommen sondern in Bautzen verschimmeln und meine Kinder kämen ins Heim.

    Zurück zu meinem 1. Ex: abgesehen davon, dass man nicht so einfach „fragen“ konnte, weil Post und alles andere kontrolliert wurde und mein Ex bereits nach 4 Jahren wieder einreiste zu Besuch und völlig unbehelligt blieb (trotz der angeblich entwendeten Papiere), gab es nur eine Erklärung – er war selbst bei der Stasi, die Flucht nur vorgetäuscht. Über meine Mutter – damals in Hannover wohnhaft – erfuhr ich dann, dass er über seinen besten Schulfreund direkten Kontakt in ein Ministerium in Bonn (vermutlich Inneres) hatte und dort wohl auch eingestellt worden ist. Das weiß ich aber nicht 100%-ig, weil das sehr geheimnisvoll gehandhabt wurde auch von meiner Tochter, die 1976 eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieb. Ich habe mehrfach versucht, nach 2006 mit den Beteiligten – 1. Ex, 2 Ex und meiner Tochter darüber zu reden, sie haben alle abgeblockt.

    Mein 2. Mann – der auf mich direkt angesetzt wurde – war Offizier bei der Polizei und bei der Stasi sogenannter OibE – Offizier im besonderen Einsatz, wurde direkt von der Hauptstelle in Berlin geführt und gehörte zur Truppe IX – Abwehr
    Gegenspionage im In-und Ausland und feindliche Dienste in der BRD

    Er hatte mir 1990 und gelegentlich auch später gesagt „Die DDR wurde ordnungsgemäß übergeben – wir waren pleite und konnten gar nicht verhandeln“ – ich habe das damals mehr oder weniger nicht so richtig für ernst genommen, sehe das jetzt natürlich ganz anders.

    Meine Akte habe ich übrigens erst 2006 geholt.

    zu 5.: da wurde immer mal was gemunkelt – ich selbst kann dazu erst mal nichts sagen.

    +++++++++++++++

    Ich hoffe, ich konnte Dir etwas helfen – das sind nur die wichtigsten Eckpunkte gewesen, es gibt noch ganz viele kleinere Puzzleteile.

    • Meckerziege sagt:

      @ Druidenstein

      schnell noch zur Erklärung, warum ein Oibe der Abteilung IX auf mich angesetzt wurde – das könnt Ihr ja nicht wissen.

      Ich war der Staatsfeind und hätte ja reden können, musste also eleminiert werden, wenn ich nur einem einzigen mein Wissen offenbart hätte – denn dann wäre die ganze schöne Legende meines 1. Ex zusammengefallen und man hätte einen wichtigen Mann in Bonn verloren.

      Nach Guillaume konnte man sich das wohl nicht mehr leisten.

      Ich habe mit niemanden geredet, erst nachdem ich meine Akte 2006 gelesen habe. So lange hatte ich noch immer Angst. Ich habe dann mal mit einem pensionierten BKA-Beamten gesprochen, der mir den dringenden Rat gab, auch weiterhin stille zu sein, wenn mir mein Leben lieb wäre und dass diese Connection noch immer aktiv seien, denn er vermutete einen Doppelagenten hinter meinem 1. Ex

      • Druidenstein sagt:

        Zunächst Dank dafür, daß Du mich aufgeweckt hast! Nun erinnere mich wieder ganz deutlich an die Lieblichkeiten der Zone. – Es ist interessant, daß die Liquidierung der EX-DDR-Genräle vor einigen Jahren noch als diskussionswürdig angesehen wurde und heute von gerade den Leuten als Hirngespinst abgetan wird, welche früher darüber tuschelten. Wo bitte kann man diesbezügliche Informationen bekommen? – Dein Schicksal läßt das Blut in den Adern erstarren: Die DDR übernimmt immer mehr von der BRD. – Was macht eigentlich Markus Johannes („Mischa“) Wolf ? Wann werden Gymnasien nach ihm benannt? Wo ist er schon Ehrenbürger?

        Zu 3.

        Erhard wollte DDR kaufen 02.10.2011

        In seiner Zeit als Bundeskanzler von 1963 bis 1966 hegte der CDU-Politiker Ludwig Erhard die Absicht, die deutsche Wiedervereinigung durch Milliardenzahlungen an die Sowjetunion zu erlangen. Die USAmerikaner waren als potentielle Vermittler in den geplanten Deal mit der Sowjetunion eingeweiht.

        In seiner Zeit als Bundeskanzler von 1963 bis 1966 hegte der CDU-Politiker Ludwig Erhard die Absicht, die deutsche Wiedervereinigung durch Milliardenzahlungen an die Sowjetunion zu erlangen. Das Vorhaben lässt sich nach Informationen des SPIEGEL aus neu zugänglichen und bislang unausgewerteten Akten der CIA und des Washingtoner Außenministeriums rekonstruieren, es taucht dort als „Erhard-Plan“ auf.

