Japan: Banken leihen 20 Milliarden Dollar

Das erste Mal seit der Zinssenkung vergab die Bank of Japan Kredite an Banken und erlebte einen regelrechten Kredit-Run. Insgesamt wurden fast zwanzig Milliarden Dollar geliehen, von denen auch ausländische Finanzinstitute profitiert haben könnten.

Die globale Dollar-Knappheit und die Unsicherheit aufgrund der Euro-Krise manifestieren sich nun auch in Japan. Die heute von der japanischen Zentralbank vergebenen Kredite überstiegen alle Erwartungen und erreichten in ihrem Umfang ein Rekordhoch. Die Banken nahmen Drei-Monats-Kredite im Wert von 4,756 Milliarden Dollar von der Bank of Japan (BoJ) auf und auch kurzfristige Kredite einer Laufzeit von lediglich einer Woche fanden regen Absatz: 13 Milliarden Dollar verlieh die BoJ davon.

Mit sechs anderen Zentralbanken weltweit senkte die Bank of Japan vor rund zwei Wochen ihre Zinsen, um der globalen Dollarknappheit entgegenzuwirken (mehr hier). Seitdem bietet die BoJ unbegrenzt Kredite gegen Absicherungen an. Die nun ausgegebenen Kredite waren die ersten seit dieser Zinssenkung und wurden zu einem festgelegten Zinssatz von 0,60 Prozent und 0,61 Prozent angeboten. Die Anzahl der wahrgenommenen Kredite war die höchste seit Mai 2010. Von Juli 2010 bis zum 2. November 2011 wurden bei entsprechenden Kreditvergaben nur insgesamt Kredite im Wert von 100 Millionen Dollar in Anspruch genommen.

Wie viele Banken insgesamt bei dieser Aktion Kredite aufgenommen haben und wer diese Banken waren, sagt die BoJ nicht. Aber neben japanischen Finanzinstituten können auch ausländische Banken mit Geschäften in Japan auf die Kredite zurückgreifen, schreibt das Wall Street Journal. Kioyoshi Iida von Totan Research geht davon aus, dass die Banken nicht nur aus reiner Vorsichtsmaßnahme Kredite aufgenommen haben. Einige haben sicherlich die zu günstig erhaltenen Kredite einfach zu höheren Zinsraten weitervergeben haben, um so noch von der Dollar-Knappheit zu profitieren.

Kommentare

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  1. khaproperty sagt:

    Der Hintergrund der Liquiditätsschwemme in Japan liegt in dem Umstand, daß für den Fall des Absinkens des Nikkei unter 8000 Punkte (das wäre bald zu erwarten) all die bei den japanischen Banken, Versicherungen und Großunternehmen liegenden Wertpapiere (Anlagen sowie Sicherheiten) einer Abschreibung unterlägen, welche zum Zusammenbruch der japanischen Ökonomie führen könnte.
    Schon bei der Kernschmelze in Fukushima war die des Finanzsystems nur knapp vermieden worden. Beruhigungspillen der Regierung wurden tonnenweise verteilt und führten zu einer erheblich falschen Einschätzung des Unfalls und der Verstrahlung. Die Grenze bei 8000 Punkten jedoch hielt. Nun wird sie erneut getestet.
    Es kommt erstens, anders zweitens, als man denkt drittens und viertens auch noch aus der ganz anderen Richtung.