EZB kauft wieder italienische Staatsanleihen

Die Wirkung des EU-Gipfels ist verpufft: Heute konnte nur eine Intervention der EZB verhindern, dass die Zinsen für italienische Papiere wieder steigen. Mit Moody’s hat heute eine zweite Ratingagentur ihre Skepsis gegenüber Europa zum Ausdruck gebracht.

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Nach den mäßigen Ergebnissen des EU-Gipfels am Freitag waren die Blicke heute auf die Märkte gerichtet. Sollte es gelungen sein, mit der 27-1-Lösung (Großbritannien entschied sich für das Exil – mehr hier) etwas Vertrauen an den Märkten geschaffen zu haben? Die Antwort ist „Nein“. Die vagen Beschlüsse hin zur Fiskalunion (Goldman Sachs hält sie für „idiotische Statements), je nachdem, wie ihre Ausfertigung im Detail sein wird, sind eher eine langfristige Umgestaltung in der Eurozone und der EU. Kurzfristige Lösungen sind noch immer nicht geboten. Banken werden unterstützt, wenn sie weiter Schrottpapiere kaufen (mehr hier), und die EZB kann ohne Deutschland nicht drucken. Auch Eurobonds, die die Nachfrage der üblichen Staatsanleihen gefährden und Deutschland stärker in die Verantwortung für die Schulden anderer Länder ziehen werden, würden wenn, dann erst Sinn machen, sobald die gewünschte Fiskalunion tatsächlich vollzogen ist. Und die Grenze zwischen Fiskalunion und Transferunion ist dünn und löchrig.

Italien musste  heute ran. Die Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren und im Wert von 7 Milliarden Euro erfreuten sich einer guten Nachfrage, aber die Zinsen stiegen zwischenzeitlich auf 6,56 Prozent und gingen letztlich für 5,95 Prozent über den Tisch. Bei einer ähnlichen Auktion vor einer Woche lagen die Zinsen bei 6,35 Prozent. Die im Laufe des Vormittags gesunkenen Zinsen sind jedoch auf Käufe der EZB am Sekundärmarkt zurückzuführen, wie Händler der Nachrichtenagentur Reuters berichteten. Die Aktienkurse spiegeln indes die Nervosität der Märkte deutlicher wieder. Der Dax sank indes um 0,7 Prozent, der französische Aktienindex CAC fiel um 0,8 Prozent am frühen Morgen und der britische FTSE 100 verlor 0,3 Prozent. Frankreich wird heute ebenfalls versuchen, zehnjährige Staatsanleihen im Wert von 6,5 Milliarden Euro zu verkaufen.

Die fallenden Aktienkurse, die europäischen Aktien sinken zum vierten Mal in fünf Tagen gesunken, sind vor allem auf die Ankündigung Moody’s von heute Morgen zurückzuführen. Nachdem vor einer Woche die Ratingagentur S & P 15 Eurostaaten unter Beobachtung gestellt hat (mehr hier), teilte nun auch Moody’s mit, definitiv die „Bonitätsnoten der Länder der Währungsunion“ bis zum ersten Quartal 2012 zu überprüfen. „Vieles und nichts hat sich durch den EU-Gipfel geändert“, sagt Dan Morris von Moody’s. Erst am Freitag hatte die Agentur die französischen Großbanken BNP Paribas, Crédit Agricole und Société Générale aufgrund von Kreditproblemen und risikoreichen Beteiligungen an den Schulden in der Eurokrise herabgestuft.

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Kommentare

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  1. Colella Giuseppe sagt:

    Italien und seine Technikerregierung-sie arbeitet zwar unentgeldtlich,aber in der Ausprache dieser Leaders hört man englischen Akzent,Ihre erste Tat Refinanzierung der Banken,Bargechäfte ab 1000 Euro illegal,alle Einkäufe darüber muss mit Scheck bezahlt werden,Rentenauszahlung nur am Bankomat mit Karte( 80 jährige müssen Umgang damit eben lernen,meinen sie dazu )und Papst Ratzinger als Führer der Staatsreligion bittet, am Gebet zu einem Weg aus diesen Nebel sich anzuschliesen,während selbst ich, als Finanzmarktlaie, das ohne Eigenmittel Spielchen mit den Staatsanleihen der Investitoren durchschaue,Am meisten stuzig macht mich, dass die Paten der Unterwelt stumm und klanglos hinnehmen, dass ihre Existengrundlagen damit vernichtet wird. Haben Sie etwa eingesehn, dass sie bisher nur Hardgeld Geschäfte tätigen und deswegen sich weltweit um Banklizensen bemühen?

    MfG

  2. Michele sagt:

    EZB, tolle Einrichtung!?
    Die EZB bringt die Kleinsparer immer mehr in Bedrängnis.

  3. Peter sagt:

    26 Deppen haben am Wochenende was beschlossen ? Achja das sie in Zukunft weniger Schulden machen wollen, und das *ironie an* schon(!) im März 2012 *ironie aus* unterzeichnen wollen. Ich bin kein Finanzexperte, aber was das an den derzeitigen Problemen lösen soll ist mir ein Rätsel.

    Die EU spart schon Griechenland zu nen dritten Welt Land. Italien und Spanien folgen. Die Abwertung der nächsten EU Länder wird sicher nicht lange auf sich warten lassen und kommt völlig gerechtfertigt.

    Lasst die Länder endlich frei und sich mit nationalen Währungen und Abwertung wieder erholen, und wenns schon dabei seids beendets endlich diese Europäische Untergangs Gemeinschschaft !