        Die USAmerikaner waren als potentielle Vermittler in den geplanten Deal mit der Sowjetunion eingeweiht. Als Summe für die Zahlungen an die Sowjetunion nannte der damalige Kanzleramtschef Ludger Westrick dem US-Botschafter in Bonn, George McGhee, „zweieinhalb Milliarden Dollar pro Jahr für zehn Jahre“, nach damaligem Umrechnungskurs insgesamt rund hundert Milliarden Mark. US-Diplomaten beurteilten in ihren Dossiers und Protokollen den Plan jedoch als „unausgegoren und unrealistisch“ und räumten ihm „fast keinerlei“ Erfolgsaussichten ein. McGhee sprach gar von „erheblicher politischer Naivität“. Erhards Wunsch, die US-Regierung möge dem Sowjetführer Nikita Chruschtschow seinen Plan antragen, blieb unerfüllt.

        Quelle: http://www.mmnews.de/index.php/politik/8605-erhard-wollte-ddr-kaufen-

        Nach der Freude über die als solche von den meisten Deutschen geglaubte und auch empfundene Wiedervereinigung, kommen auch diesbezüglich mit der Zeit sowohl Wahrheit als auch Ernüchterung auf. Denn in Wahrheit hat man in Moskau die SBZ für 600 Milliarden DM an die Westalliierten verkauft. Und diesen wahnsinnigen Kostenblock für den bloßen Besitzwechsel, den hat man natürlich dem Doofmichel in Form des Solidarzuschlages auf sein Auge gedrückt. Das heißt, die DDR-Bürger durften dafür, daß sie anstatt seit 1945 vom Ivan, ab 1989 vom Ami versklavt wurden, nun zum zweiten Male nach dem Kriegsende gezwungener Maßen ihre ganze Industrie mitsamt den dazu gehörenden Arbeitsplätzen an die Siegermächte abliefern und obendrein noch ein Viertel der 600 Milliarden DM, also 150 Milliarden oben drauflegen. Und weil kein einziger Deutscher über diesen erpresserischen Vorgang befragt wurde, geschweige denn hätte abstimmen dürfen, wird deutlich, daß hier im Deutschen Reich weiter das Besatzungsstatut greift. Ein besseres Geschäft konnten die Heuschrecken nun wahrlich nicht machen, zumal damit das Thema Wiedervereinigung ganz elegant vom Tisch in die unterste Schublade kam. Und die BRDDR bleibt weiter auf unbestimmte Zeit ein Stück amerikanisches Besatzungszone! Und wenn die Herren an der Ostküste finanziellen Nachschlag brauchen, dann verkaufen die Polen den Amis auch noch die deutschen Ostgebiete aber diesmal für 600 Milliarden Euro, und das Spiel der Deutschenverarschung beginnt auf ein Neues. Was meint Ihr dazu?

        http://rsv.daten-web.de/Germanien/IDR_- … E_-_V4.pdf

        Zu.5.

        VIELLEICHT SIND SIE JA AUF DIESE ODER ÄHNLICHE WEISE UMGEKOMMEN:

        Absturz: Ex-General Lebed tot Moskau –

        Der populäre russische Ex-General und Politiker Alexander Lebed (52) ist bei einem Hubschrauber-Absturz ums Leben gekommen. Außer ihm starben acht weitere Menschen, als die Maschine des Typs Mi-8 gestern bei der sibirischen Stadt Abakan abstürzte. Zwölf Menschen wurden verletzt. Nach ersten Ermittlungen war der Helikopter bei schlechter Sicht in eine Stromleitung geflogen. Lebed war zuletzt Gouverneur des sibirischen Gebietes Krasnojarsk gewesen. Als General hatte er im August 1991 den Umsturzversuch gegen den damaligen sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow mit vereitelt. 1996 trat er bei der russischen Präsidentenwahl gegen Boris Jelzin an und kam auf den dritten Platz. Als Sekretär des russischen Sicherheitsrates handelte er wenige Monate später ein Friedensabkommen für Tschetschenien aus. Präsident Wladimir Putin und Regierungschef Michail Kasjanow kondolierten Lebeds Familie. HA erschienen am 29. April 2002

        Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2002/04/29/18456.html

        • klimperkasten sagt:

          @ Meckerziege
          Respekt vor dem, was Sie erlebt haben. Wahnsinn.

        • Meckerziege sagt:

          @ Druidenstein:

          vielleicht liest der eine oder andere hier noch mit und kann mehr sagen. Mich musst Du bitte entschuldigen, ich hatte und habe keinerlei Ambitionen, mich z.B. für einen Mischa Wolf und dessen Wohlergehen zu interessieren.

