Italien: Markt zeigt wenig Vertrauen in Monti

Der Staatsanleihenmarkt hat sich nicht von den zunächst hoch gelobten Beschlüssen beim EU-Gipfel und auch nicht von Mario Montis Sparmaßnahmen blenden lassen. Die Zeichen sind eindeutig: Italiens Zinsen erreichen ein neues Rekordhoch.

Am Freitagabend sah alles noch so gut aus: Alle EU-Länder außer Großbritannien stimmten darin überein, einen neuen zwischenstaatlichen Vertrag auszuarbeiten. Und heute? Dänemark, Ungarn, Tschechien und Polen rudern zurück (mehr hier).Wieder gibt es Unstimmigkeiten, die die Vertrauenskrise der Märkte zunehmend verschärfen. Daran kann auch nicht José Manuel Barrosos harsche Kritik an David Cameron ändern (mehr hier) – ganz im Gegenteil.

Mario Monti dachte bis gestern auch, er sei auf dem richtigen Weg zur Beruhigung der Märkte. Nachdem das italienische Sparpaket im Umfang von 30 Milliarden Euro durch das Parlament gewunken wurde: “Wir sind zuversichtlich, dass die Märkte positiv auf die Fortschritte, die Italien macht, reagieren werden.“ Eine Reduzierung der Kreditkosten, „an der wir in den kommenden Monaten teilhaben werden, wird unsere Wirtschaft ankurbeln“ sagte er am Mittwoch den Abgeordneten. Das wird sicherlich noch eine Weile dauern. Heute stiegen die Zinsen für italienische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 5 Jahren auf ein neues Rekordhoch. Die Anleihen im Wert von 3 Milliarden Euro erreichten Zinsen von 6,48 Prozent. Einen Monat zuvor lagen sie bei 6,29 Prozent.

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Kommentare

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  1. Fernfahrer Willi sagt:

    Merkel im Bundestag „Wenn dieser Olympia-Teilnehmer aus Afrika, vor wenigen Tagen 100 Meter in 4,0 Sekunden schaffte, weil er, wie man mir sagte eine Abkürzung kannte, so werden wir noch schneller aus der Krise kommen, weil unser Weg noch kürzer ist als die Abkürzung des direkten Weges.“

  2. Meckerziege sagt:

    Ach wie schön,

    die Goldmänner haben wohl ihren direkten Draht nach oben verloren.

    Gottes Werk sieht eben doch ein klein wenig anders aus:

    „Was Du dem geringsten meiner Brüder getan hast, das hast Du mir getan !“

    • Ingo sagt:

      Also tunsie es sich selbst an, da es keine Trennung gibt.Wir, ich bin ihnen dankbar dafür, dass sie uns die Augen und Geist öffnen. Vielen Dank!!!

  3. Gerald Müller sagt:

    Italien hat 300 Milliarden € im ersten Quartal 2012 zu „refinanzieren“.
    Dazu kommen dann noch die „laufenden Kosten“ für das Haushaltsjahr 2012.
    Der unbegrenzte Ankauf von europäischen Staatsanleihen ist für die EZB „alternativlos“.

  4. Colella Giuseppe sagt:

    Ich hörte mal einmal einen Bänker sagen,-man macht Schulden um sie später nicht zurückzuzahlen-,den bei 1900 Mrd ital.Staatschulden nur mit 5%verzinnst ergibt allein für Zinnsaufwendung ca 10 Mrd Euro monatlich,die wird auch ein Herr Monti mit der Zeit nicht aufbringen können,Mit gegenkonjunkturellen und fiskalischen Daumenschrauben schon gar nicht, aber auch nicht wenn er Amtshilfe bei den fähigen Beratern seiner Hoheit Rashed Al Maktoun von Dubai,wie man Aufschwung schaffen könnte,holt.Selbst dann nicht wenn er die Liegenschaften und Gebäuden der katholischen Kirchen landesweit in der Reform der UMI(Gemeindegrund/gebäudesteuer die verdoppelt werden soll)mit einbeziehen würde(Sie sind durch Staatsvertrag aber davor geschützt,da wird die Kurie tief durchgeatmet haben) und auch wenn die Gelder der Unterwelt legalisieren würde(da sie ja durch Globalisierung seit jeher wo anders für Aufschwung sorgten)kann es eigentlich rechnerisch nicht gelingen , aus der Situation anders rauszukommen als dass Herr Monti dem Rat des obigen Bänkers durchzurechnen.

