Italien: Mittelstand von der Krise erfasst

Von der Keramik-Töpferei bis zu den Luxusgütern: Kleine und mittelständische Unternehmen sind das Rückgrat der italienischen Wirtschaft. Nun droht eine Pleitewelle. Das Sparpaket von Mario Monti macht diesen Unternehmen wenig Hoffnung.

Mario Montis Sparprogramm sieht zwar auch Wachstumsförderung für Infrastruktur-Proejekte vor – für den Träger der italienischen Wirtschaft, den Mittelstand, wird es dagegen nicht geben außer weiteren Sorgen: Schätzungen der Handelskammer von Monza zufolge mussten in den letzten 12 Monaten rund 120.000 italienische Unternehmen ihr Geschäft aufgeben. Die langjährige Vernachlässigung durch Berlusconis Politik sowie die Schuldenkrise mitsamt ihren Einsparungen und Steuererhöhungen zeigen im Mittelstand drastische Folgen. Nicht zuletzt die enorme Drosselung von Kreditvergaben, vor deren Konsequenzen auch die italienische Zentralbank warnt, hat mittelständischen Unternehmen hart zugesetzt, so die Financial Times.

Italien besitzt europaweit den größten Anteil an kleinen Unternehmen, die das Grundgerüst der italienischen Wirtschaft bilden. In den 4,1 Millionen kleinen und mittelständischen Unternehmen werden derzeit noch 69 Prozent der Arbeitsplätze im privaten Sektor gesichert, die gemeinsam 71 Prozent des BIP produzieren.

Unternehmer wie Goldschmied Giorgio Aguzzi fordern nun Wiedergutmachung: „Es scheint, dass wir zu viel verlangen. Aber wir sind das Gerüst der Wirtschaft, wir lassen uns nicht in die zweite Reihe verbannen“. So hat der Handwerkerverband CNA gemeinsam mit Italiens größter Arbeitgeberorganisation Confindustria ein Manifest ausgearbeitet. Neben einer angemessenen Kreditvergabe, einer Rentenreform, dem Verkauf öffentlichen Eigentums, verlangen sie eine Steuer von 0,15 Prozent auf privates Vermögen über 1,5 Millionen Euro und endlich eine klare Industriepolitik.

In der Keramik-Manufaktur von Ubaldo Grazia sind die Spuren der Krise deutlich zu erkennen. Das Unternehmen existiert bereits in der 25. Generation und blickt auf eine 500-jährige Tradition zurück. Von den 75 Mitarbeitern vor einigen Jahren, sind nur noch 5 übrig, berichtet er der Los Angeles Times. Nun bangt er, ob es überhaupt noch eine 26. Generation geben wird.
Unternehmer wie Ubaldo Grazia setzen daher nun all ihre Hoffnungen in die neuen Reformen Montis.

Dafür wurde auch Corrado Passera (ehemaliger Leiter von Intesa Sanpaolo, der größten Retail-Bank Italiens) mit einer neuen Minister-Position, die als Bindeglied zwischen Industrie, Handel und Infrastruktur fungieren soll, betraut. zwar hat Passeras angekündigt, er möchte überholte Gesetze, die kleine Unternehmen künstlich drosseln, abschaffen und den Weg für einen fairen Konkurrenzkampf, Forschung und Expansion ebnen – allein die Zahlen des Sparprogramms werde eher durch Steuererhöhung erbracht werden als durch Maßnahmen zur Förderung des Mittelstands.

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Kommentare

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  1. Colella Giuseppe sagt:

    Es kommt mir vor als Monti den Weizen beim wachsen helfen will,indem am Halm zieht. Wenn der Durst schon da ist ,ist es zu spät zum Brunnenbau Er muss Quellen finden,nicht einen schon Hungernden noch zum Maratonlauf zwingen.

    MfG

  2. King Balance sagt:

    Denn Grundstein für diesen Betrug am deutschen Volk hat ein Sozialdemokrat und ein Grüner gelegt!

    2004: Rot-Grün lässt unter Schröder und Fischer Hedge-Fonds und Derivate zu. Die absurden Renditeziele der Finanzwirtschaf t werden zur allgemeinen Richtschnur.

    Danach gab es einen nahtlosen Übergang zur CDU.

    2005: Im CDU-SPD Koalitionsvertr ag wird die Förderung des Kreditverkaufs festgeschrieben . Zudem will man nur eine „Finanzaufsicht mit Augenmaß“.

    Resultat: Wir kollabieren jetzt ein wenig!

    In Griechenland ist es analog zu DE gelaufen, wobei das Volk sich nicht aller Privilegien berauben lies wie die Deutschen!!!

