Japan und Bundesbank gegen IWF-Aufstockung

Die Hoffnungen, der IWF könne durch höhere Beiträge seiner Shareholder zum Retter in der Eurokrise werden, haben einen Dämpfer erhalten: Die japanische Notenbank und die Bundesbank wollen nur unter harten Bedingungen ihren Anteil aufstocken.

Die Rettung durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) war gewissermaßen der Plan B der EU-Gipfelstürmer. Beim Treffen in Brüssel war unter anderem angeregt worden, die Shareholder des IWF sollten ihr Kapital aufstocken. Mit diesem Geld könnte dann den kriselnden Euro-Staaten geholfen werden, wenn die Vertragsänderungen zu lange dauern (was sie wohl werden – mehr hier).

Diesem Ansinnen haben nun die Japan und die deutsche Bundesbank eine Absage erteilt. Höflich wie die Japaner nun mal sind, haben sie natürlich nicht „Nein“ gesagt, sondern eine Aufstockung genau an die Bedingung geknüpft, die Merkel, Sarkozy und die EU-Kommission gar nicht gerne hören wollen. Der japanische Finanzminister Jun Azumi sagte, die EU müsse einen überzeugenderen Plan vorlegen, bevor Japan seinen Teil aufstocken könne: „Ohne dass die europäischen Staaten genau sagen können, wie viel Geld sie brauchen, um die Krise zu lösen, sind wir nicht in der Lage, einen nächsten Schritt zu tun, der den IWF einschließt.“ In diesem Zusammenhang ist von Bedeutung, dass Japans Banken offenbar mit erheblichen eigenen Problemen zu kämpfen haben (mehr hier).

Nach dem EU-Gipfel hatten die Europäer verkündet, sie wären bereit, den IWF um 200 Milliarden Euro aufzustocken und erwarteten, dass die anderen großen Anteilseigner am IWF mit einer Summe in gleicher Höhe mitziehen würden.

Die Bundesbank übte sich in der Formulierung ihrer Ablehnung in japanischer Höflichkeit: Man könne nur aufstocken, wenn auch andere Staaten in Europa und anderswo in der Welt aufstocken. Die USA und Großbritannien haben bereits abgewinkt. Und der kanadische Finanzminister Jim Flaherty brachte die Sache auf den Punkt, indem er sagte: „Der IWF ist dazu da, den armen Ländern der Erde zu helfen. Den europäischen Staaten geht es vergleichsweise gut.“ Wenn es überhaupt eine Hilfe gebe, dann nur, wenn klar sei, was exakt mit den neuen Geldern gemacht werden soll.

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Kommentare

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  1. Chris sagt:

    Der Euro wird deswegen nicht scheitern. Im Gegenteil, nachdem man jetzt scheinbar alles mögliche und unmögliche unternommen hat um den Euro zu retten, wird man dies als Vorwand verwenden, um der EZB das letzte denkbare Mittel endlich in die Hand zu geben: Gelddrucken!

    • Michele sagt:

      Mit Geld drucken allein ist die Frage, wer bekommt wieviel und zu welchem Zweck, mir als Bürger bei weitem nicht klar. Das ist scheins das Geheimnis der Gremien.

      Als Bürger wünsche ich mir auch Zuwendungen, leider muss ich mit dem auskommen, was ich habe. Durch Geldvermehrung wird mir persönlich sogar genommen.

  2. Michael sagt:

    Wenn ich meinem Nachbarn Geld leihen würde, obwohl ich weiß, daß er selbiges nimmt und damit in die Spiel- oder Trinkhalle geht, müßte ich Dressche bekommen.

    • Michele sagt:

      Mich würde mehr interessieren, WIE das mehr oder weniger aufgestockte Geld anschliessend nutzbringend verwendet wird. WER erhält Zuwendungen für WELCHEN ZWECK und in welcher Höhe. Analysen und Pläne darüber gibt es sicherlich genug.

      Dass man Geld aus einem Topf nehmen darf, ist zu vage und hat mit der Behebung von Struktur-Missständen/Unterschieden wenig zu tun.

      Darüber hätte ich gerne mehr Berichterstattung.

      Finanzierungen müssen einem Zweck dienen. Die Zweckerklärung wird den Bürgern nicht vermittelt. Es wird mit Schlagworten operiert, wie Schuldenkrise, Bankenkrise, Finanzierungskrise, Fiskalunion ect. ect.

      Das reicht nicht für eine Meinungsbildung.

  3. goldhamster sagt:

    Gemach, gemach. Das Europäische Reich von José Manuel Barroso und Herman Van Rompuy ist in Auflösung. Also liebe Freunde, bunte Zettel von der Bank holen und in Sachwerte anlegen, sonst fackeln selbige ab:
    http://www.netzw3rg.de/wp-content/uploads/2010/07/geld_brennt_400q.jpg

  4. Munnie sagt:

    Nur allzu verständlich. Ich würde auch keinen Blankoscheck ausstellen.

    Hoffentlich hat dieser Wahnsinn bald ein Ende.

    Aber wir selbst haben auch Möglichkeiten genug, etwas zu tun. Wenn alle Menschen in der Euro-Zone ihre Ersparnisse von der Bank abholen, ist das System schneller am Ende, als man sich vorstellen kann.
    Besser jetzt abholen und in Sachwerte investieren, als weginflationieren lassen.

  5. Skydiver sagt:

    Die EU Staaten können genau sagen, wie viel Geld sie brauchen, um die Krise zu lösen. Soviel Eurotz, wie man benötigt, um ein Fass ohne Boden zu füllen: ∞