    MfG

  5. Michele sagt:

    Und bei begrenztem Budget gilt:
    Wenn die einen zu viel rausnehmen bleibt für die anderen nichts mehr übrig.

    Das betrifft alle Gesellschaftsschichten.
    Die angestrebte Gewinnmaximierung sollte man in Notzeiten zurücknehmen.
    Das Leben wäre erträglicher, Mehr wie 5kg Fleisch/Tag braucht keiner.

  6. Michele sagt:

    Die Zinsdifferenz ist des einen Freud, des anderen Leid.
    Und darauf sind schon viele sehr spezialisiert ( Bis zum „Geht nicht mehr“).

    Wirkliche Wertschöpfung ist jedoch etwas anderes.

  7. lowabras sagt:

    Die Politiker leben alle in einer Scheinwelt, die mit der Realität nicht im Geringsten übereinstimmt. Das ist der Grund, weshalb bei all ihren Aktionen für die Praxis absolut nichts Brauchbares herauskommt.
    Ist aber nicht verwunderlich, wenn man den Aufwand betrachtet, mit dem ein Politiker permanent versuchen muss, seinen Platz innerhalb der Partei zu sichern und den begehrten Jobs nac hzujagen, deretwegen sie ja eigentlich in die Politik gegangen sind! Dazu kommt die ganze Lobbyarbeit, die sie verrichten müssen, um ihre exorbitanten Ansprüche an sozialer Sicherung nachzukommen. Da bleibt in der Tat keinerlei Zeit, sich mit den Bürgern und deren Anliegen zu befassen. Wie sonst wäre es zu verstehen, dass sich 98% aller dieser Parastiten des Volkes einem Fraktionszwang unterwerfen und auch aus diesem Grunde von vorne herein einer Qualifikation entziehen, einer Qualifikation dessen was sie letztlich mitentscheiden. 100% aller Themen die zur vEntscheidung anstehen, werden abgenickt, ohne sich auch nur im Geringsten mit dem Faktum der Abstimmung zu befassen.

    So entstehen Gipfel, die einzig in Unfähigkeiten der Akteure stattfinden und von deren Ergebnissen nichts, aber auch gar nichts für die Realität geeignet ist!

    Die kurzen Perioden der sog. Börsenenrholungen nach so einem Event, sind ausschließlich durch Regierungsnahe Investoren gesteuert, fallen in der Regel einen Tag später wieder in sich zusammen, weil der Markt, die Erfolglosigkeit aller politischen Aktivitäten längst durchschaut!

    Bleibt dann nur noch durch die Regierungsnahen Institute die wirklichen Währungen (Edelmetalle) zu manipulieren, damit die Sache nicht in Panik ausbricht. Mal sehen, wie lange diese einzige Barriere noch hält und die Anleger darauf hereinfallen, dass immer zu den Fixings und der umsatzschwachen Zeiten der Wert dieser wahren Währungen gedumpt wird?

  8. EURO sagt:

    Jetzt traut man nicht einmal mehr einem Goldmann-Sachsen?
    Hauptsache das Vertrauen deutscher Staatsbanken ist nicht erschüttert, wie z.B. das der Landesbank BaWü, die, wie in dieser Woche auf cashkurs.com berichtet wurde, gerade italienische Staatsanleihen gekauft haben soll. Die CDS hat sie gleich „mitgeliefert“. Gewissermaßen ein Rund-Um-Sorglos-Paket. Das lässt doch hoffen?