USA: Chemiekonzerne spüren deutliche Auswirkungen der Eurokrise

Etliche amerikanische Chemiekonzerne haben in den vergangenen Tagen ihre Gewinnerwartungen nach unten korrigiert. Grund hierfür ist der Lagerabbau in vielen Unternehmen, die aus Sorge um fehlende Nachfrage ihre Bestände kürzen. Offenbar läuft auch die Unterhaltungselektronik nicht wie gewünscht.

Viele Chemiehersteller in den USA, die Rohmaterialien und Baukomponenten für Unternehmen produzieren, machen sich Sorgen über die Nachfrage ihrer Abnehmer. Letztere reduzieren aus Angst vor weniger Nachfrage aufgrund der Eurokrise lieber ihre Lager statt sie aufzufüllen. Das amerikanische Unternehmen DuPont & Co. etwa, Hersteller von Produkten wie Automobil- und Industrielacken, technischen Kunststoffen sowie Druck- und Verpackungsmaterialien, teilte am Freitag in einer Pressemitteilung mit, dass man mit weniger Gewinn rechne. „Wir sehen im vierten Quartal ein geringeres Wachstum in bestimmten Segmenten.“

Grund hierfür sei die steigende Unsicherheit in der Weltwirtschaft, die zu einem „ vorsichtigem Liquiditätsmanagementbei in einigen Zuliefererketten“ führt, sagt Ellen Kullmann, Vorsitzende von DuPont. „Wir beginnen jetzt, den Kollateralschaden der Ereignisse in Europa zu sehen”, erklärt Peter Bookway von Miller Tabak & Co der die Umstände der Nachrichtenagentur Reuters.

Industrielle Anbieter sagen, der Lagerabbau bei ihren Kunden habe in den vergangenen Wochen selbst in Bereichen wie der Unterhaltungsindustrie, in der Automobilwirtschaft und bei Plastik deutlich zugenommen. Besonders Chemieunternehmen sind von dieser Reduzierung betroffen, ihre Produkte sind der Grundbestandteile vieler produzierter Güter. „Die Tatsache, dass der europäische Markt nicht wächst, wird einen negativen Effekt haben“, beschreibt Rebecca Lindland von IHS Automotive die Situation des europäischen Automarktes. Der europäische Automobilsektor sucht verzweifelt nach neuen Märkten für den Absatz seiner Produkte, da der Absatz abgesehen von Deutschland in den bisher größten Märkten drastisch gesunken ist.

Interessant ist auch die Reduzierung der Bestände in Unternehmen zur Herstellung von Unterhaltungstechnologien, die mit Smartphones , Tablets und Fernseher eigentlich gute Ansätze finden müssten. Der Halbleiterhersteller Texas Instruments bedient viele Unternehmen dieser Branche mit Rohmaterialien. In den vergangenen Quartalen „wurden die Lagerbestände dieser Produkte bei den Verteilern halbiert“, zitiert das Wall Street Journal Ron Slaymaker, der Vizepräsident von Texas Instruments. Der Leiter der Firma 3M geht davon aus, dass die Vorsicht der Abnehmer ihrer Produkte bezüglich der Lagerbestände zu Beginn des nächsten Frühjahrs auch die Verkäufe treffen wird.

Problematisch könnte in diesem Zusammenhang auch die Zuliefererkette für die Rohmaterialien und Bauteile werden, die ihrerseits ebenfalls die Bestände kürzen. Hunderte Produkte der Firma 3M von Sandpapier bis hin zu Reflexfolien für elektronische Produkte werden über eine dritte Partei verkauft, die ebenfalls ihre Lagerbestände reduziert haben.

Dieser zunehmende Lagerabbau scheint auch mit einer geringeren Produktion einherzugehen. Greif Inc., ein Unternehmen für Verpackungssysteme, nutzt verschiedene Chemikalien wie Salzsäure, die Nebenprodukte der Produktion von Gebrauchsgütern sind. In den vergangenen Wochen stellte man jedoch fest, dass die Preise für diese Chemikalien signifikant gestiegen sind, was er auf die gedrosselte Produktion zurückführt, erklärt David Fischer, der Präsident des Unternehmens.

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Kommentare

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  1. Martuk sagt:

    Reduzierte Lagerhaltung = reduzierte Kosten.
    Viele Firmen haben jetzt einen Liquiditätsengpass, den man durch abbau der Lagerbestände auszugleichen versucht.
    Neue Kredite durch die Banken sind zu guten Konditionen kaum noch zu bekommen.

  2. Freistaat-Danzig sagt:

    OHO die Unterhaltunghselektronik ist auch betroffen?

    Beginnen die Leute etwa Bücher zu lesen?

    „Ab Oldenburg“, sagt man „wird getrommelt“

    also brauchen wir tatsächlich keine Smartphones.