  3. Radikaldemokrat sagt:

    Man muss sich, so meine ich, die Frage stellen, ob nicht die allmähliche Vernichtung des privaten Mittelstandes eine logische Konsequenz des Fiat-money-Systems ist. Dies möchte ich begründen:

    Der Staat und seine ihm in Komplizenschaft verbundene Notenbank hat ja die Möglichkeit, praktisch unbegrenzt Geld aus dem Nichts zu schaffen. Eindrucksvoll hat das am letzten Donnerstag die Ankündigung der EZB gezeigt, in riesigem Umfang den Banken Geld praktisch zum Nulltarif und zudem gegen wertlose Sicherheiten zu leihen. Unausgesprochen erwartet die EZB, dass die Banken im Gegenzug die Staaten von Euroland finanzieren, indem sie ihre an und für sich nur begrenzt werthaltigen Staatsanleihen kaufen. Der Staat verfügt auf diese Weise über eine fast unerschöpfliche Geldquelle.

    So einfach kann kein mittelständischer Unternehmer, kein Handwerker, kein ehrlicher Arbeiter sein Geld verdienen. Diese müssen nämlich reale Werte schaffen, und das erfordert Arbeit und Mühe. Der Staat wird daher tendenziell praktisch zu einem Monopolisten, nämlich zu dem einzigen, der über Geld verfügt. In dem Konkurrenzkampf derer, die durch ehrliche Arbeit am Markt ihr Geld verdienen wollen, gegen die Agenten des Staates, der Geld zaubern kann, hat der Privatsektor keine Chance.

    Mittelständische Unternehmer, aber auch große Konzerne und letztlich jeder einzelne Arbeitende werden daher bestrebt sein, Anteil zu bekommen an dieser staatlichen Geldquelle. Sie werden nach öffentlichen Aufträgen, nach Subventionen oder einfach auch nach Sozialhilfe begehren. Am Ende steht die vollständige Verstaatlichung der Wirtschaft.

    Das System geht so lange gut, bis niemand mehr ehrliche Arbeit leistet, sondern alle am Tropf der staatlichen Wohltaten hängen.

    Das einzige, das diesem Missstand begegnen kann, ist eine Entstaatlichung des Geldes.

    • G.N. sagt:

      Radikaldemokrat, dass haben Sie sehr gut beschrieben. Genau darauf läuft es die ganze Zeit schon hinaus. Damit wird der Wirtschaft das Rückrat gebrochen und das ist auch das Ziel von Goldman&Sachs und CO! Entweder sind unsere Polithansel zu dämlich das zu durchschauen oder ganz niederträchtige Hochverräter am deutschen Volk!

  4. j.claude sagt:

    solange der oligarchenabschaum unbehelligt weiterhin seinen leistungslosen zins und zinseszinsvon der arbeitenden versklavten bevölkerung einfordern darf steuert die welt in den abgrund.
    in einigen ländern früher in anderen später.
    die zeitspanne wird kürzer sein als gedacht.

    der eigentliche feind sind die grosskapitalisten die sich parasitäre bereichern während der 99%ige rest immer weiter versklavt wird.

    die verbrecher,die feinde der gesellschaft,sitzen weltweit an den hebeln der macht,kassieren die billionen,die wir erarbeiten müssen.

  5. PITderAdler sagt:

    Der Gipfel von letzter Woche war erneut eine grosse Lüge, Lüge, Lüge. Die Abwärtsspirale läuft und die Lawine nimmt Fahrt auf. Lösung kann nur Befreiung von den Zinsen und Zinseszinsen sein. Und zwar Rückwirkend. Alles Andere ist nur Augenwischerei. Ich habe für die Menschen noch Hoffnung, dass sie aufstehen und NEIN zu den Oligarchien sagen.

  6. umL06 sagt:

    Schleichend aber sicher schlingern wir alle dem Abgrund entgegen.

    Auf ein besseres „Danach“ (Crash, Depression, Währungsreformen) lässt bei mit die Hoffnung nicht ganz schwinden.

    • FDominicus sagt:

      Ohne die Entmachtung und das Zusammenstutzen des Staates wird das mit dem besser werden nichts. „Politiker“ hat es nach jedem Crash gegeben und mit der Ihnen innewohnenden Überheblichkeit, greifen Sie erst manch einem Bereich dann den nächsten und immer so weiter. Bis Sie dann soviele Bereiche „kontrollieren“ das alles andere darunter zusammenbricht.

      Politiker sind nicht Lösungen der Probleme sondern deren Verursacher…