  4. bluegringo sagt:

    Ja … aber genau dass (Rückabwicklung) wird nicht passieren … weeßt schon wegen „Krieg“ unso … jaja alles nur gute für das Volk … ähm Schuldigung … Verbraucher … also schön alles verbrauchen dann wird alles gut wenn alles verbraucht ist 😉

  5. khaproperty sagt:

    EZB und all die von ihr nun mit Steuerzahler-Geld ohne Ende versorgten Banken sollen nach dem Willen der PIIGS-gesteuerten Mehrheit in der Währungsunion und der Zentralbank mit direkter und indirekter Monetarisierung der Verschuldung aller PIIGS-Staaten nicht nur systematisch erneut und nun auch endlos und unbegrenzt dafür sorgen, daß die Europäische Union endgültig auseinanderfliegt, denn das ist das Ergebnis – gewollt oder nicht.
    Die damit betriebene hemmungslose Inflationierung der Gemeinschaftswährung Euro schädigt den Steuerzahler über die gigantischen Schulden, Garantien und Gewährleistungen für die Instititionen EZB, EFSF, ESM u.a. hinaus so auch noch mit der Entwertung all seiner Ersparnisse sowie aller laufenden Einkünfte.
    Daß etliche Folgegenerationen ebenfalls dafür zahlen müssen, ist evident, denn durch nur eine Generation ist der bereits gegenwärtig angerichtete Schaden schon nicht mehr zu bezahlen.
    Ceterum censeo: Die Rückabwicklung des Euro ist unumgänglich, damit der unkontrollierte Zusammenbruch der Gemeinschaftswährung nicht noch mehr Schaden anrichtet.

  6. jay twelve sagt:

    Stellt Euch vor, alle Vogelarten würden auf die *Kuckuck Ei Ablage Modell* umsteigen.
    Parasitär & Schlau, wie der Vogel Kuckuck nun mal ist, brütet das Kuckucksweibchen bis zu 25 Eier und verteilt sie einzeln ins anderer Vogelnest.
    Wenn das Modell alle Vögel beherzigen, dann würde es sehr viele Eier knallhart erwischen, sie werden aus dem Nest weggeschmissen. Kaum ein Vogel würde Küken ausbrüten, die Welt würde sehr viele Vogelarten alsbald vermissen.

    Genau nach V.K.E.A. Modell, betreibt die Federall Reserve Bank seit 98 Jahren ihr Geschäft.
    Seit 1972 ist das Monetäre System Bretton-Wood-Abkommen, durch V.K.E.A. Modell ersetzt. Man richtete sich von da an nur noch nach Kuckuck-Ei-Verteiler-Konzept.
    Man ist jetzt so weit, gesunde Eier brütet wohl kaum noch einer.
    Derzeit werden nur noch fauler Eier als Staatsanleihen deklariert, man ist wild darauf die Neste zu räumen, das Ergäbnis ist, alle Bankenarten sind de Facto krepiert.

  7. aaa@aon.at sagt:

    Der Herr Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und Mitglied des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB-Rat) hat doch erst vor 1 – 2 Tagen in einem ORF Interview behauptet, dass die EZB keine Staatsanleihen mehr kauft.

    Und in verschiedenen Medien wurden die sinkenden Zinsen für Ital. Staatsanleihen gefeiert.
    Den Grund dafür ist laut Artikel oben: „Die Wirkung des EU-Gipfels ist verpufft: Heute konnte nur eine Intervention der EZB verhindern, dass die Zinsen für italienische Papiere wieder steigen. Mit Moody’s hat heute eine zweite Ratingagentur ihre Skepsis gegenüber Europa zum Ausdruck gebracht“.

    Beleuchtet man die Hintergründe div. Meldungen kommt schnell die Wahrheit ans Licht.

  8. Gast sagt:

    Wie schreiben die Medien. Die Italiener wollen heute streiken, dabei zeigen die Sparmaßnahmen erste Wirkungen wie man an Hand der Zinsen für Staatsanleihen sieht.

    Tatsache ist, das sinkende Zinsen für italienische Staatsanleihen deswegen sinken, weil die EZB mit ihrem unbegrenzten Kredit an Banken im Hintergrund mitspielt. Warum versuchen die Medien eigentlich die Öffentlichkeit zu verdummen, wo doch offensichtlich ist wie das EU-Anleihensystem jetzt funktioniert.

    Ich erwate demnächst die Umsetzung des angedrohten Ratings für Europa und deren Banken, da der EU-Gipfel ja nicht wirklich etwas beschlossen hat, was nicht noch mehr Schulden verursacht oder eben einfach noch mehr Geld kostet. Der Gipfel hat der Welt nun endlich gezeigt, das Europa politisch nicht in der Lage ist sich selbst zu helfen. Die Märkte beweisen das der EU-Gipfel nur Luft verbraucht hat und der DAX macht mit – 1,80 % klar wohin die Reise geht, auch wenn die Eurokraten jetzt glauben sie hätten etwas ganz tolles beschlossen was alle sofort in Partylaune versetzt.

  9. Roland Neubauer sagt:

    Next all over Europe, so sieht ein Bank-Run aus.
    Lettland heute:

    http://www.marktorakel.com/index.php?id=9051313471412675800

  10. Stefan Müller sagt:

    verpufft? dieses vorgehen der regierenden war im vorfeld schon zum scheitern verurteilt. sie werden niemals zugeben das sie die lage nicht mehr unter kontrolle haben und wir von bankstern regiert werden. das stimmvieh soll ruhig gehalten werden wenn der grosse knall kommt. währungsreform steht schon vor der tür. die weltwährung nähert sich auch langsam aber sicher.

    weitere infos auch hier:
    alienargus.com

    viele grüße