          Für mich war in der Zeit ab 2006 vor allem wichtig, das in meiner Akte Gelesene zu verarbeiten. Ich habe dadurch zum Glauben an Gott gefunden, was ich für mich persönlich als sehr wertvoll empfinde, weil sich rückblickend in meinem Leben alles zu meinem Besten entwickelt hat und ganz sicher so für mich vorher bestimmt war von einer höheren Macht.

          Hört sich jetzt vielleicht etwas schwülstig an, ich will es nur an einem kleinen Beispiel verdeutlichen: als Kind hatte ich sehr unter den körperlichen Züchtigungen meines Vaters zu leiden, u.a. musste ich im Nachthemd und barfuss im Schnee stehen. Ich habe mir dann vorgestellt, dass ich Sterntaler wäre und habe mich voll in diese Geschichte eingesponnen und es war alles nicht mehr ganz so schlimm.

          Diese – tja schon so was wie Selbsthypnose – habe ich bei den Stasiverhören wieder hervorgekramt und die wussten echt nicht, was sie davon zu halten hatten. Teilweise saß ich stundenlang in vergitterten Räumen ohne Türklinken innen und musste warten – und da bin ich halt „auf Reisen gegangen“ und habe immer nur auf Fragen ganz still in mich hineingelächellt – ich habe die Fragen oftmals gar nicht mehr gehört. Ich war in einer anderen Welt.

          Was sich allerdings bei mir verinnerlicht hat, ich kann weder geschlossene Türen noch Fenster ertragen und reiße immer alles auf, auch wenn es kalt ist. (Aber es wird schon weniger.)

          Für meinen inneren Frieden habe ich persönlich Allen vergeben, die mir mal Schlimmes angetan haben und habe dabei entdeckt, dass nur das Loslassen eine ungeheuere innere Freiheit gibt und Ängste einfach wegwischen kann. Ich kann es aber nicht vergessen.

          Heute kann ich ohne Angst Zeugnis ablegen, obwohl ich mir schon einen inneren Ruck geben muss, um darüber zu berichten und ich vielleicht dem einen oder anderen einen Tipp geben kann, wie er /sie Ängsten begegnen kann. Denn egal, was Menschen tun oder lassen, wenn Du alles runterbrichst auf den gemeinsamen Nenner – es ist immer nur Angst —> IMMER !!!

          Mir ist ja letztendlich nichts körperlich passiert. Dass meine Seele dabei kaputt ging, naja – ich hatte dann eine tolle Therapie.

          Ich stand ja „nur“ unter ständiger Überwachung meines 2. EX, da durfte ich noch nicht mal alleine den Müll raustragen und wenn ich mich mit irgend Jemanden unterhielt und er war nicht dabei, ist er wie aus dem Boden gewachsen neben mir aufgetaucht.

          Und so betrachtet ging es ihm doch viel schlimmer – rund um die Uhr einen Stasiauftrag zu erfüllen, wenn er mich nicht unter Kontrolle hätte halten können, wäre er vielleicht auch liquidiert worden. Er wusste das zu dem Zeitpunkt – ich hab´s ja erst 2006 erfahren.

          Ich wurde aber kurz nach der Hochzeit 1984 schwer krank, was dann auch zu meiner Invalidisierung führte – und damit war die Rundumüberwachung perfekt. Inwieweit da die Stasi dran beteiligt war – keine Ahnung, ich will´s jetzt auch nicht mehr wissen, zumindestens nicht im Moment.

          Ich habe mich zwar gewundert, dass die Verhöre kurz nach unserem Kennenlernen schlagartig aufhörten, habe das aber damit erklärt, dass er ja bei der Polizei – also im Staatsdienst beschäftigt war. Irgend etwas aber tief in meinem Inneren hat mir geflüstert, ihm erzählst Du auch nicht, was Du weißt.

          Und deshalb denke ich, dass mich Gott die ganze Zeit über beschützt und geleitet hat und ich noch eine Aufgabe habe. Wie weiter oben gesagt: rückblickend hat sich mein Leben und haben sich alle Erlebnisse wunderbar ineinander gefügt – ich wäre Heute nicht die, die ich bin und ich bin ein rundum zufriedener und glücklicher Mensch.

          Mir kann Nichts und Niemand mehr etwas anhaben.

          Das ist unbezahlbar und deshalb konnte ich auch vergeben, denn ohne die Personen, die sich in mein Leben eingemischt haben, wäre ich eben nicht gerade Heute und Hier in diesem Forum und könnte nicht so vielen Menschen (auch in meinem eigenen Forum) Mut machen.

          • Alexander llli sagt:

            Sterntaler, Loslassen, Vergeben ohne Vergessen, Annehmen –
            das ist alles märchenhaft schön; bei aller Tragik – die rückt jedoch angesichts der Lehren, die Sie aus deren Überwindung gezogen haben, beinahe in den Hintergrund

          • klimperkasten sagt:

            Das freut mich! Mir gibt der Glaube auch viel Kraft 😉