Streit in der EZB: Verärgerung über Franzosen

In der EZB ist ein Streit darüber entbrannt, dass der französische Notenbankpräsident verkündete, die Banken sollen mit der zugesicherten, unbegrenzten Liquidität Staatsanleihen kaufen. Damit ist nach der Isolierung Großbritanniens nun Frankreich in den Mittelpunkt gerückt.

Für Nicolas Sarkozy war der EU-Gipfel ein Erfolg. Sein Notenbankpräsident Christian Noyer sagte, nun seien die Voraussetzungen geschaffen, damit die europäischen Banken unbegrenzt Staatsanleihen kaufen können (mehr über dieses interessante Modell – hier).

Dieser Aussage widersprechen nun verschiedene andere EZB-Mitglieder, wenngleich ihre Statements mehr zur Verwirrung als zu Erklärung beitragen dürften. Der österreichische Notenbank-Präsident Ewald Nowotny sagte, die EZB habe nicht die Absicht, Staatsanleihen zu kaufen. Vor allem die Deutschen sollen über den Vorstoß von Noyer nicht erfreut sein.

Beobachter wie die FT deuten diese Aussage vor allem als einen Ausdruck der Hoffnung der Franzosen, dass sie sich durch diese Möglichkeit bis zu den nächsten Wahlen retten könnten. Und an diese Möglichkeit mag die EZB vielleicht nicht in erster Linie gedacht haben. Denn eigentlich soll die unbegrenzte Liquidität zur Aufbesserung der Kapitalbasis der europäischen Banken verwendet werden. Aber, so räumt auch die FT ein, es sei nicht zu erwarten, dass sich die EZB beklagen würde, wenn wirklich einzelne Banken so nebenbei ein paar Schrottpapiere erwerben würden, um der unter Druck geratenen Euro-Zone zu helfen.

Es darf angenommen werden, dass vor allem die französischen Banken unter erheblichen Druck von Nicolas Sarkozy geraten werden. In Frankreich gibt es traditionellerweise eine sehr enge Beziehung zwischen den politischen Eliten und den Banken.

Und wenn die Banken dem Druck nicht widerstehen können, dann werden sie, wie schon begonnen, Kreditausfallversicherungen gegen ihre eigenen Staaten verkaufen (mehr hier). Die werden zwar im Ernstfall nichts wert sein, aber bei geschickter Weiterreichung der heißen Kartoffel eröffnet es den Banken zumindest die Hoffnung auf neue Wege, um Cash zu generieren.

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Kommentare

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  1. Grauhut sagt:

    Der Beschiss des EU-Steuerzahlers als Gewährträger der EZB über Bande funktioniert juristisch halt nur, wenn die EZB so tut, als wüsste sie nicht wozu ihre Kredite eingesetzt werden, ansonsten ist das verbotene direkte Staatsfinanzierung… 😉

  2. Karl-Heinz sagt:

    Zitat:“In der EZB ist ein Streit darüber entbrannt, dass der französische Notenbankpräsident verkündete, die Banken sollen mit der zugesicherten, unbegrenzten Liquidität Staatsanleihen kaufen.“

    Solche Probleme entstehen, wenn man, über die Casting-Couch, selbstverliebte Deppen für die Daily-Soap engagiert.

    Christian Noyer hat nur, zu Selbstdarstellungzwecken, die Wahrheit gesagt.

    Es wird weder auf die Qualität der Politdarsteller geachtet, noch auf ein exaktes Drehbuch.

    Das Theaterstück droht an der schlampigen Produktion zu scheitern.

    Vielleicht ist der Produzent aber auch überfordert, weil er zeitgleich die Stücke für die Destabilisierung Rußlands, den Nahen Osten und Asien inszenieren muß.

  3. G.N. sagt:

    „Vor allem die Deutschen sollen über den Vorstoß von Noyer nicht erfreut sein.“ Jetzt werden wir bald sehen, ob das BVG noch etwas zu sagen hat oder dieses diktatorische Regime vertreten von dem Hosenanzug und dem Rollstuhl endgültig über die Demokratie gesiegt haben!

  4. M.Gatzke sagt:

    Advent Advent, der IQ brennt…
    Zitat: Die Banken sollen mit der zugesicherten, unbegrenzten Liquidität Staatsanleihen kaufen.
    Nun seien die Voraussetzungen geschaffen, damit die europäischen Banken unbegrenzt Staatsanleihen kaufen können .
    ———-
    Heißt im Klartext übersetzt wohl nichts anderes : Die Sause kann unbegrenzt weitergeführt werden.
    Das Geld fällt vom Himmel, es geht niemals zu Ende.
    Der kommenden Generation kann man nur raten, sich darauf einzustellen.
    Wer mitdenkt- das zu Ende denkt, der weiß spätestens jetzt , was er zu tun hat.
    Der weiß- oder ahnt- was uns damit erwartet- es gibt sowas wie eine logische Folge.
    Soviele Hornochsen auf einem Haufen könnte selbst der klügste Bauer nicht mehr zähmen.

  5. Kein Eurofan sagt:

    Not macht erfinderisch und den meisten Politikern ist alles Recht, wenn sie damit ihre Haut retten können. Nachher kann ruhig die Sintflut kommen.

  6. Chris sagt:

    Der Hick Hack in der EU kommt mir immer mehr vor wie eine Beschäftigungstherapie. Wenn die Politiker ihre Länder solide geführt hätten, wären dies Probleme nicht da! Da bleibt mir nur die Hoffnung, daß in diesem Chaos und Stress die Belastung für die verantwortichen Politiker so sehr steigt, daß die Lebenserwartung der Politiker rapide sinkt. Leider ist Helmut Kohl mit seinen 81 kein sehr gute Beispiel dafür. Ich wünsche mir, daß er als Ausgleich für den Schaden, den er in seiner Regierungszeit verusacht hat so schnell wie möglich das zeitige segnet.

    • Freistaat-Danzig sagt:

      Falsch, mein Lieber!!!

      Dieser Kriegsverbrecher soll ein seeeehr langes Leben haben, damit er ggf. noch vor ein Tribunal gestellt werden kann.
      Kriegsverbrechen verjährt nicht.
      Dasselbe für den Hosenanzug!!!

    • malocher: sagt:

      mann darf dabei aber auch nicht Helmut Schmidt und Willi Brand vergessen
      die Anfang der 70ger den Schuldenreigen miteröffnet haben

  7. FDominicus sagt:

    Banken die pleite sind kaufen Anleihen von Staaten die Pleite sind. Was für eine „interessant“ Entwicklung.

    • Karl-Heinz sagt:

      Sie Ketzer, Sie!

      Sie werden doch nicht an den Selbstregulierungskräften „des Marktes“ zweifeln?

      Die Heilige Inqusition der Milton-Friedman-Sekte wird Sie auf den rechten Pfad zurückbringen 😉

    • Mike sagt:

      Ja, das ist doch das schöne daran: jetzt kann es endlos so weitergehen!!!
      Und das noch vor Weihnachten – die Geschenke fallen also wieder prächtig aus!
      „Unbegrenzte Liquidität“ – na, wenn das nicht der Wink mit dem Zaunpfahl ist!

  8. Julia sagt:

    Unser Sarkozy ist gefaehrlich, gefaehrlicher als die weiter rechte. Er gehoert vor einen Richter. Aber, solange sie im Amt sind, sind sie nicht antastbar. Deshalb muss Sarkozy die Wahl gewinnen. Deshalb muss der diktatorische „vertrag“, der nicht rechtens ist, vor der Wahl unterschrieben sein;